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Piano-Traditionsmarke seit 120 Jahren

Luckenwalde Piano-Traditionsmarke seit 120 Jahren

Die Niendorf Flügel- und Klavierfabrik in Luckenwalde blickt bei einem Festakt auf ihr 120-jähriges Bestehen zurück. Dazu kamen ehemalige Mitarbeiter sowie die Handelspartner aus China und Vertreter der Stadtverwaltung. Höhepunkt war ein Konzert – natürlich auf einem Niendorf-Flügel.

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Klavierkonzert mit Darya Dadykina zum Firmenjubiläum von Niendorf.

Quelle: Gerald Bornschein

Luckenwalde. Es ist eine Geschichte mit Brüchen und Umwegen, und doch ist man in der Niendorf Flügel- und Klavierfabrik GmbH stolz auf die Traditionsmarke, die Hermann und Karl Niendorf im Jahr 1896 aus der Taufe hoben. Mit einer Festveranstaltung wurde das Jubiläum mit ehemaligen Mitarbeitern und Handelspartnern aus China am Dienstagabend gewürdigt.

Zu den ehemaligen Klavierbauern zählte auch der heute 70-jährige Herbert Müller aus Kloster Zinna. Im Januar 1967 begann er seine Tätigkeit als Möbeltischler im damaligen Betrieb in der Schützenstraße. Es war sein Traumberuf, war er anfangs nur im Holzbau tätig, wurde er nach und nach für alle Arbeiten am Klavier eingesetzt. Er blieb bis zur Insolvenz des Unternehmens 1994. „Jedes Instrument ist eine Persönlichkeit für sich“, sagt er. Und auch die heute bei Niendorf gefertigten Flügel können sich sehen lassen, lautet sein fachmännisches Urteil.

Stummfilm zeigt einstige Fabrik

Als Urenkel der Firmengründer weiß Ralf Jahn aus Erzählungen seines Großvaters vom Standort der Fabrik in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße, vielen Luckenwaldern sicher noch als LUWAL-Gebäude bekannt. Sichtbarer Beleg ist ein Stummfilm zur Holzindustrie aus dem Jahr 1927, den Roman Schmidt aus dem Luckenwalder Heimatmuseum mitgebracht hatte. Darin wird die „bekannte Piano- und Flügelfabrik Gebr. Niendorf“ als „das bedeutendste Unternehmen“ bezeichnet, jeder Arbeitsschritt wird durch Texttafeln erläutert. Dennoch geht das Unternehmen drei Jahre später im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Konkurs.

Der zweite, 1927/28 gedrehte, Film „Die bekannte Industriestadt Luckenwalde“ zeugt vom großen Selbstbewusstsein der damaligen Stadtväter. Im Namen der heutigen Bürgermeisterin übergibt Birgit Demgenski eine im Rahmen der 800-Jahr-Feier entstandene Chronik der Stadt. Sie sei sehr froh, dass in Luckenwalde wieder Klaviere gebaut werden und der Name Niendorf weitergeführt wird. Geschäftsführer Markus Ernicke bedankt sich für die Unterstützung bei der Stadt und ebenso beim chinesischen Partnerunternehmen „Mendelssohn“.

Konzert als Höhepunkt des Festaktes

Höhepunkt des Abends war ein Klavierkonzert mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy (Rondo Capriccioso, op. 14), Nikolai Medtner (Zwei Märchen, op. 20) und Maurice Ravel (aus „Miroirs“). Die gebürtige Kiewerin Darya Dadykina bot die Musik voller Leidenschaft und komplett ohne Notenblatt dar. Die Preisträgerin des Niendorf-Klavierwettbewerbs steht kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Die folgenden drei Preludes von Alexander Skrjabin wurden im Niendorf-Gründungsjahr geschrieben. Drei Variationen in Dadykinas eigener Bearbeitung aus „Der Feuervogel“ von Igor Strawinski beschlossen das Konzert.

Die anschließende Führung durch die Flügel- und Klavierproduktion nutzen die Gäste intensiv zum Fachsimpeln über damalige und aktuelle Technologien. Markus Ernicke nennt als nächste Unternehmensziele den weiteren Hallenausbau und die Vorbereitung auf die Messe „NAMM 2017“ in Anaheim (Kalifornien).

Von Gerald Bornschein

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