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Teltow-Fläming Raupen fressen sich durch Kiefernwälder
Lokales Teltow-Fläming Raupen fressen sich durch Kiefernwälder
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05:24 03.07.2018
Minister Vogelsänger beim Vor-Ort-Termin mit privaten Waldbesitzern in Kemnitz. Quelle: Margrit Hahn
Kemnitz

Kiefernspinner, Nonne und Forleule machen sich breit in der Region. Die Schädlinge befallen die Bäume in großem Maßstab. Gestern machte sich Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) in Nuthe-Urstromtal ein Bild von den Schäden vor allem in Kiefernwäldern.

Mehrere Oberförstereien betroffen

Betroffen sind vor allem Areale der Oberförstereien Potsdam, Jüterbog, Baruth und Dippmannsdorf sowie das Gebiet zwischen Dobbrikow, Nettgendorf und Kemnitz. In Kemnitz schaute sich Vogelsänger die Fraßschäden an und sprach mit Waldbesitzern und Waldschutzexperten des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE)

Waldbesitzer besorgt

„Im Frühjahr habe ich die ersten Schäden entdeckt. Seitdem kontrolliere ich regelmäßig die Bäume. Bei mir sind etwa 40 Hektar meines Kiefernwaldes betroffen“, sagte Horst Richter aus Kemnitz. Am Rand sind die Bäume noch grün, doch nach 20 Metern sieht man deutlich, dass die Kronen braun oder fast kahl sind. „Es sieht aus, als würden sie absterben“, so Richter. Vor einigen Jahren hatte er das gleiche Problem, doch längst nicht so schlimm wie jetzt. Er macht sich große Sorgen um seinen Baumbestand. Auch Norbert Ernicke weiß nicht, wie es weitergehen soll. „Wir Eigentümer werden sicher wieder zur Kasse gebeten“, befürchtet der Kemnitzer.

Massenvermehrung nicht vorhersehbar

Wie Katrin Möller vom LFE erklärte, sind Kiefernwälder besonders anfällig gegenüber Schadinsekten. Und in diesem Jahr sei es besonders schlimm, denn es träten drei Schadinsekten gleichzeitig auf – und das nicht etwa nur vereinzelt, sondern in Massen. „Der Fraß war so nicht vorhersehbar. Das was wir hier erleben, gab es Jahrzehnte, Jahrhunderte nicht. Ich habe diese Dimensionen noch nicht erlebt“, sagte Möller.

Die Bäume sind nur noch in den Kronen grün ansonsten braun oder kahl. Quelle: Margrit Hahn

Eine außergewöhnliche und schwierig zu prognostizierende Populationsentwicklung habe zu dieser Situation geführt. Insbesondere die Nonne und der Kieferspinner profitieren seit Anfang der Neunzigerjahre vom Klimawandel. Bei der Nonne kam es früher etwa alle zehn Jahre zu einer Massenvermehrung. Doch die letzte war erst von 2012 bis 2014. Seit Herbst vorigen Jahres ist erkennbar, dass dieser zehnjährige Zyklus durchbrochen wird und damit zu rechnen ist, dass in kürzeren Abständen mit einer Plage zu rechnen ist.

In Baumkronen überwintert

Die Raupen des Kiefernspinners überwintern normalerweise im Boden. Bei der Winterbodensuche wurden nur wenig Raupen gefunden. Vermutlich haben sie wegen des milden Winters in den Baumkronen überwintert und konnten deshalb im Boden nicht entdeckt werden. Mit einer solchen Massenvermehrung hatten die Waldschutzexperten nicht gerechnet.

85 Euro pro Hektar

Auf Nachfrage des Kommunalpolitikers Winand Jansen (SPD) aus Kemnitz erklärten die Experten, dass es keinen Einsatz von Pflanzenschutzmittel von Hubschrauber aus als Vorsorgemaßnahme geben wird. „Wir sind beim Eichenprozessionsspinner schon an den Rand unserer Möglichkeiten gegangen. Es muss alles im rechtlichen Rahmen bleiben und Sinn machen“, sagte Minister Vogelsänger. Jansen wollte wissen, was im Falle eines Hubschraubereinsatzes auf die privaten Waldbesitzer an Kosten zukommen würde und erfuhr, dass es in Deutschland nur drei Flugunternehmen gibt, die in Frage kämen. In diesem Jahr betrug der Einsatz pro Hektar 85 Euro.

Holz nicht voreilig abgeben

Ob sich die geschädigten Bäume wieder erholen, könne man erst im Frühjahr 2018 sagen. Auf keinen Fall sollten Waldbesitzer ihr Holz jetzt Hals über Kopf billig abgeben, so Carsten Leßner, Referatsleiter im Ministerium. „So wie es im Moment aussieht, haben die Bäume gute Chancen sich zu regenerieren. In den Fraßgebieten wird die Entwicklung durch die Fachleute weiter beobachtet“, fügte Katrin Möller hinzu. Die Waldbesitzer sollten zudem weiterhin Kontakt zu den Forstbehörden halten.

Förderung für Waldumbau

Die Landesforstverwaltung habe zudem ein Waldumbauprojekt gestartet, das aber wegen der Größe der Aufgabe viele Jahre dauern wird. In privaten Wäldern wird der Umbau vom Nadel- zum Mischwald bis zu 85 Prozent gefördert.

Von Margrit Hahn

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