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Rabi und Hala in der Schule

MAZ-Serie „In der neuen Heimat“ Rabi und Hala in der Schule

Die beiden ältesten Kinder der syrischen Flüchtlingsfamilie Yassin gehen jetzt in Ludwigsfelde in die Schule. Während Rabi eine Willkommensklasse besucht, schlägt sich Hala als einzige ausländische Schülerin in ihrer Klasse durch. Die beiden berichten über ihre Erlebnisse in der ersten Schulwoche und das Bildungssystem in Syrien.

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Gepackte Ranzen für den nächsten Tag: Rabi (l.) und Hala Yassin gehen gerne in die Schule.
 

Quelle: Anja Meyer

Ludwigsfelde.  Für Hala und Rabi, die beiden großen Kinder der syrischen Flüchtlingsfamilie Yassin aus Ludwigsfelde, war diese Woche eine besondere: Zum ersten Mal seit einem halben Jahr gehen sie wieder in die Schule. Endlich. Die Geschwister haben sich gelangweilt in den verschiedenen Asylbewerberunterkünften, in denen sie seit September untergebracht waren. Sie wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen, um neue Freunde zu finden. Mit dem Unterricht werde das jetzt sicher schnell funktionieren, sagt Mutter Rabiha Yassin zuversichtlich.

Seit Montag besucht der zwölf Jahre alte Rabi eine Willkommensklasse an der Gottlieb-Daimler-Schule, die neunjährige Hala geht in die Klasse 2c der Fontane-Grundschule. Während Rabi mit Schülern aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien, Algerien und Italien zusammen lernt, war Hala am Montag doch ein bisschen überrascht: In ihrer neuen Klasse ist sie die einzige Ausländerin. „Ich verstehe nichts von dem, was meine Mitschüler sagen“, sagt sie. Die anderen fahren mit dem normalen Unterricht fort, die Lehrerin gibt Hala Extraübungen, die sie auf ein Blatt schreibt. Worte wie Schere und Buntstift hat sie schon gelernt.

Hintergrund

Seit Februar begleitet die MAZ Familie Yassin, die vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat in der syrischen Stadt Latakia fliehen musste und jetzt im Asylbewerberheim in Ludwigsfelde wohnt.

Zur Familie gehören Mutter Rabiha (41), Vater Mohamed (41), Rabi (12), Hala (9) und Mais (zehn Monate).

Einmal in der Woche besuchen MAZ-Reporter die Yassins, um zu erfahren, wie sich eine Flüchtlingsfamilie in der Region zurecht findet.

Normalerweise unterhält sie sich gern mit anderen Kindern, erzählt das aufgeweckte Mädchen. Sie fragte ein paar Mitschüler, ob sie Englisch mit ihr sprechen könnten. Das mache jedoch leider niemand. Deshalb verbringt Hala die Pausen mit Kindern aus anderen Klassen, die Englisch oder Arabisch sprechen. Nett seien die Schüler in ihrer Klasse aber schon, das hat sie trotz der Sprachbarriere gemerkt. Zwei Mitschüler und eine Lehrerin haben die Artikel über Familie Yassin in der MAZ gelesen, Hala wiedererkannt und sie darauf angesprochen. Ein Mädchen hat auch eine kleine Schwester wie Hala – die zehn Monate alte Mais ist der Mitschülerin im Gedächtnis geblieben.

Mutter Rabiha Yassin weiß, dass die Anfangszeit für ihre Tochter jetzt hart ist. Aber sie weiß auch, dass Hala sich nicht unterkriegen lässt. „Hala ist ein starkes Mädchen und gibt nicht so schnell auf“, sagt sie. „Sie kommt nach mir.“ Hala werde immer wieder probieren, mit den anderen zu reden – bis sie sich verständigen können.

Für Rabi ist der Anfang leichter. In seiner Willkommensklasse machen die Schüler viel mit Holz, sie haben gemeinsamen Sportunterricht und arbeiten mit dem Computer. Wenn Rabi etwas nicht versteht, kann ihm immer jemand helfen. „Die anderen sind schon länger da und sprechen etwas Deutsch“, erzählt er. In der Klasse ist er einer der jüngsten, die ältesten sind 17 Jahre alt.

Rabi ist in seinem Heimatland Syrien drei Jahre lang in die Schule gegangen, dann musste die Familie vor dem Krieg flüchten. Seine Schwester Hala war da noch im Kindergarten. Sie hat in der Türkei, wo die Yassins vor ihrer Flucht nach Europa drei Jahre lang lebten, die ersten beiden Klassen absolviert. Vater Mohamed Yassin erinnert sich an seine Schulzeit: In Syrien ging man vor dem Krieg zwölf Jahre lang zur Schule, fast jeder legte das Abitur ab – obwohl es keine Schulpflicht gibt, erzählt er.

Für Rabi, der nun beide Systeme erlebt, gibt es nicht so viele Unterschiede zwischen Schulen in Syrien und in Deutschland. Eines hat er jedoch gleich gemerkt: „In Deutschland ist Pünktlichkeit wichtiger“, sagt er. Sein Vater, der sich um die Anmeldung der Kinder in den Schulen gekümmert hat, schätzt deutsche Schulen als strenger ein. Er findet das gut. „Den Lehrern ist es wichtig, dass ihre Schüler im Unterricht mitkommen und dass sie ihre Hausaufgaben machen.“ In Syrien sei das manchen egal gewesen.

Von den Ludwigsfelder Schulen hat Mohamed Yassin einen sehr positiven Eindruck. Als er Hala anmelden wollte, kam er ausgerechnet zur Pausenzeit an. „Die Lehrerin wollte gerade zu Mittag essen“, erzählt er. Das habe sie ausfallen lassen, um Mohamed Yassin die Schulregeln zu erklären. „Sie hat sie in ein Online-Übersetzungsprogramm kopiert und ich habe sie auf dem Computer gelesen.“

Um immer pünktlich zu sein, stehen Rabi und Hala jetzt jeden Morgen um 6 Uhr auf und nehmen den Bus zur Schule. „Den dürfen wir nicht verpassen“, sagt Rabi. „Der kommt nicht so oft.“ Abends fallen sie schon vor 21 Uhr müde ins Bett und schlafen sofort ein. Mutter Rabiha Yassin ist froh darüber. „Die beiden haben endlich wieder einen Alltag, jetzt haben sie sogar dreimal am Tag Hunger“, sagt sie. Zuvor hätten sie lange geschlafen und manchmal eher aus Langeweile gegessen.

Von Anja Meyer

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