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Plötzlich an den Rollstuhl gefesselt

Arnold Maier aus Luckenwalde ist seit einem schweren Unfall querschnittsgelähmt Plötzlich an den Rollstuhl gefesselt

Nach dem Sturz von einer Leiter musste Arnold Maier sein Leben komplett umkrempeln. Denn die Ärzte diagnostizierten eine Querschnittslähmung. Der Luckenwalder ist seit drei Jahren an den Rollstuhl gefesselt. Mit Hilfe seiner Ehefrau und mit viel Optimismus hat er ein neues Leben gefunden.

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Georg Vetter (2.v.r.) mit seinen Mitarbeitern und Arnold Maier vor der neu errichteten Felsenlandschaft, die österreichisches Heimatgefühl vermittelt.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Es war ein Schock für Arnold Maier als er erfuhr, dass er den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen muss. Vorausgegangen war ein Arbeitsunfall. Der gebürtige Österreicher war von einem 7,50 Meter hohen Mast gefallen. Im Krankenhaus erfuhr er die schreckliche Diagnose: Querschnittslähmung von der Brust abwärts.

Bis dahin hatte Arnold Maier ein glückliches Leben geführt. Vor zehn Jahren zog er der Liebe wegen aus Österreich nach Luckenwalde. Er heiratete seine Annemarie. Sie bauten sich ihr gemeinsames Nest und sie fuhren regelmäßig in seine Heimat, die Steiermark. Dort hatten sie noch eine romantische Berghütte. Doch davon mussten sie sich trennen. Denn dort kommt man mit dem Rollstuhl nicht hinauf.

Sehnsucht nach den Bergen

Den 57-Jährigen quälte die Sehnsucht nach „seinen“ Bergen. Er wollte nicht darauf verzichten. Aber was sollte er machen? Die Firma Luckenwalder Landschaftsbau konnte für Abhilfe sorgen. Frei nach dem Sprichwort „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg gehen“ bauten sie ihm eine 15 Meter breite alpine Felsenlandschaft in seinem Garten. Sie ist aus Naturstein und hat sogar einen Wasserfall. Innerhalb von drei Wochen haben Georg Vetter und seine Mitarbeiter 30 Tonnen Steine verbaut. „Jetzt fühle ich mich heimisch“, freut sich Arnold Maier.

Schwierig genug ist das Leben immer noch. Ehefrau Annemarie pflegt ihren Mann. Die Morgentoilette dauert zweieinhalb Stunden, dann wird gefrühstückt. Meist beginnt Arnold Maier anschließend mit dem Muskelaufbau, später kommen Ergo- und Physiotherapeutinnen ins Haus. Eine Stunde am Tag wird er ans Stehpult gefesselt, um sogenannte Spitzfüße zu vermeiden. Um die Stunde sinnvoll zu verbringen, lernt Arnold Maier währenddessen Russisch. „Ich war schon öfter in Russland. Dieses Land fasziniert mich. Deshalb habe ich mich auch entschieden, diese Sprache zu lernen“, sagt er.

Solch ein Optimismus zeichnet ihn aus. „Ich hatte noch Glück im Unglück“, sagt er. Die Bau-Berufsgenossenschenschaft unterstütze ihn. Und er ist froh, dass er seine Arme bewegen kann und nicht gefüttert werden muss.

Wenn das Wetter passt, unternimmt das Ehepaar nachmittags Radtouren. Dafür hat Arnold Maier einen Chopper ähnlichen Anbau für seinen Rolli. So kann er sogar öfters allein unterwegs sein.

Das Paar baut sich ein neues Heim

In allen Lebenslagen musste das Paar auf den Schicksalsschlag reagieren. Da ihr altes Haus nicht völlig barrierefrei umzubauen war, entschlossen sie sich, auf ihrem Grundstück ein neues Haus zu bauen und dabei all das zu berücksichtigen, was für ein Leben im Rollstuhl unverzichtbar ist. Es hat keine Schwellen, breite Türen und einen Therapieraum mit verschiedenen Sportgeräten. In Kürze können sie dort einziehen. Auch das Auto musste umgerüstet werden. Über eine Rampe gelangt Arnold Maier ohne fremde Hilfe ins Fahrzeuginnere. Mit den Händen kann er bremsen und Gas geben.

Trotz des schweren Schicksals hat er seinen Humor nicht verloren und pflegt seine Freundschaften. So besucht er Klaus Herschel, den Vorsitzenden der Kleingartenanlage „Erholung“ öfter in dessen Garten. Und wenn die beiden mal ein Bier trinken wollen, ist das auch kein Problem: In der Gartenanlage gibt es eine Rampe und so kommen auch Rollstuhlfahrer ungehindert ins Gartenlokal.

Nur bei Hinterlassenschaften von Vierbeinern auf Gehwegen platzt ihm manchmal der Kragen. Nicht nur, dass er nach der Ausfahrt die Räder waschen muss, er hat die stinkende Masse auch an den Fingern, da er den Rollstuhl per Hand bewegt. Ein weiteres Ärgernis: Ausgerechnet viele Ärzte haben keine barrierefreien Praxen. „Für uns Rollstuhlfahrer ist schon eine Stufe ein unüberwindliches Hindernis“, sagt er.

Von Margrit Hahn

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