Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rangsdorf Berührende Tagebucherinnerungen
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf Berührende Tagebucherinnerungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:20 28.01.2019
Norbert Kampe und Nele Nimz beim Vortrag über die Familie Ludomer aus Rangsdorf. Quelle: Andrea von Fournier
Rangsdorf

„Wenn man einmal ohne geht, sieht man die ganze Lächerlichkeit des Sterns ein“, vertraute die 16-jährige Hilma Ende 1941 ihrem Tagebuch an. Sie meinte damit den Judenstern, den zu tragen sie vermied. „Hat denn Gott kein Herz, dass er das alles zulässt?“, wendet sie sich ein halbes Jahr später in diesem Buch an ihren himmlischen Vater, an den sie glauben will, obwohl es ihr schwerfällt.

Erinnerung ist wichtig

Hilma Ludomers Eltern, ihre geliebten Tanten Minna und Gertrud und Onkel Josef sind 1942/43 in Theresienstadt und Riga ermordet worden. Anlässlich des Holocaust-Gedenktags lädt der Rangsdorfer Kulturverein stets zu einer Veranstaltung ein. „Erinnerung ist so wichtig – zunehmend, wie man am wachsenden Heer der Populisten sieht“, sagte Organisator Eike Mewes. Er hatte den Historiker Norbert Kampe eingeladen, weil der in den vergangenen Jahren die Geschichte der Rangsdorfer jüdischen Familie Ludomer ans Licht holte. Seine umfangreichen Recherchen werden in einem Buch münden, dessen Veröffentlichung 2020 geplant ist. Und sie hatten ungeahnte „Nebenwirkungen“. Die beiden Kinder der überlebenden Hilma Ludomer erfuhren vom Schicksal der Mutter und der Großeltern, die Familie fand aus verschiedenen Ländern wie Australien, USA und Israel wieder zusammen, das Rangsdorfer Wohnhaus wurde zum Denkmal und bekam eine Info-Tafel und vor dem Schöneberger Wohnhaus der Familie wurden acht Stolpersteine verlegt.

Geschichte, die berührt

Rangsdorfer Schüler erfuhren die Geschichte der Ludomers und ließen sich davon berühren. Wie auch die Besucher der Gedenkstunde am Wochenende in der evangelischen Kirche. Pfarrerin Susanne Seehaus und Kulturvereins-Vorsitzender Wolfgang Buck begrüßten die Gäste. Norbert Kampe führte mit Fotos der Familie Ludomer und Schilderung der Situation zu verschiedenen Zeitpunkten in das Thema ein. Dann wurden Auszüge aus den Tagebüchern von Hilma gelesen, die das Mädchen als Zehn- bis 17-Jährige führte. Hilma war keine eifrige Schreiberin. Doch was ihre Seele in dieser schrecklichen Zeit schonungslos und in simplen Wahrheiten offenbart, lässt nicht kalt. Auch Nele Nimz nicht, die die Tagebuchauszüge vorlas und die heute in der Straße lebt, in der Hilma wohnte. Die 19-Jährige besuchte mit der Klasse Auschwitz, durch Hilmas Tagebücher kam die Nazi-Zeit noch dichter an sie heran.

Es gibt eine Zeit „danach“

Hilma Ludomer glaubte immer, dass es eine Zeit „danach“ geben und sie das Grauen nie vergessen würde. Beides ist so eingetreten und es ist höchste Zeit, dass sich die Nachgeborenen der Täter erinnern.

Von Andrea von Fournier

Die Gemeinde Rangsdorf hat am Freitagabend beim Neujahrsempfang zwei Rangsdorfer Bürger mit der Ehrennadel ausgezeichnet. Ronald Paris und Lutz Bernhard wurden für ihr langjähriges Wirken für die Gemeinde geehrt.

27.01.2019

Die Diskussionen um einen neuen Konzertsaal in der Gemeinde sind noch nicht beendet.

25.01.2019

Die SPD Rangsdorf möchte Autos besser durch den Ort leiten und dabei insgesamt den Verkehr verringern.

24.01.2019