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Teltow-Fläming Premiere in der Backstube
Lokales Teltow-Fläming Premiere in der Backstube
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06:00 27.06.2015
Anous Masih (2. v. r.) in der Backstube von Bäckermeister Karl-Heinz Wahl (r.) neben Barbara Matthies und Personalchef Joachim Richter, links Bäckermeister Roland Wolf. Quelle: Jutta Abromeit
Großbeeren/Bestensee

Zum ersten Mal ist es im Kreis Teltow-Fläming gelungen, einem Flüchtling aus einem Asylbewerberheim eine Lehrstelle zu verschaffen. Und ein Bäckermeister ist glücklich, wenigstens einen der gesuchten Lehrlinge zu bekommen. Der 22 Jahre alte Pakistaner Anous Masih lebt seit kurz vor Weihnachten im Asylbewerberheim Großbeeren. Ab 1. September lernt er bei Bäcker Wahl in Bestensee , wie man Brot und Brötchen backt. Zu verdanken haben Lehrling und Bäckermeister Karl-Heinz Wahl den Kontakt der Großbeerener Gemeindepädagogin Barbara Matthies.

Denn: Selbst für Leute mit viel Erfahrung in der Bürokratie ist das dazu notwendige Verfahren eine echte Herausforderung. Der Firmenchef erklärt: „Wir hätten das alles definitiv nicht leisten können, so sehr wir Nachwuchs brauchen.“ Dass dieser Behörden-Marathon gelang, ist Verdienst der 52-jährigen Barbara Matthies. Die sagt: „Wir wollten doch einfach nur helfen.“ Und das, weil ihr Anous’ Schicksal so nahe geht: Er ist wie Eltern und Geschwister Christ. Muslime überfielen ihr Zuhause, den Vater erschossen sie vor den Augen der Familie. Seine Mutter kam mit den vier Kindern nicht weg. Wenigstens der Älteste sollte in Sicherheit sein, sie bat Anous zu fliehen. Das tat er. Legal und illegal kam er nach Italien, nach Griechenland. Schon dort konnte er backen: „Kuchen, Kekse und Gebäck mit Marmelade“, erzählt er. Bis heute jedoch kann er kein Geld nach Haus schicken – er hat keines. Und nur mühsam kann er einmal pro Woche über Umwege mit der Mutter telefonieren.

Der Ausbildungsbetrieb

Bei der Bäckerei Wahl mit Sitz in Bestensee sind heute 200 Mitarbeiter beschäftigt – 70 am Produktionsstandort als Bäcker, Konditor, Auszubildende, Fahrer und in der Verwaltung, die anderen arbeiten in 31 Filialen.

Inge und Karl-Heinz
Wahl hatten sich 1972 mit einer kleinen Pachtbäckerei selbstständig gemacht, 1978 zogen sie in die eigene Bäckerei nach Bestensee. Nach dem Mauerfall kam die Bäckerei an ihre Produktionsgrenze, 2005 zog die Firma ins Kleingewerbegebiet.

Gesucht werden zurzeit Verkäufer, Bäcker und Lehrlinge, die Verkäufer, Bäcker oder Konditor werden wollen.

Ein Glücksfall für ihn, dass sich Barbara Matthies neben vielen anderen um die Asylbewerber am Großbeerener Echtermeyerweg kümmert. Einheimische organisieren praktische Hilfe für die Flüchtlinge. Eine Aktion: Sie sammeln alte Fahrräder, um den Fremden den Aktionsradius zu vergrößern. In der Großbeerener Bäcker-Filiale sah Barbara Matthies ein Faltblatt, „Lehrlinge gesucht“. Sie rief bei Wahl in Bestensee an. Und fand offene Ohren.

Allerdings hatte Anous Masih schlechte Karten. „Will ein Flüchtling arbeiten, muss der Arbeitgeber das dem Jobcenter melden. Das fragt alle deutschen Bewerber. Will von denen keiner, werden alle EU-Anwärter gefragt. Erst dann hat ein Flüchtling eine Chance“, erklärt Matthies. Und es müssen Ausländerbehörde, Jobcenter und Sozialamt zustimmen. Hinzu kommt: bevor ein Flüchtling arbeiten darf, muss er neun Monate in Deutschland sein. Ein neues Gesetz soll dieses Warten jetzt auf drei Monate verkürzen. „Das alles gilt für Arbeit. Aber Ausbildung? Damit kennt sich bisher kaum jemand aus“, sagt Barbara Matthies. Beim Diakonischen Werk Potsdam wusste man, dass Ausbildung nicht der Nachrangigkeit unterliegt, so die Großbeerenerin. Das sei auch für die Ausländerbehörde beim Kreis Neuland gewesen.

Bekommt ein Asylbewerber während der Lehre Bescheid, dass er nicht bleiben darf, muss er dann das Land verlassen? Michael Klink, Leiter der Ausländerbehörde Teltow-Fläming, sagt: „Während eines laufenden Asylverfahrens und eines eventuellen Klageverfahrens nach negativer Entscheidung wird nicht abgeschoben.“ Erst, wenn das Asyl- und ein Klageverfahren negativ ausgegangen seien, bestehe Ausreisepflicht, so Klinkmüller, „erst dann prüfen wir, ob eine Aufenthaltsbeendigung rechtlich möglich ist. Dies ist immer eine Einzelfallentscheidung.“

Bei seiner Ausbildung hat Anous Masih internationale Kollegen. „Einer unserer Azubis ist Thailänder, ein anderer neuer Lehrling kommt aus Spanien, und ein Konditor aus Aserbaidshan“, erzählt der Firmenchef. Dass der junge Pakistani jetzt Bäcker werden kann, ist für den „ein ganz wichtiger Schritt, mir eine eigene Zukunft aufzubauen“, sagt er schüchtern, halb Englisch, halb Deutsch. Bis Beginn der Lehre lernt er Deutsch, mit Intensivkurs Volkshochschule. Das, so Personalchef Joachim Richter, sei „so, so wichtig, um sich überall im Detail artikulieren zu können.“ Für ihn hat Barbara Matthies „Pionierarbeit geleistet – ihre Beharrlichkeit bei Behörden wär’ uns gar nicht möglich gewesen“, sagt er.

In diesem Fall sind alle froh – Helferin, Betroffener, Unternehmer.Verstehen aber können sie die Situation alle nicht. Seniorchef Wahl sagt: „Diese Hürden... Das Handwerk sucht Leute, aber Flüchtlinge müssen sich langweilen.“ Er gebe jedem eine Chance, „denn so sehr viele junge Leute entscheiden sich nicht für frühes Aufstehen.“ Da liegt Anous Masihs letztes Problem: die Wohnung. Von Großbeeren aus kann er mit Bus oder Bahn nicht pünktlich sein. Er braucht ein Zimmer vor Ort. „Doch wie bezahlt er das?“, fragt seine derzeitige Vize-Mutter, „der Heimplatz Großbeeren läuft ja trotzdem weiter.“ Barbara Matthies hofft, auch für diese letzte Hürde vor der Bäckerlehre für Anous eine Lösung zu finden; „daran darf es nicht mehr scheitern“.

Von Jutta Abromeit

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