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Polizei im Blitzer-Großeinsatz

Dahmeland-Fläming Polizei im Blitzer-Großeinsatz

Mit etwa zehn Lasergeräten und zusätzlichen Blitzerwagen haben Polizei und Ordnungsämter am Mittwoch in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming den Verkehr überwacht. Beim „Blitzermarathon“ wurden auch einige Raser von der Straße geholt. Der wohl schnellste war in Schönefeld unterwegs.

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Wenn die Autofahrer den Beamten sehen, ist es längst zu spät. Bis auf einen Kilometer Entfernung kann das Laser-Gerät die Geschwindigkeit messen.

Quelle: Fotos: Oliver Fischer (3)

Schönefeld-Baruth. Es ist kurz nach halb elf, als Polizeimeister Dolatta das Zeichen gibt, das dem Staat knapp 200 Euro einbringen wird. Er hebt die Hand und sagt: „Da ist einer ziemlich schnell.“

Es ist Mittwoch, der Tag des dritten europaweiten Blitzermarathons. Die Brandenburger Polizei hat alle verfügbaren Leute zum Blitzer-Dienst vergattert. Die Teams wurden mit Lasergeräten ausgestattet und an neuralgische Punkte an Landstraßen, an Unfallschwerpunkten oder vor Schulen und Kitas verteilt. Auch die Ordnungsämter machen mit.

Polizeimeister Dolatta von der Polizeiinspektion Flughafen steht seit zwei Stunden an der Waßmannsdorfer Chaussee in Schönefeld und visiert auf einen halben Kilometer Entfernung Auto um Auto an. Die Chaussee ist wie gemacht dafür. Sie ist vierspurig, stark befahren und verläuft schnurgerade. Wer dort niemanden vor sich hat, der kann schon mal vergessen, dass er auf einem gewöhnlichen innerörtlichen Verkehrsweg unterwegs ist, und nicht auf einer Schnellstraße.

Trauriges Beispiel für Raserei

Etwa zehn Fahrzeuge haben Dolattas Kollegen an diesem Morgen schon auf sein Zeichen hin von der Straße gewinkt, eine Motorradfahrerin ist 65 gefahren, ein Autofahrer knappe 70. Er hat sein Verwarngeld a, geht über das normale Maß hinaus. „93 kmh“, sagt Dolatta knapp. Das ist ein Rekord, der später auch in der landesweiten Statistik als trauriges Beispiel für Raserei aufgeführt werden wird.

Die junge Frau, die die Scheibe ihres schwarzen Kleinwagens herunterkurbelt, zeigt sich wenig erfreut über ihr Têta-à-Tête mit der Polizei. Missmutig reicht sie ihren Führerschein und ihre Papiere an Hauptkommissar Karsten Tham. Als der fragt, ob sie das Messgerät sehen will, verneint sie – und auch sonst will sie nichts sagen. Kein Prolem, sagt Karsten Tham. Es geht ja auch schriftlich. Er lässt sich den Ausweis der Beifahrerin geben, die später möglicherweise als Zeugin gebraucht wird, dann schreibt er eine Mitteilung für die Bußgeldstelle, die das Verfahren einleitet und über die Höhe der Strafe entscheidet. Die hängt von den Aussagen der Fahrerin ab. „Aber über den Daumen könnten das 180 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot werden“, sagt Tham später.

An jedem zehnten Tag stirbt ein Mensch

Um das Geld  – das betont die Polizei an diesem Tag allerorten – geht es beim Blitzermarathon aber nicht. Es geht um Aufklärung. Karsten Tham hat einen Zettel dabei, dessen Inhalt er jedem, auch den Autofahrern, gerne erzählt. Auf dem Papier sind wesentliche Fakten zum Unfallgeschehen in Brandenburg zusammengefasst. „Alle zwei Stunden ereignet sich ein Verkehrsunfall“, steht da. „Täglich verletzen sich fünf Menschen, zwei davon so schwer, dass sie im Krankenhaus bleiben.“ Und: „An jedem zehnten Tag stirbt ein Mensch.“

„Überhöhte Geschwindigkeit ist eine Hauptunfallursache, das ist einfach so. Und mit einer Aktion wie dem Blitzermarathon wollen wir das ins Bewusstsein rücken und darauf einwirken“, sagt Karsten Tham.

Das unterstreicht auch Hauptkommissar Axel Tritt, der mit zwei Kolleginnen 60 Kilometer weiter südlich an einer Allee zwischen Luckenwalde und Baruth steht. Die drei haben an diesem Tag einen undankbaren Job, und das nicht nur, weil es nasskalt und windig ist. „Die Straße ist zwar unfallträchtig“, sagt Tritt, aber die Beamten stehen so ungeschützt am Fahrbahnrand, dass sie weithin sichtbar sind. Zudem werden die Autofahrer von den entgegenkommenden Fahrzeugen lange im Voraus gewarnt, so dass die meisten ihre Geschwindigkeit noch unter das Limit von 70 Kilometern pro Stunde drosseln.

Beim Losfahren drehen die Räder durch

Trotzdem ziehen die Beamten ein paar Raser aus dem Verkehr, von denen sich zwei auch wenig einsichtig zeigen. Eine Frau erklärt dem Hauptkommissar lautstark und ausschweifend, dass es aus ihrer Sicht viele Stellen gibt, an denen das Blitzen sinnvoller wäre. Und ein Mann, den die Beamten mit etwas über 100 Kilometern pro Stunde von der Allee fischen, ist über sein Bußgeld so aufgebracht, dass er beim Losfahren die Räder durchdrehen lässt. „Wir sind ja immer freundlich, aber wenn wir so angegangen werden, dann verstehen wir auch keinen Spaß mehr“, sagt Axel Tritt.

Für ihn und seine Kolleginnen ist um 18 Uhr Feierabend. Dann übernimmt die Spätschicht das Lasergerät. Und danach die Nachtschicht. Gelasert wird noch bis Donnerstagfrüh um sechs.

Von Oliver Fischer

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