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Pilgern auf Kerkelings Spuren

Mahlow Pilgern auf Kerkelings Spuren

Seit dem Wochenende ist Frank Rudersdorf auf dem Jakobsweg unterwegs. Der Musik- und Beschäftigungstherapeut sammelt mit jedem Kilometer Geld für das christliche Sozialwerk Ichthys in Mahlow. Die Einrichtung hatte ihm in einer schweren Phase seines Lebens geholfen.

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Frank Rudersdorf (M.) mit seinen Helfern Torsten Hönemann (l.) und Friederike Ulbrich.

Quelle: Christian Zielke

Mahlow. Fast auf den Tag genau 15 Jahre ist es her, dass sich Hape Kerkeling auf den Jakobsweg begeben hat. Mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ löste er einen Ansturm auf den Pilgerweg aus. Die einen tun es wegen der religiösen Erfahrung, andere wegen der sportlichen Herausforderung. Frank Rudersdorf tut es für den guten Zweck. Der 46-Jährige will die Erlöse von Sponsoren und Unterstützern dem christlichen Sozialwerk Ichthys in Mahlow spenden. In der Einrichtung, die suchtkranke und obdachlose Menschen betreut, sollen ein Aufenthaltsraum und eine Teeküche renoviert werden.

Seit dem Wochenende unterwegs

Seit dem Wochenende sind Frank Rudersdorf und seine Begleiterin Kathrin Mohn auf dem Jakobsweg unterwegs. Jeder gehe sein eigenes Tempo, Walkie-Talkies halten die Verbindung. Neun Kilogramm Gepäck müssen für die kommenden zwei Wochen reichen. Ein paar Medikamente gegen schmerzende Füße, Energieriegel, etwas Plastikbesteck. Pilgern heißt auch Verzicht, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Frank Rudersdorf hofft, vielen interessanten Menschen zu begegnen. Noch mehr hofft er, dass der Weg etwas mit ihm macht. „Ich möchte Ruhe finden und mich total auf den Weg einlassen“, sagt er. Der Weg werde ihm etwas bringen, da ist er sich sicher.

Alkohol bestimmte früher sein Leben

Er wird auch über sein früheres Leben nachdenken, als es nicht so gut lief und ein Marsch von 300 Kilometern ein abwegiger Gedanke war. Der Alkohol bestimmte damals seinen Alltag, einen Beruf hatte er nicht. Das Leben steckte in der Sackgasse fest, da kam er zu Ichthys nach Mahlow. „Hier habe ich gelernt, dass es mehr gibt im Leben“, sagt er. Erst machte er eine Ausbildung zum Fliesenleger, dann wurde er Musik- und Beschäftigungstherapeut. „Ich habe schon immer gern Musik gemacht und konnte einigermaßen Gitarre spielen.“

Ziel: 30 Kilometer am Tag

Mittlerweile betreut Frank Rudersdorf die Menschen, die in der gleichen Situation sind wie er vor 20 Jahren. Für diese Menschen begibt er sich auf eine 300 Kilometer lange Reise. Zu Fuß wollen er und seine Begleiterin Kathrin Mohn den Weg von Léon nach Santiago de Compostella zurücklegen. 30 Kilometer am Tag hat er sich als Ziel gesetzt. Mit jedem Kilometer steigt auch der Spendenstand – das sei schon ein Ansporn. Am Cruz de Ferro möchte er einen Stein ablegen, wie es viele Pilger tun, um die Last abzuwerfen.

Vorbereitung seit Monaten

Vor Monaten hat Frank Rudersdorf mit den körperlichen Vorbereitungen begonnen. Die geistige fing mit dem Kerkeling-Buch an, das er in den vergangenen Jahren mehrmals gelesen hat. Je öfter er es las, umso mehr wuchs der Wunsch, einmal selbst den Jakobsweg entlang zu pilgern. Seit dem Winter hat er auch seinen Körper trainiert, hat sich nach Feierabend nicht auf die heimische Couch gelegt, sondern ist losgelaufen – mit allen positiven und negativen Folgen. „Ich habe meine Umgebung ganz anders wahrgenommen, aber ich hatte auch extrem verhärtete Muskeln“, erinnert er sich. Die Wanderschuhe sind mittlerweile eingelaufen, die ersten Kilometer geschafft.

Info: Ein Pilger-Tagebuch und Möglichkeiten, das Spendenprojekt zu unterstützen, gibt es auf der Internetseite www.pilgernfuerdengutenzweck.de

Von Christian Zielke

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