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Rangsdorf Die Waldsiedlung aus wissenschaftlicher Sicht
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf Die Waldsiedlung aus wissenschaftlicher Sicht
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05:19 03.08.2018
Kerstin Frischke (35) vor ihrem „Lieblingshaus“ in der Waldsiedlung. Vor allem der Fensterstreifen in der Mitte gefällt ihr. Quelle: Christian Zielke
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Rangsdorf

 Stattliche Villen, kleine Einfamilienhäuser, mächtige Bäume – die Waldsiedlung ist so etwas wie die gute Stube Rangsdorfs. Film-Größen der UFA lebten dort, auch der Architekt Otto Werner ließ sich dort nieder, wo er selbst viele Spuren seines Wirkens hinterließ. Kerstin Frischke hat sich wissenschaftlich mit der Siedlung zwischen Clara-Zetkin-Straße, Goethestraße und Friedensallee beschäftigt. Die 35-Jährige hat gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Elisa Haß eine Masterarbeit als Restauratorin und Denkmalpflegerin unter dem Titel „Waldsiedlung Rangsdorf – Bebauung und Gestaltung 1928 bis 1945 – Bestandserfassung und denkmalpflegerische Ansätze zur Erhaltung“ an der TU Berlin geschrieben.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Kerstin Frischke an den Moment, als sie zum ersten Mal über das geschwungene Kopfsteinpflaster den Berg hinauf lief. Seit 2014 lebt Kerstin Frischke in Rangsdorf. Usprünglich stammt sie aus der Lausitz und wohnte mehrere Jahre in Baden-Württemberg. „Ich wollte näher an meiner alten Heimat sein“, sagt sie. Rangsdorf war perfekt, nicht nur zum Wohnen, sondern auch für ihr Studium. Einige Hausbesitzer öffneten ihre Türen und ließen sie einen Blick in alte Akten werfen.

Vor 100 Jahren war das Gelände der Waldsiedlung unbesiedelt. In den 1920er Jahren verkaufte die Gutsbesitzerfamilie Spiekermann die Fläche an den Kreis Teltow, der es 1927 an die Gemeinde weiterverkaufte. Der Mann, der die Straßen in dem Gebiet geplant und die Grundstücke parzelliert hat, hieß Ernst Rang. „Er war nicht der Namensgeber für Rangsdorf“, sagt Kerstin Frischke, „ich vermute aber, dass er aufgrund seines Namens eine persönliche Verbindung zum Ort hatte.“

Aus Sicht der Denkmalpflegerin kann sich Ernst Rangs Arbeit bis heute sehen lassen. Er dachte nicht nur an Wohnhäuser, sondern plante Lebensmittelgeschäfte, einen Milchladen und den Platz an der Frühlingstraße, der bis heute als grüner Streifen erhalten ist. Auch mit dem, was heute als gute Lage gilt, konnte die Siedlung punkten. Sie lag nahe am Bahnhof und zum See und bot viel Grün – genau das, was Menschen aus der Stadt nach wie vor suchen. Wer kein Haus baute, genoss den Sommer in der Gartenlaube.

Am eindrucksvollsten wirken bis heute die großen Wohnhäuser, deren Architektur typisch für die Zeit ist. Vor allem die frühen Häuser sind vom Stil des Bauhaus geprägt – mit ihren klaren Formen und den Klinker-Bändern. „An einigen Häusern zeigen sich expressionistische Experimente“, sagt Kerstin Frischke. Mit dunklen Ziegeln und ungewöhnlichen Putz-Techniken setzten die Bauherren interessante Akzente. „Dieser Stil war nur bis 1933 gewollt“, sagt Kerstin Frischke. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, änderte sich die Formensprache. Plötzlich waren typisch deutsche Merkmale wie Fachwerk oder spitze Dächer gefragt.

Zwischen 1934 und 1938 brach ein regelrechter Bauboom aus, der mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs abrupt endete. Kerstin Frischke wünscht sich, dass möglichst viel von der Bausubstanz erhalten bleibt. Eine besondere Herzenssache sind für sie die Zäune, die oft noch im Originalzustand erhalten sind. „Das wäre noch einmal ein eigenes Thema“, sagt sie.

Ihre Masterarbeit wird auch in der Gemeinde genutzt, etwa wenn es um freie Grundstücke für Hausbauer geht, sagt Bauamtsleiterin Simone Götsche: „Wir achten darauf, dass die Strukturen der Siedlung im Kern erhalten bleiben.“

Von Christian Zielke

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