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Rangsdorf Spektakuläre Funde in der Gruft
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf Spektakuläre Funde in der Gruft
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05:23 07.07.2018
Begleiten die Innensanierung der Rangsdorfer Kirche: die Archäologen Arco Dinter und Babett Palm, Pfarrerin Susanne Seehaus und der Privathistoriker Stefan Rothen Quelle: Christian Zielke
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Rangsdorf

 Die Arbeiten zur Innensanierung der Rangsdorfer Kirche haben neben allerhand Schutt und Geröll einige spektakuläre Funde ans Tageslicht gebracht. Archäologen haben an der Außenwand der Kirche einen Zinksarg ausgegraben, der vermutlich um das Jahr 1800 beigesetzt wurde.

In dem Sarg fanden die Archäologen das Skelett einer Frau. „Wir vermuten, dass der Sarg ursprünglich in der Gruft beigesetzt war und später umgebettet wurde“, sagt der Archäologe Arco Dinter, der mit seinem Team die Bauarbeiten begleitet. In den 1930er Jahren wurde in der Rangsdorfer Kirche eine Heizung eingebaut, deren Luftschächte dort verlaufen, wo sich einst die Gruft befand.

Dame im Sarg war vermutlich aus einem höheren Stand

Früher sei es üblich gewesen, dass sich vor allem die einflussreichen Menschen des Ortes in der Kirchengruft bestatten ließen. „Damals galt: Je dichter am Altar, umso besser“, sagt Pfarrerin Susanne Seehaus. Wer näher am Altar lag, so der Glaube, ist auch näher am Heil und an der Auferstehung. Die Lage und die Tatsache, dass der Sarg aus Zink und nicht als Holz ist, deuten darauf hin, dass die Dame aus einem höheren Stand war, sagt der Archäologe.

Bei der Sanierung der Kirche in Rangsdorf fanden Archäologen einen Zinksarg. Quelle: Babett Palm

Für den Rangsdorfer Privathistoriker Stefan Rothen ist der Sarg, der mittlerweile an der Kirchmauer bestattet ist, eine Sensation. Er hat eine Vermutung, wer die Dame ist. „Es könnte jemand aus der Familie von Hake sein“, sagt er. Sie waren zu der Zeit die Gutsbesitzer von Rangsdorf. Die genaue Identität möchte er mit Hilfe der Kirchenbücher erforschen.

Mittelalterliche Münzen gefunden

Der Zinksarg mit der noch unbekannten Toten ist nicht das einzige, das die Archäologen aus den Fundamenten der Kirche geborgen haben. Zum Vorschein kamen auch zahlreiche Münzen, von denen die ältesten aus der Zeit um 1500 stammen. Arco Dinter vermutet, dass das Geld ursprünglich für den Klingelbeutel bestimmt war, aber aus Unachtsamkeit durch die Ritzen im Fußboden fiel und dort die Jahrhunderte überdauerte.

Archäologische Funde aus der Kirche in Rangsdorf: Scherben, Pfeilspitzen, Münzen und Reste einer Totenkrone Quelle: Christian Zielke

Offiziell ist die Rangsdorfer Kirche erst 1890 erbaut, doch ein Gotteshaus stand dort schon viel früher. Stefan Rothen vermutet, dass es in Rangsdorf einst eine für die Region typische Feldsteinkirche gab. Einige der Steine sind noch heute am Fundament zu sehen.

Zeugnisse eines typisch brandenburgischen Brauchs

Auf einen alten, längst vergessenen Brauch deuten die Reste einer Totenkrone hin, die die Archäologen aus dem Schutt gesiebt haben. Totenkronen waren Grabbeigaben für Säuglinge, Kinder oder junge Frauen, die unverheiratet gestorben waren. Ihnen wurde die Totenkrone anstelle der Brautkrone aufgesetzt. „Dieser Brauch war vor allem in Brandenburg stark verbreitet“, sagt Susanne Seehaus.

Dass in Rangsdorf schon in wesentlich früherer Zeit Menschen siedelten, darauf deuten Keramikscherben, sogenannte grobe Irdenware, und Pfeilspitzen hin, die bei den Grabungen gefunden wurden. Arco Dinter sieht darin Zeugnisse aus vorchristlicher Zeit. „Ich vermute, sie stammen aus der Bronze- oder Eisenzeit“, sagt Arco Dinter. Genaueres müssten Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege zeigen.

Die ältesten je in Rangsdorf gefundenen Relikte

Die bis zu 4000 Jahre alten menschlichen Relikte sind die ältesten, die je in Rangsdorf gefunden wurden. „Bisher gab es nur Funde aus der slawischen Zeit“, sagt Stefan Rothen. Der nahe See und der Wald lassen jedoch vermuten, dass schon vor Jahrtausenden Menschen in der Gegend siedelten.

Für Stefan Rothen und Susanne Seehaus ist die Arbeit der Archäologen Anlass, sich noch stärker mit der Geschichte des Ortes und seiner Kirche zu beschäftigen. „Wir fangen an, unsere Historie neu zu erforschen“, sagt Rothen. Größere Verzögerungen beim Innenausbau sind ausgeblieben. Susanne Seehaus ist zuversichtlich, dass sie Ende September den ersten Gottesdienst in der neu gestalteten Kirche feiern kann.

Von Christian Zielke

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