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Pilotprojekt für die Kindertagespflege

Blankenfelde-Mahlow Pilotprojekt für die Kindertagespflege

Tagesmütter in Blankenfelde-Mahlow möchten sich zusammenschließen. Mit dem Pilotprojekt Doppeltagespflege wollen sie die Betreuung der Kinder und ihre eigene soziale Situation verbessern. Das Problem: dafür gibt es derzeit keine rechtliche Grundlage auf Kreis- und Landesebene.

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Dagmar Wirtz, Uta Bernstorf, Gabriela Herfort und Andrea Broecker (v.l.) suchen Unterstützer für eine Doppeltagespflege.

Quelle: Foto:Christian Zielke

Blankenfelde-Mahlow. Sie wollen nicht mehr die „Muttis“ sein, auf die viele nur herabschauen. Vier Tagespflegefrauen vom Verein „Happy Kids“ haben am Dienstag im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ihre Ideen vorgestellt, wie man bei der Kinderbetreuung neue Wege gehen kann.

Dazu wollen sie eine Doppeltagespflegestelle gründen. Dort sollen nach Möglichkeit fünf Tagespflegepersonen zusammenarbeiten und bis zu zehn Kinder betreuen. „Es wäre ein Pilotprojekt für die Gemeinde“, sagt Gabriela Herfort. Fällt eine Tagesmutter wegen Krankheit aus, könnte eine andere einspringen. Auch die soziale Absicherung soll sich verbessern. Bislang müssen die Tagespflegekräfte dafür sorgen, dass sie im Krankheitsfall weiter ihr Geld bekommen. „Unter den derzeitigen Bedingungen ist der Beruf unattraktiv. Das wollen wir ändern“, sagt Uta Barnstorf. Dafür sprächen auch die Zahlen. Gab es 2013 in Blankenfelde-Mahlow 32 Tagespflegepersonen, sind es derzeit noch 18. Sie betreuen 90 Kinder. Viele ehemalige Tagesmütter arbeiten mittlerweile als Erzieherinnen in Kindergärten oder haben das Metier ganz gewechselt.

Einstiger Nebenerwerb hat sich professionalisiert

Das, da sind sich die Mitglieder von „Happy Kids“ einig, liege auch an der mangelhaften Anerkennung. Was einst als Nebenerwerb für Hausfrauen oder Mütter im Erziehungsurlaub gedacht war, ist längst ein eigener Berufsstand geworden. Die rechtlichen und pädagogischen Anforderungen entsprechen dem, was in Kindergärten vorgeschrieben ist. „Wir sind pädagogische Fachkräfte“, sagt Uta Bernstorf. Viele Tagesmütter hätten sich zu staatlich anerkannten Erzieherinnen qualifiziert. Wie ihre Kolleginnen in den Kitas müssten sie sich regelmäßig weiterbilden. „Das Jugendamt fordert eine hohe Qualität von uns“, sagt Gabriela Herfort. Im Gegensatz dazu stehe der Umgang mit den Kommunen, die ihnen die Professionalität absprächen und dafür sorgten, dass Kinder ab dem dritten Lebensjahr in einen regulären Kindergarten wechseln, weil das Gesetz das so vorsieht. Dadurch würden Kinder aus dem gewohnten Umfeld gerissen.

Die Tagesmütter aus Blankenfelde-Mahlow hoffen, dass dies ab dem kommenden Jahr flexibler gehandhabt wird. Derzeit überarbeitet der Landkreis Teltow-Fläming seine Tagespflege-Richtlinie. In der künftige Richtlinie sollen die Wünsche der Tagespflegekräfte stärker berücksichtigt werden. Welche Veränderungen oder Verbesserungen dies bedeutet, ist derzeit noch völlig offen. Es würden verschiedene Optionen diskutiert, heißt es aus der Kreisverwaltung. Veränderungen würden „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel vorgenommen“, so die wenig konkrete Auskunft. Derzeit erstattet der Kreis die Beiträge zur Unfallversicherung sowie die Hälfte der Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Rechtliche Grundlagen für eine Doppeltagespflege fehlen

Die Einrichtung einer Doppeltagespflegestelle ist in der künftigen Richtlinie nicht vorgesehen. Dazu fehlt dem Kreis nach Auskunft des Jugendamtes Teltow-Fläming die rechtliche Legitimation. Auch das Land Brandenburg habe derzeit keine Regelung für den Fall, dass sich Tagespflegepersonen zusammenschließen und mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Eine von den Tagesmüttern angeregte Festanstellung durch die Gemeinde sei jedoch grundsätzlich möglich, heißt es aus dem Kreisjugendamt. In einer Befragung im Juli habe die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow offen gelassen, ob sie sich vorstellen könne, Tagespflegepersonen fest anzustellen.

Gabriela Herfort und ihre Mitstreiterinnen hoffen nun auf Unterstützung durch die Gemeinde – bei der Suche nach einem Standort für das Pilotprojekt Doppeltagespflege und auf der politischen Ebene. „Wir möchten, dass sich die Politik auf höherer Ebene für uns einsetzt“, sagt Uta Bernstorf. Neben den Tagesmüttern habe sie auch viele Eltern hinter sich, die die familiäre Betreuung zu schätzen wissen.

Von Christian Zielke

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