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Preise steigen – Schweinehalter atmen auf

Fleischmarkt in der Region Preise steigen – Schweinehalter atmen auf

Bei allem Klagen der Milchbauern gingen die Sorgen der Schweinehalter etwas unter, aber auch ihnen ging es im vergangenen Jahr nicht gut. Zucht- und Mastbetriebe standen aufgrund des niedrigen Fleischpreises unter Druck. Seit Mai aber steigt der Preis wieder – und die Landwirte der Dahmeland-Fläming-Region sind spürbar erleichtert.

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Der Druck auf die Schweinezucht- und -mastbetriebe war monatelang hoch. Derzeit entspannt sich der Markt.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Im April dieses Jahres war bei Jan Vestjens der Optimismus nicht mehr allzu groß. Vestjens ist Chef der Vefra GmbH in Frankenförde, einem der größten Schweinezuchtbetriebe der Region. Die Vefra GmbH züchtet Ferkel heran, um sie anschließend an Mastbetriebe möglichst mit Gewinn zu verkaufen. So sieht zumindest das Geschäftsmodell aus. Das geht allerdings nur auf, wenn die Preise für Schweinefleisch im Normalbereich liegen. Und das war im gesamten vergangen Jahr nicht der Fall.

Ferkelproduktion lohnt sich ab 50 Euro pro Tier

„Wenn wir vernünftig wirtschaften wollen, brauchen wir einen Ertrag von 50 Euro pro Ferkel. Wir haben aber ein Jahr lang deutlich weniger bekommen, in der Tiefstpreisphase nur 40 Euro. Da konnten wir jedem Ferkel noch einen Zehn-Euro-Schein an den Schwanz kleben“, sagt Vestjens. Es war die Zeit, als Schweinbauern düstere Prognosen zeichneten, weil der Markt für das Kilo Schweinefleisch nur noch 1,25 Euro hergab und Züchter und Mäster nicht mehr wussten, wie sie mit damit noch wenigstens eine schwarze Null schreiben, geschweige denn Gewinne erwirtschaften sollten.

Ferkel brachten ein Jahr lang nichts ein

Ferkel brachten ein Jahr lang nichts ein.

Quelle: dpa

Wer allerdings dieser Tage mit Schweinebauern spricht, spürt eine deutliche Erleichterung. Denn die Fleischpreise haben in den vergangenen zwei Monaten merklich angezogen. Der aktuelle Kilopreis für Schweinefleisch liegt bei 1,66 Euro, für ein ganzes Schwein bekommen die Mastbetriebe im Schlachthof damit gut 40 Euro mehr als zum Jahreswechsel. „Damit lässt sich arbeiten. Wenn es so bliebe, wäre alles gut“, sagt Vestjens. Und nicht nur er.

Betriebe mit insgesamt 110 000 Schweinen in Teltow-Fläming

Schweinefleisch ist in der Region ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt. Besonders Teltow-Fläming gehört mit zuletzt 447 Schweinehaltern und rund 110 000 Tieren zu den Landkreisen mit dem größten Schweineaufkommen in Brandenburg. Zum Vergleich: Dahme-Spreewald weist nur 20 Betriebe mit insgesamt 13 650 Schweinen auf. Allen Betrieben gemein ist: Sie hatten im vorigen Jahr arg zu kämpfen – und einige haben den Kampf auch nicht in voller Besetzung durchgehalten. Manche Unternehmen haben die Zahl ihrer Tiere reduziert, andere haben gar ganz aufgegeben.

„1,66 Euro pro Kilo ist aber eine Hausnummer, damit kann man Geld verdienen“, sagt Andreas Golm, Betriebsleiter der Märkischen Schweinehof GmbH in Langenlipsdorf. Sein Betrieb gehört zu denen, die Ferkel einkaufen und 100 Tage lang mästen, bis sie Schlachtreife erreicht haben. Die Arbeit ist durchgeplant und durchkalkuliert wie in einem Industrieunternehmen. Ein Schwein muss knapp 100 Kilo zulegen, dafür frisst es rund 300 Kilogramm Futter. Hinzu kommen die Kosten für Personal, Energie und den Stall samt Technik, rechnet Golm vor.

Größere Betriebe haben es leichter als kleinere

Die Märkische Schweinehof GmbH ist einer der größten Schweinemastbetriebe in der Region mit etwa 6000 Plätzen in den Ställen. Solche Betriebe haben es immer noch etwas leichter als die Kleinen. Trotzdem habe man auch in Langenlipsdorf zu kämpfen gehabt, sagt Golm: „Es ist immer eine Frage der Organisation, aber bei solchen Preisen wie im vorigen Jahr kann niemand Gewinn machen.“

Russland-Embargo sorgte für Überproduktion am Fleischmarkt

Russland-Embargo sorgte für Überproduktion am Fleischmarkt.

Quelle: dpa

Was genau die Ursachen für die wellenförmigen Marktbewegungen sind, können auch die Beteiligten nur schwer erklären. „Fest steht, dass Deutschland eine Überproduktion an Schweinefleisch hat“, sagt Helmut Dornbusch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming und selbst Schweineproduzent in kleinerem Rahmen. Weil mit dem Russland-Embargo auch ein äußerst wichtiger Markt weggebrochen ist, habe es nicht mehr genügend Abnehmer gegeben. „Das führte zu einem riesigen Druck, und auch in Asien hat das Geld nicht mehr so locker gesessen“, sagt Dornbusch. Dass die Erzeuger in der jüngeren Zeit ihre Tierbestände reduziert haben, habe den Markt womöglich wieder entspannt.

Hintergrund zur Fleischproduktion

Die Schweineproduktion wird in zwei Phasen unterteilt: die Ferkelaufzucht und die Mast. Es gibt Betriebe, die sich auf eine Phase spezialisiert haben, andere züchten und mästen in sogenannten geschlossenen Systemen.

Zuchtbetriebe halten Zuchtsauen, die gedeckt werden und abferkeln. Die Ferkel erhalten Kraftfutter, bis sie etwa 20 bis 25 Kilo schwer sind. Das dauert 80 bis 90 Tage. Anschließend kommen sie in die Mast.

Dort werden die Tiere so gefüttert, dass sie am Tag bis zu 850 Gramm an Gewicht zulegen. Innerhalb von weiteren 90 Tagen erreichen sie so die Schlachtreife von rund 120 Kilogramm.

Geschlachtet werden die Tiere in der Regel in großen Schlachthöfen. In Brandenburg gibt es nach der Schließung des Vion-Schlachthofes in Kasel-Golzig vor drei Jahren davon nur noch einen großen. Der befindet sich in Perleberg. Schweinemastbetriebe müssen ihre Tiere entweder dorthin transportieren oder sie lassen in Altenburg (Thüringen) oder Weißenfels (Sachsen-Anhalt) schlachten.

Die Zahl der Schlachtungen in Brandenburg hat dennoch im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent zugelegt. Wie das statistische Landesamt Berlin-Brandenburg mitteilt, wurden im ersten Halbjahr 2016 rund 569 500 Schweine gewerblich geschlachtet. Darunter waren auch viele importierte Tiere aus Holland und Dänemark.

Horst Krüger von der Erzeugergemeinschaft Fläming-Fleisch, die Tiere der hiesigen Betriebe aufkauft und weitervermarktet, glaubt auch an den Einfluss des Wetters. „Wenn die Temperaturen so ansteigen wie im vergangenen Sommer, vertragen das die Tiere nicht“, sagt er. Seine These: Es gab eine Art Geburtenknick bei den Tieren, den Betriebe dann wiederum dazu nutzten, ihren Bestand herunterzufahren. Belastend für die Schweinebetriebe sei aber auch die wechselnde Rechtslage, sagt Krüger. „Die Vorschriften ändern sich ständig. Wer heute in seinen Stall investiert, weiß nicht, ob die Technik in fünf Jahren noch zulässig ist.“

Branche hofft auf Erholungsphase

Das bestätigt auch Jan Vestjens. „Es ist ein schwieriges Geschäft“, sagt er. Deshalb hofft er, dass sich wenigstens der Fleischpreis auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. „Wir brauchen eine längere Erholungsphase. Die letzten Monate haben ein so großes Loch in unsere Kassen gerissen, das müssen wir erst einmal wieder zuschütten.“

Von Oliver Fischer

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