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Private Initiative entdeckt hohe Nitratwerte

Brunnenwasser in Ludwigsfelde Private Initiative entdeckt hohe Nitratwerte

Über dem zulässigen Grenzwert laut Trinkwasserverordnung liegen die Nitratwerte, die der Verein VSR Gewässerschutz in Brunnenwasser-Proben der Region Ludwigsfelde fand. Der Spitzenwert lag bei 62 Milligramm je Liter. Dennoch schrillen beim Gesundheitsamt Teltow-Fläming nicht die Alarmglocken.

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Harald Gülzow (r.) am 27. Juni beim Annehmen der privat abgefüllten Wasserproben.

Quelle: Foto: Abromeit

Ludwigsfelde. Die aus Ludwigsfelde und Umgebung eingereichten Grundwasserproben haben viel zu hohe Nitratwerte. Über dieses Untersuchungsergebnis informiert Diplom-Physiker Harald Gülzow, Pressesprecher des in Geldern (NRW) ansässigen Vereins VSR-Gewässerschutz. Der hatte Ende Juni mit seinem rollenden Labor auf dem Rathausplatz von Ludwigsfelde gestanden und privat abgefüllte Wasserproben angenommen und untersucht. Bei jeder zehnten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb von 50 Milligramm je Liter gelegen, also über dem Grenzwert nach deutscher Trinkwasserverordnung, so Gülzow. Der von ihm gefundene Spitzenwert einer Privatbrunnen-Probe lag bei 64 Milligramm pro Liter.

Beim Gesundheitsamt Teltow-Fläming schrillen trotz dieser Ergebnisse keine Alarmglocken. „Es handelt sich um kein zugelassenes Labor, das ganz strenge Entnahmevorschriften befolgen muss“, sagt Amtsleiter Hans Flosse; „es handelt sich um privat entnommenes Wasser aus privaten Brunnen, nicht um streng kontrolliertes aus dem zentralen Wassernetz.“ Dort lägen die 2016 gemessenen Werte durchweg unter 50 Milligramm je Liter, sagt Floss. Und erklärt: „Erwachsene können bis 130 Milligramm Nitrat je Liter zu sich nehmen, wenn sie bei der sonstigen Ernährung auf Nitrat-Reduzierung achten und jodhaltiges Salz verwenden.“

Wasserproben stammen auch aus illegal gebohrten Brunnen

Die MAZ-Recherche nach der Probenentnahme hatte ergeben, dass es sich bei einigen Wasserproben um solche aus illegal gebohrten Brunnen handelt. Die Einreicher hatten lediglich sicherstellen wollen, dass sie sich nicht vergiften und getrost in ihrem Pool steigen können. Im gesamten Kreis gibt es nach Angabe des Gesundheitsamts noch 343 registrierte Hausbrunnen.

Harald Gülzow schreibt, er habe Wasser aus 62 privat genutzten Brunnen der Region analysiert, so aus Ludwigsfelde, Rangsdorf, Zossen oder Trebbin. Diese Ergebnisse sind buchstäblich Wasser auf die Mühlen des Vereins VSR-Gewässerschutz. Der kritisiert, dass bei großen gewerblichen Biogasanlagen im Gegensatz zu Massentierhaltungen ab 2018 den Betrieb verlassende Stickstoffmengen immer noch nicht transparent und kontrollierbar sind. „Die nun als Ergänzung zur Düngeverordnung beschlossene Stoffstrombilanz muss nur von landwirtschaftlichen Betrieben zur Prüfung vorgelegt werden“, erklärt Gülzow. Damit könnten gewerbliche Biogasanlagen weiter ganz legal zur erheblichen Belastung des Grundwassers beitragen.

Beim Bewässern zusätzliche Nitratzufuhr bedenken

Das aus der Region Ludwigsfelde untersuchte Wasser mit Grenzwert-Überschreitung sei nicht mehr zum Trinken geeignet. „Besonders wichtig: Derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs nutzen, denn es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt“, so der VSR-Vertreter. Die führen beim Absterben zum Fischsterben. „Und beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser ist beim Düngen zu bedenken, dass es mit dem Gießwasser zu zusätzlicher Nitratzufuhr kommt.“

Nachwehen der Berliner Rieselfelder

Die Erklärung für die hiesigen hohen Nitratwerte gibt das Umweltamt: „Das Problem ist uns seit mehr als 20 Jahren bekannt. 64mg/l sind ein vergleichsweise guter Wert  – nach der Wende lag er bei mehr als 100 mg/l.“ Damals gab es noch keine Biogasanlagen. „Hauptursache für die hohen Nitratwerte sind die ehemaligen Rieselfelder für Berliner Abwasser. Die ‚bluten‘ heute immer noch aus“, heißt es in der schriftlichen Antwort an die MAZ.

Von Jutta Abromeit

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