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Reaktionen auf die Wolfsverordnung

Dahmeland-Fläming Reaktionen auf die Wolfsverordnung

Die Angst vor den Wölfen ist in der Region Dahmeland-Fläming groß, der Zorn auf die Gesetzgeber nach zahlreichen Wolfsrissen ebenfalls. Die neue Wolfsverordnung, die am Mittwoch vorgestellt wurde, wird deshalb von Jägern, Landwirten und Naturschützern begrüßt – sie könne aber nur ein erster Schritt sein, heißt es.

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Darf jetzt im geregelten Ausnahmefall verjagt, betäubt oder gar getötet werden: der Wolf.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Wer mit Bauern aus der Region über Wölfe spricht, der weiß: Die Stimmung ist aufgeheizt. Kein Wunder, mindestens wöchentlich werden derzeit Wolfsrisse in landwirtschaftlichen Betrieben bekannt. Mal fallen einzelne Tiere zum Opfer, mal holen sich die Raubtiere ihr Futter auch gleich im Dutzend, wie zuletzt in der Herde des in Märkisch Buchholz ansässigen Schäfers Dirk Hoffmann. Deshalb sieht der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Helmut Dornbusch, die neue Wolfsverordnung auch erst einmal positiv. „Auch, um die Debatte wieder auf eine sachliche Ebene zu holen.“

Die Wolfsverordnung ist ein neues Regelwerk, das Mitte der Woche vom Landwirtschaftsministerium vorgestellt wurde. Sie regelt, dass problematische Wölfe vergrämt oder gar getötet werden dürfen, und unter welchen Umständen das zu geschehen hat. Als problematisch werden Wölfe unter anderem eingestuft, wenn sie wiederholt in Weidetierbestände gehen und dort Tiere reißen.

„Ich begrüße das“, sagt Helmut Dornbusch. „Wir konnten zumindest durchsetzen, dass der Wolf den Status eines Problems erreicht hat. Damit können wir mit Naturschützern künftig auf Augenhöhe verhandeln. Das ist uns wichtig.“

Daran, dass die Verordnung tatsächlich praktikabel umgesetzt werden kann, hat er aber seine Zweifel. Zum einen sei schon bei der Regulierung von Wolfsschäden eine immenser bürokratischer Aufwand zu betreiben. Sollte ein solcher Aufwand auch für die Vergrämung oder Tötung eines problematischen Tieren betrieben werden müssen, dann sei das Verfahren für die Betroffenen wohl wenig hilfreich. Offen sei überdies, wer sich überhaupt verantwortlich zeige.

„Große Hilflosigkeit vor Ort“

Zuletzt hatte der von Wolfsrissen gebeutelte Schäfer Dirk Hoffmann einen Antrag beim Landkreis auf Entnahme des Wolfs gestellt. In der Kreisverwaltung zögerte man aber – immerhin ist der Wolf ein hoch artengeschütztes Tier. Einen leichtfertigen Verstoß gegen den Schutz verantwortet kein Beamter gern – genauso wenig wie ein Jäger, der dafür seinen Jagdschein verlieren kann.

„Es gibt eine große Hilflosigkeit vor Ort“, stellt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade, fest. Genau aus diesem Grunde schlägt das Ministerium vor, dass das Landesumweltamt den Landkreisen künftig die Entscheidung abnimmt. „Dort sitzen hauptamtliche Fachleute, die sich täglich mit dem Thema befassen“, sagt Schade. Gleichzeitig würde das Landesumweltamt auch einen externen Jäger beauftragen, falls der eigentlich zuständige Jagdpächter davor zurückschreckt, einen Wolf zu betäuben oder gar zu töten.

Das alles klinge gut, sagt Julian Dorsch, Geschäftsführer des Wildparks Johannismühle und Befürworter eines planvollen Wolfsmanagements. „Aber entscheidend ist nicht, was auf dem Papier steht, sondern wie man es umsetzt.“ Und da sieht er noch einige offene Fragen. Zum einen zeichnet sich ein problematischer Wolf laut Verordnung dadurch aus, dass er wiederholt in Siedlungen vordringt oder Tiere reißt. „Aber wie erkenne ich genau den Wolf, der bereits vor zwei Tagen etwas angestellt hat?“, fragt Dorsch.

Zum anderen, sagt Dorsch, habe er schon bei seinen Wölfen im Wildgehege erlebt, wie schwierig eine Betäubung sein kann. „Wir haben beim letzten Mal sechs oder sieben Pfeile danebengeschossen. In freier Wildbahn dürfte das noch komplizierter werden“, sagt Dorsch.

Jäger fordern Bestandsobergrenze

Auch Ortwin Seier, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming, sieht in der Wolfsverordnung noch nicht die alleinige Lösung des Problems. „Die Tiere haben eine Zuwachsrate von 40 Prozent, der Bestand verdoppelt sich alle drei Jahre. Das muss reguliert werden“, sagt Seier. Sein Wunsch – und der des Landesjagdverbandes – ist eine Bestandsobergrenze, die von Wissenschaftlern festgelegt und im Wolfsmanagementplan festgeschrieben wird.

Genau das sei auch die Forderung des Landes, sagt Sprecher Schade. Aber der Weg dorthin sei leider kompliziert. Dafür müsse der Schutzstatus des Wolfs herabgesetzt werden, und das gehe nur, wenn festgestellt wird, dass das Tier einen günstigen Erhaltungszustand hat. Das wiederum könne nur der Bund über die EU regeln. „Und ein solches Verfahren dauert Jahre.“

Mit der Wolfsverordnung habe Brandenburg sich deshalb als erstes Bundesland ein Instrument gegeben, mit dem man dem Wolf anderweitig begegnen könne, so Schade. Auch der neue Wolfsmanagementplan werde definitiv noch in diesem Jahr veröffentlicht. Eine Obergrenze wird es darin wohl nicht geben.

Von Oliver Fischer

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