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Plan für die Heimat des Glücks

Heidelandschaft als Lebensraum Plan für die Heimat des Glücks

Die Glücksburger Heide an der Grenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist die Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten. Die Deutsche Bundesstiftung Umweltschutz und die Forst haben sich zum Ziel gesetzt, die Heide nach einem Naturentwicklungsplan offen zu halten. Dafür wird der Baumnachwuchs gefällt und Schafe halten Gras und Sprösslinge klein.

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Revierförsterin Rebecca Rathmann ist täglich in der Glücksburger Heide unterwegs.

Quelle: Sven Gückel

Jüterbog. Sie ist etwas Besonders, die Glücksburger Heide. In dem Gebiet im Fläming-Hügelland an der Grenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt gibt es Habitate, also ausgewiesene Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere. Diese Fläche zu erhalten, ist nur mit immensem Aufwand zu realisieren.

Wenn Rebecca Rathmann durch ihr Revier fährt, erfreut sich das Auge der jungen Frau an der weitläufigen Heidelandschaft. Seit Februar dieses Jahres ist Rathmann Revierförsterin der Glücksburger Heide. Das 2600 Hektar große Areal wurde 2009 der Verantwortung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Naturerbe (DBU) übergeben, wird jedoch durch Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe bewirtschaftet. Deren Aufgabe besteht neben anderem darin, die Heidelandschaft als Lebensraum zu erhalten.

Schafe halten die Heide baumfrei

Schafe halten die Heide baumfrei.

Quelle: Sven Gückel

Eine Maßgabe, die weitsichtiges Planen und umsichtiges Handeln erforderlich macht. „Die Heide ist ein sogenanntes Pionierstadium, das allein nicht existieren würde”, erläutert Rebecca Rathmann. Würde man die Fläche sich selbst überlassen, wäre sie in spätestens 20 Jahren bewaldet. Flugsamen von Kiefern und Birke, aber auch Gräser hätten ein leichtes Spiel.

Regelmäßig sind deshalb in der Glücksburger Heide sogenannte Harvester im Einsatz, die den Holzbewuchs beseitigen. „Bäume entziehen der Fläche viel Wasser, bringen durch den Laubabwurf zudem Nährstoffe in den Boden ein, was dem Heidekraut wiederum nicht dienlich ist”, ergänzt Heinrich Menkhaus, der Leiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe.

Heimat von Heidelerche, Wiedehopf und Ziegenmelker

Grundsätzlich, so Menkhaus weiter, widerspreche das Freihalten der Fläche dem natürlichen Lauf der Dinge. „Doch wir brauchen dieses Offenland, um Tieren wie Heidelerche, Wiedehopf, Braunkehlchen, Neuntöter oder Ziegenmelker eine Heimat zu geben. Diese Vögel, aber auch zahlreiche Insekten die inzwischen auf der roten Liste bedrohter Tierarten stehen, brauchen offene Flächen zum Überleben”, sagt Menkhaus. Aktuell weise die Glücksburger Heide eine der größten Population von Ziegenmelkern auf, einem rindenfarbenen und langflügeligen Vogel.

400 Hektar Fläche sind wieder Offenland

Knapp ein Drittel der Glücksburger Heide soll als Offenland gestaltet werden. 400 Hektar weisen den gewünschten Zustand bereits auf. Um das Gesamtergebnis zu erreichen, bedarf es aber weiterer fünf bis sechs Jahre Arbeit, macht Rebecca Rathmann deutlich: „60 bis 70 Hektar pro Jahr sind eine realistische Größe.” Dabei soll nur vereinzelt ein genehmigter Kahlschlag vorgenommen werden. „Im Regelfall wollen wir Schneisen von etwa 30 Metern Länge schlagen, Wald und Heide im Wechsel”, gibt Otto Densdorf von der DBU einen ersten Einblick. Schrittweise werden dann die bewaldeten Flächen beräumt, sodass die gewünschte Heidefläche übrig bleibt.

Die verlangt weiterhin nach intensiver Pflege. Ein Job, den seit kurzem zum Teil Schafe übernehmen. Die Herde streift über die Fläche, lässt Gräsern und sprießendem Grün junger Bäume keine Chance sich zu entfalten. Tagsüber werden die Tiere von einem Schäfer und drei Hunden begleitet. Nachts stehen sie in einem Gatter, durch hohe Zäune und mit Strom vor Wölfen geschützt.

Geschichtliche Hintergründe

Die Glücksburger Heide wurde landschaftlich stark geprägt von den einst dort übenden russischen Streitkräften. Deren Einsatz von Granaten führte immer wieder zu Flächenbränden, die Baumbewuchs eindämmten, dem Heidekraut jedoch ideale Lebensräume schufen.

Erleben kann man die Heide bereits am kommenden Sonntag beim „Erlebnistag Wandern“. Treffpunkt ist an der Gaststätte „Schützenhaus“ in Seyda. Losgewandert wird um 9.30 Uhr.

Ziel der geführten Tour ist die Absturz- und Gedenkstätte für den jungen Wehrmachts-Piloten Max Miller, der noch in den letzten Tagen mit seinem Jagdflugzeug abgeschossen wurde. An der Erinnerungsstätte hält Erhard Fritzsche, Vorsitzender des Heimatvereins „Glücksburger Heide“, einen kurzen erläuternden Vortrag.

Unterwegs gibt es an der ersten Raststätte ein Frühstück. Wer möchte, kann außerdem am Ziel ein Mittagessen einnehmen.

Das geschlagene Holz, sagt Rathmann, wird zu Hackschnitzel verarbeitet und anschließend einem Holzheizwerk in der Region zugeführt. Auch das Heidekraut wird regelmäßig einem Schnitt unterzogen. „Spezialfirmen führen dazu eine Maat durch, bündeln den Verschnitt und verarbeiten ihn anschließend auf Reetdächern”, erläutert die Försterin.

Um das Vorhaben möglichst reibungslos und zielorientiert auszuführen, erarbeiten Bundesforst und DBU derzeit einen Naturentwicklungsplan. Dieser ist auf zehn Jahre ausgelegt und dient als Leitfaden für künftige Maßnahmen. Dabei gilt es, auch die mögliche Munitionsbelastung einzelner Standorte zu beachten. Wann und wo der Harvester eingesetzt werden darf, obliegt daher auch der Entscheidung der Unteren Ordnungsbehörde des Landkreises Wittenberg.

Von Sven Gückel

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