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Polizei-Auktion in Wünsdorf

Streifenwagen zu verkaufen Polizei-Auktion in Wünsdorf

Die Verkaufsgegenstände sahen zum Teil erbärmlich aus, und ihre Daten lasen sich auch nicht viel besser. Trotzdem fand sich auch für jeden noch so zerbeulten Streifenwagen ein Käufer: Rund 80 ausrangierte Polizeifahrzeuge hat ein Wittstocker Auktionsbüro am Dienstag in Wünsdorf verkauft. Die meisten sehen einer wenig glamourösen Zukunft entgegen.

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Viertausend zum Ersten, viertausend zum Zweiten und zum Dritten: Auktionator Mirko Bickel brachte am Dienstag mehr als 80 Polizeifahrzeuge unter die Leute.

Quelle: Oliver Fischer

Wünsdorf. Mirko Bickel weiß, wie man Dinge anpreist. Auktionsnummer 33: ein E-Klasse-Mercedes von der Autobahnpolizei. Gerade mal drei Jahre alt, gerade mal 483 000 Kilometer auf dem Zähler. „Der ist nur warm gelaufen. Einer ist ausgestiegen, der nächste eingestiegen. Die Sitze sind natürlich durch, aber das dürfen sie auch bei dem Kilometerstand“, schreit er über den Auktionsplatz und schwingt seinen Hammer. 3000 Euro sind das Mindestgebot, aber der Mercedes zieht mehr. Bickel zählt hoch. Drei sieben, drei acht, drei neun, vier. „Bietet jemand mehr als viertausend?“

Vom Mannschaftswagen bis zum Motorboot

Dienstagmorgen, Wünsdorf, irgendwo auf dem Gelände der zentralen Polizeidienste: Etwa 200 Interessenten haben sich unter einem grauen Wellblechdach versammelt in der Hoffnung auf ein Schnäppchen, wie man es nicht oft machen kann. Die Polizei hat ihren Fuhrpark ausgemistet und alles aussortiert, was nicht mehr zum Fahrdienst taugt. Darunter sind uralte Mannschaftswagen, völlig verbeulte Pkw, aber auch Lkw, Dienstfahrräder, sogar ein Motorboot. Das Wenigste davon ist noch verkehrstüchtig. Manche Autos können repariert werden, andere taugen nur noch als Ersatzteilspender.


 Diese alten Polizeiautos gab es zu ersteigern

Diese alten Polizeiautos gab es zu ersteigern

Quelle: Fischer

Die Polizei hat das Wittstocker Auktionsbüro Bickel beauftragt, die Fahrzeuge unter die Leute zu bringen, und Marko Bickel gibt sein Bestes, selbst bei den grauenhaftesten Exemplaren. Bei einem Transporter hängt die Maschine nur noch lose im Motorraum, beim zweiten läuft das Öl in Sturzbächen auf die Straße, beim Dritten lässt sich der Rückwärtsgang nicht mehr einlegen. Die Leute bieten trotzdem: Bickel verkauft einen Ford Transit, der nur noch mit Klebeband zusammengehalten wird, für 700 Euro, einen völlig zerschossenen Passat Variant für 4600 Euro und einen kaputten Stromgenerator für 250 Euro. Der Mercedes wechselt für 5000 Euro den Besitzer. Ein Mann im Publikum lacht. „Der ist doch tot“, sagt er.

Viele polnische Händler bei der Versteigerung

Von den potenziellen Kunden sprechen viele polnisch. Es sind Händler, die die alten Transporter an Baufirmen weiterverkaufen. Aber auch deutsche Händler sind da – wie Ricardo Ruck. Ruck betreibt seit 15 Jahren eine Autoverwertungsfirma in der Nähe von Hamburg, Versteigerungen wie diese gehören zu seinem täglichen Geschäft. Die erste Stunde schaut er allerdings nur zu, wie sich die Polen gegenseitig überbieten. „Für sie ist es einfacher“, sagt er. „Die reparieren günstig, stellen neue Papiere aus, und da fragt dann auch niemand nach Unfallschäden.“ Seine eigene Bieterkarte lässt Ruck da stecken. Er wartet lieber auf die Sahnestücke, die gegen Ende kommen: neuere Transporter, halbwegs gepflegt und silberfarben. Das sei ein Pluspunkt bei der Auktion. „Auf die Polizeiaufdrucke ist hier niemand scharf“, sagt er.

 Auch solche beschädigten Autos gab es zu kaufen

Auch solche beschädigten Autos gab es zu kaufen

Quelle: Fischer

Auch Martin Noack nicht. Noack ist einer der wenigen privaten Interessenten. Er ist um die 30, gelernter Kfz-Mechaniker und extra aus Frankfurt (Oder) gekommen. Er kommt regelmäßig nach Wünsdorf. Schon 2003 bei seiner ersten Versteigerung hat er einen Ford Focus erstanden. „War ein gutes Auto. Ich habe ihn drei Monate gefahren, dann ist der Zahnriemen gerissen“, erzählt er und lacht.

Käufer hofft auf alten Astra

Heute hofft er auf die Katalognummer 69, einen Opel-Astra, der in den Diensten der Zivilpolizei stand. Die Daten: 16 Jahre alt, 180 000 Kilometer, Dellen, Kratzer, kaputtes Handschuhfach und ein Unfallschaden. Mindestpreis 150 Euro. „Der könnte was sein“, sagt Noack. „Wenn man Ahnung hat und ein paar hundert Euro ins Material investiert, kann man daran noch Freude haben.“ Bis 500 Euro würde er mitgehen, sagt er.

 Die Bieter treiben die Preise hoch

Die Bieter treiben die Preise hoch.

Quelle: Fischer

Als der Wagen aber nach mehr als einer Stunde endlich aufgerufen wird, macht sich schnell Ernüchterung breit. Es liegt schon ein schriftliches Gebot über 600 Euro vor, das noch von einem Polen überboten wird. Martin Noack winkt ab. „So viel habe ich nicht.“

Und auch Ricardo Ruck fährt ohne Zuschlag nach Hause. Die gut erhaltenen Transporter gingen am Ende für mehr als 10 000 Euro über das Auktionspult. Hinzu kommen noch 18 Prozent Aufschlag fürs Auktionshaus plus Steuern. Ruck: „Da bekomme ich die Dinger im Internet billiger.“

Von Oliver Fischer

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