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Profis für Saatgut seit 70 Jahren

Rangsdorf Profis für Saatgut seit 70 Jahren

In diesen Tagen herrscht bei der Firma Kalusa in Rangsdorf Hochbetrieb. Die Ernte hat begonnen und das Familienunternehmen sorgt dafür, dass auch im kommenden Jahr kräftige Pflanzen auf den Feldern wachsen. Vor rund 70 Jahren begann die Geschichte des Unternehmens mit einem Befehl von ganz oben.

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Michael Kalusa ist Geschäftsführer der Kalusa Saaten GmbH, die ihren Sitz in der Rangsdorfer Ladestraße hat.

Quelle: Christian Zielke

Rangsdorf. Sommerurlaub kommt für Michael Kalusa und seinen Bruder Andreas nicht infrage. Wenn andere in die Ferien fahren, herrscht bei der Kalusa Saaten GmbH in Rangsdorf Hochbetrieb.

„Wenn die Ernte beginnt, sind die Tage lang“, sagt Michael Kalusa. Dann füllen sich die riesigen Grabensilos mit Tonnen von Saatgut. Die Anlieferung direkt vom Mähdrescher dauert bis in die Nacht. Ventilatoren blasen durch den löchrigen Boden die Feuchtigkeit aus den Samen von Getreide, Gräsern und Futterpflanzen. Ziel ist sortenreines, trockenes Saatgut.

Besatzer gaben Befehl zur Firmengründung

70 Jahre ist es her, dass die Sowjetische Militäradministration in ihrer Besatzungszone den Befehl zur Gründung der Deutschen Saatzucht Gesellschaft (DSG) gab. Ein Standort war der Speicher in Rangsdorf. Nach dem Krieg wollte man die Nahrungsversorgung mit Saatgut sicherstellen. Weil damals oft noch Pferde auf den Feldern eingesetzt waren, war Futter so wichtig wie heute der Kraftstoff.

„Es dauert etwa 15 Jahre, bis man eine neue Sorte gezüchtet hat“, sagt Michael Kalusa. Verschiedene Sorten werden gekreuzt, um den richtigen Kompromiss aus Ertrag und Widerstandsfähigkeit zu finden. Erst nach Zulassung durch das Bundessortenamt darf die neue Sorte auf den Markt. Sie ist wie ein Patent, die Lizenzgebühren sichern die Einnahmen, um neue, an Klima und Standort angepasste Sorten zu züchten. Die Körner sind sensibel. „Die Keimfähigkeit steht an erster Stelle“, sagt Kalusa. Alle Produkte werden von der Saatenanerkennungsstelle in Wünsdorf untersucht und dürfen nur zum Kunden, wenn sie die Normen erfüllen.

Getreide, Kartoffeln, Mais, Futterpflanzen

Der Betrieb ist einer der ältesten in Rangsdorf und seit 70 Jahren ununterbrochen an derselben Stelle. Vater Peter leitete die Niederlassung seit 1984. Mutter Dagmar war seit 1983 im Labor für die Qualität verantwortlich. Schon damals ‚gefühlt‘ ein Familienbetrieb. Fast alles, was in den damaligen Kreisen Zossen und Königs Wusterhausen auf den Feldern wuchs, wurde von Rangsdorf aus koordiniert: Getreide, Kartoffeln, Mais, Futterpflanzen. Der Standort selbst wurde vor allem für die Trocknung und Aufbereitung von Futtergräsern und Eiweißpflanzen ausgebaut. Rangsdorf war ein Exportbetrieb. „Mit Aufträgen aus Holland und Italien wurden harte Devisen erwirtschaftet“, sagt Kalusa.

Neustart nach der Wiedervereinigung

Nach dem Ende der Planwirtschaft beschloss die Familie, weiterzumachen, gründete eine GmbH, kaufte den Betrieb von der Treuhand und investierte kräftig. Dass die Sache gut ging, lag auch an der anfangs fehlenden Konkurrenz. „Früher waren der Verkauf von Saatgut, Futter, Pflanzenschutz und Dünger strikt getrennt. Heute verkauft jeder alles“, sagt der 50-Jährige. Vom Händler hat sich das Unternehmen, das er mit seinem jüngeren Bruder Andreas führt, zum Dienstleister gewandelt. Landwirte geben einen Teil ihrer Ernte ab und erhalten es als Saatgut zurück. Riesige Maschinen sortieren die schlechten Körner und Bestandteile aus. Dann wird abgefüllt und gelagert. 70 Prozent der Ware muss für die Aussaat im Herbst fertig sein. „Dank guter Mitarbeiter schaffen wir das“, sagt Kalusa. So ist die Ernte fürs kommende Jahr gesichert.

Das Umfeld ist schwieriger geworden. Viele Landwirtschaftsflächen sind verloren gegangen, das Embargo gegen Russland bringt ebenfalls Probleme. In Zeiten der Globalisierung sind die Märkte riesig und unübersichtlich geworden. Wie man es schafft, weiter zu überleben? Michael Kalusa ist überzeugt: „Durch Erfahrung und Vielseitigkeit – das ist unser Vorteil, aber Garantien gibt es keine.“

Von Christian Zielke

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