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Pilzvielfalt am Mellensee

Dahmeland-Fläming Pilzvielfalt am Mellensee

Jetzt, wo sich die Spargelzeit zum Ende neigt, freuen sich Pilzliebhaber wieder auf leckere Köstlichkeiten aus dem Wald. Die Deutschen essen am liebsten Champignons, gefolgt von asiatischen Shiitake-Pilzen und den Seitlingen. Doch wie werden solche Pilze gezüchtet?

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Der asiatische Shiitake-Pilz, Kräuter-Seitlinge, der Igel-Stachelbart und der Limonenseitling (von links) in ihren Substrat-Blöcken, bereit für die Ernte.

Quelle: Josefine Kühnel

Dahmeland-Fläming. Pilzliebhaber sehnen sich das ganze Jahr nach dem Herbst, wenn es wieder „in die Pilze“ geht. Doch wer nicht so lange warten möchte, sieht sich nach Alternativen um, die das ganze Jahr über wachsen. Auf diese Idee kam vor einiger Zeit das Ehepaar Piesker aus Mellensee.

Wolfgang Pieskers erlitt im Jahr 2000 einen schwerem Bandscheibenvorfall. Danach konnte er nicht mehr als Bautischler arbeiten. Und so begann er 2004 mit dem Anbau asiatischer Pilze. Seine Frau Gabriela, die Verkäuferin in einem Supermarkt in Wildau ist, hilft ihm in ihrer Freizeit. Sie fand die Idee toll: „Die asiatischen Pilze sind mal etwas anderes und außerdem wachsen sie ganzjährig.“

Shiitake ist zweitliebster Speisepilz der Deutschen

Nach dem Champignon ist der Shiitake, der ursprünglich aus den Wäldern Chinas und Japans stammt, in Deutschland mittlerweile der zweitbeliebteste Speisepilz. An dritter Stelle stehen die Seitlinge. Laut dem Statistischen Landesamt Berlin Brandenburg wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 7660 Tonnen Speisepilze geerntet. Knapp elf Prozent davon kamen aus Brandenburg. Die größten Pilzproduktionsstätten liegen in den Landkreisen Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark und der Uckermark. Aber auch auf dem Pilzhof Piesker am Mellensee wird mit jährlich mehr als einer Tonne eine stattliche Menge an Pilzen produziert. Das Ehepaar erntet auf dem eigenen Grundstück ganzjährig den asiatischen Shiitake und den europäischen Kräuterseitling. Zur jährlich stattfindenden Brandenburger Landpartie, bei der Interessenten Höfe der Region kennenlernen können, servieren sie zusätzlich den Igel-Stachelbart und den Limonenseitling.

Die bei den Deutschen so beliebten Champignons wollten Pieskers dagegen nicht anbauen: „Die sind viel zu empfindlich! Da muss nur eine einzige Fliege in der Anbauhalle sein und schon ist die ganze Ernte verdorben. Und wir arbeiten hier ohne Chemie, die die Fliegen vertreiben könnte“, sagt Wolfgang Piesker.

Wie der Pilzanbau funktioniert

Und wie funktioniert der Anbau der Gewächse? „Wir kaufen Substrat-Blöcke. Die Pilze, die wir hier anbauen, sind reine Baumpilze und der Block ersetzt den Baum.“ Darin sei ein Schütt-Substrat enthalten, ein Nährboden aus Buchensägespänen, versetzt mit Nährstoffen, die der Baum dem Pilz in der freien Natur gibt. „Diese Substrat-Blöcke sind beimpft mit einem Flüssigmyzel, also den Pilzkeimlingen, wenn man so will“, erläutert Wolfgang Piesker.

In der Scheune werden die Substrat-Blöcke warm und feucht gehalten, dass die Fruchtkörper schnell durchwachsen

In der Scheune werden die Substrat-Blöcke warm und feucht gehalten, dass die Fruchtkörper schnell durchwachsen.

Quelle: Josefine Kühnel

Die mit Plastik umhüllten Substrat-Blöcke stellt Piesker für zwei Monate in den Keller. Die Raumtemperatur sollte dort 15 bis 18 Grad betragen. Nach zwei Monaten braucht das Myzel eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und viel Wärme – etwa 20 bis 23 Grad. Dazu trägt Wolfgang Piesker die Substrat-Blöcke hoch in die Scheune und sprengt sie mehrmals am Tag. Im dritten und letzten Monat, der sogenannten Durchwachsphase, werden die Plastiktüten halb geöffnet, so dass die Fruchtkörper herauswachsen können. Innerhalb von einer bis anderthalb Wochen wachsen die Pilze dann aus. In dieser Phase brauchen sie 23 bis 24 Grad Wärme. Anschließend müssen sie einzeln abgezupft und für den sofortigen Verzehr gekühlt werden.

Pilzpulver für die Mykotherapie

Die Pieskers verkaufen nicht nur Speisepilze, sondern auch Vitalpilze zur naturmedizinischen Anwendung. Wie Menschen mit Pilzpulver therapiert werden können, hat Gabriela Piesker in einer Weiterbildung zur Mykotherapeutin gelernt. Dabei betont sie: „Diese Art der Naturtherapie in Form einer Aufnahme ausgewählter Pilzpulver soll begleitend zur Schulmedizin angewendet werden, sie aber nicht ersetzen.“

Einige der insgesamt zwölf verschiedenen Vitalpilz-Pulver stellt Gabriela selbst her. Dazu müssen die Vitalpilze nach der Ernte getrocknet und gemahlen werden. Aus einem Kilogramm Pilzen stampft sie 100 Gramm Pilzpulver. Ein reiner Vitalpilz ist laut Gabriela Piesker der Ling Zhi, auch bekannt unter dem Namen Reishi. Alle anderen Sorten, die im Pilzhof angebaut werden, sind sowohl zum Verzehr, als auch als Nahrungsergänzungsmittel geeignet. Die Pilzpulver verkauft Gabriela Piesker entweder über das Internet oder nach einem Beratungsgespräch in ihrem Hofladen an Privatpersonen und Heilpraktiker. Die Speisepilze verkauft Wolfgang Piesker in Berlin, freitags auf einem Markt in Charlottenburg und samstags auf einem Markt in Zehlendorf.

Der Ling Zhi ist ein reiner Vitalpilz

Der Ling Zhi ist ein reiner Vitalpilz. Gabriela Piesker verwendet ihn in Form von Pilzpulver für ihre Mykotherapie (Pilztherapie).

Quelle: Josefine Kühnel

„Das ist das Seramis des Ostens“

Nachdem der Shiitake-Pilz abgeerntet ist, braucht der Substrat-Block ein bis zwei Wochen Ruhe und muss anschließend für acht bis zehn Stunden in Wasser getaucht werden. Nach ein bis zwei weiteren Wochen können neue Pilze abgeerntet werden. Der Kräuterseitling darf hingegen nicht getaucht werden, einige Nachtriebe können jedoch nach ein paar Tagen noch abgeerntet werden. „Anschließend kommen die Blöcke als Dünger in die Orchideen. Das ist das Seramis des Ostens“, sagt Gabriela Piesker und lacht.

Wolfgang Piesker stellt alle 14 Tage etwa 250 Blöcke auf. „Mal mehr, mal weniger, das hängt vom Bedarf ab. In der Spargel- und der Waldpilzzeit haben wir zum Beispiel weniger Zuchtpilznachfrage“, sagt er. Meistens sind es 150 Shiitake-Blöcke und 100 Blöcke des Kräuterseitlings. Monatlich erwirtschaftet er so zwischen 50 und 100 Kilo Pilze und kommt damit jährlich auf etwas über eine Tonne. Rückblickend war es für die Pieskers eine gute Entscheidung, den Pilzhof gegründet zu haben: „Es ist sehr viel Arbeit und Stress. Aber die körperliche Belastung ist nicht mehr so stark. Von daher bin ich froh, dass wir die Idee hatten, es macht ja auch Spaß“, sagt Wolfgang Piesker.

Von Josefine Kühnel

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