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Teltow-Fläming Postkarte nach 53 Jahren am Ziel angekommen
Lokales Teltow-Fläming Postkarte nach 53 Jahren am Ziel angekommen
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00:16 17.04.2017
Die Ansichtskarte mit typischen Motiven aus Berlin wurde Im Januar 1964 abgeschickt. Quelle: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Die Grußkarte ihrer Familie aus West-Berlin hat Frieda Lehmann nie erreicht. 53 Jahre dauerte es – jetzt ist die Karte in Luckenwalde eingetroffen.

Am 26. Januar 1964 wurde sie verfasst. Der genaue Autor ist unbekannt. „Liebe Oma“ heißt die Anrede, unterschrieben wurde mit „Deine Kinder“. Offenbar war man in Berlin besorgt um die Großmutter, denn die Familie wunderte sich, dass sie sich noch nicht gemeldet hatte. Man fragt, ob „die Wolle angekommen ist“ und „wie das Schlachtefest war“. Ob es jemals eine Antwort gab, ist nicht zu klären. Frieda Lehmann ist vor einigen Jahren verstorben,, wie Nachbarn aus der Frankenstraße 28 wissen.

Vor wenigen Tagen brachte der Briefbote die Karte mit der täglichen Post. Vermutlich weil er nicht wusste, wohin damit, gab er sie in dem Wohn- und Geschäftshaus bei der Gartenfirma Moosgrün ab. Mitarbeiterin Peggy Gerike fielen zuerst die Briefmarken auf. Zweimal zehn Pfennig, das erschien ihr sehr ungewöhnlich. Dann schaute sie sich die Schwarz-Weiß-Bilder an und war erstaunt über die alten Ansichten. Beim Namen wurde sie stutzig. „Frieda Lehmann – so hieß auch meine Oma“, erzählt Peggy Gerike. Sie warf die Karte nicht in den Papierkorb, sondern forschte nach, ob sich jemand an Frieda Lehmann erinnert.

Die Karte war ein Gruß von Frieda Lehmanns Enkel aus West-Berlin. Quelle: Margrit Hahn

Hausbesitzerin Brigitte Zdunek, die den Fleischerladen im selben Haus führt, wusste sofort Bescheid: „Das war eine ganz liebe bescheidene Frau. Sie hat hier im Haus gewohnt. Sie hatte einen Sohn, der hieß Wolfgang und war als Tischler beim SFB tätig.“ Sie kann sich noch an die Beisetzung von Frieda Lehmann auf dem Waldfriedhof erinnern. Und sie weiß noch genau, dass der Sohn früher immer mit einem schicken roten Flitzer nach Luckenwalde kam, denkt aber, dass auch der Sohn inzwischen verstorben ist.

Nur: Wo war die Postkarte die ganze Zeit über? Auf der Karte befindet sich ein modernes Etikett mit dem Hinweis, dass die Anschrift unkorrekt sei, wobei auf der Originalkarte nur die Postleitzahl von Luckenwalde fehlte. Auffällig ist, dass alle vier Ecken der Karte Spuren von Klebstoff aufweisen, es könnte also durchaus sein, dass jemand die Karte irgendwo befestigt hatte. Wurde sie von der Stasi konfisziert? Wegen der West-Berlin-Fotos? Wegen des Verdachts auf geheime Botschaften?

Auch bei der Pressestelle der Deutschen Post in Berlin, sorgte die Anfrage für Überraschung. Pressesprecherin Anke Blenn schaute sich die Fotos von der Postkarte genau an und bestätigte, dass die betreffende Sendung durch die Deutsche Post zugestellt wurde. „Auf welchem Wege diese jedoch in unseren Briefstrom gelangt ist, können wir lediglich vermuten“, sagt sie, „möglicherweise hat jemand die betreffende Postkarte nach langer Zeit irgendwo wiedergefunden, zum Beispiel bei einer Haushaltsauflösung und hat sie im Originalzustand in einen Briefkasten eingeworfen.“

Da die Karte noch mit einer alten Postleitzahl adressiert war, konnte die Anschrift bei der automatischen Sortierung im Briefzentrum nicht als gültige Adresse erkannt werden und wurde daher zur Adress-Nachrecherche in die Brief-Ermittlungsstelle weitergeleitet. Dort wurde die aktuell gültige Anschrift recherchiert, mit einem Adresslabel auf der Postkarte ergänzt und die Sendung wurde anschließend unter der ermittelten Anschrift zugestellt.

„Aus welchen Grund diese Postkarte erst jetzt in den Kreislauf der Briefbeförderung gelangt ist, können wir nicht eindeutig klären“, sagt die Postsprecherin, „Fakt ist, dass jede Sendung, trotz ihres Alters und der nicht aktuellen Anschrift, noch nachbearbeitet und zugestellt wird – auch nach 53 Jahren.“

Von Margrit Hahn

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