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Reaktionen aus dem Heimatort von Silvio S.

Nach dem Urteil Reaktionen aus dem Heimatort von Silvio S.

Nach dem Urteil gegen den zweifachen Kindsmörder Silvio S. aus Kaltenborn sind die Emotionen wieder aufgewühlt – in seinem Heimatort und in Luckenwalde, wo eines der Opfer verscharrt war. Für angemessen halten die einen die Strafe; andere hätten sich eine Sicherheitsverwahrung gewünscht.

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Hobbygärtner Karsten Niendorf pflegt den Erinnerungsgarten in Luckenwalde.

Quelle: Elinor Wenke

Kaltenborn/Luckenwalde. Grau und verregnet ist das Dorf Kaltenborn in Niedergörsdorf am Morgen nach dem Urteil gegen den zweifachen Kindsmörder Silvio S. Der 33-Jährige Täter stammt von hier. Eines seiner Opfer tötete S. in seinem Elternhaus. Auf der Dorfstraße von Kaltenborn sind keine Menschen unterwegs. Eine alte Dame führt am Ortsrand ihren Dackel im Regen Gassi. „Wir haben solch ein Urteil erwartet und müssen jetzt damit leben“, sagt sie und zuckt etwas ratlos mit den Schultern. Sie meint nicht die Gemeinschaft des gerade 84 Einwohner zählenden Dorfes, die mit der lebenslangen Haft und besonderen Schwere der Schuld von Silvio S. leben müsse, sondern seine Familie. „Ich bin die Großmutter“, sagt die Frau.

Ihre Tochter, die Mutter des Mörders, ist an diesem Tag zur Arbeit nach Luckenwalde gefahren. Sie hatte ihren Sohn im November auf einem Fahndungsfoto in der Zeitung erkannt und bei der Polizei angezeigt. „Ich habe heute morgen das Radio angemacht, um das Urteil zu hören“, erzählt die Oma von Silvio noch. Mehr möchte sie nicht sagen und zieht mit ihrem Hund weiter in Richtung Kirche.

Ortsvorsteher will seine Dorfgemeinschaft schützen

Dort wohnt auch Ortsvorsteher Christian Laiblin. „Das Urteil ist völlig in Ordnung. Das Gericht hat das so entschieden“, sagt er und will sich eigentlich nicht weiter äußern. Er will seine Dorfgemeinschaft schützen, die seit der Verhaftung von Silvio S. im Fokus der Öffentlichkeit steht. „Zwei Kinder sind tot. Das ist das Wichtige und nicht wo der Mörder gelebt hat. Nicht nur die Menschen in Kaltenborn sind von der Tat und dem Urteil betroffen, sondern jeder, der Empathie in sich hat“, sagt Laiblin.

Die meisten Bürger des Dorfes möchten nicht darüber reden. Ein Kamerateam des Rundfunks Berlin-Brandenburg dreht ein paar Bilder im Ort. Ein junger Mann steht in seiner Haustür. Er will sich nicht filmen lassen, sagt aber deutlich, was er vom Urteil gegen Silvio S. hält. „Es ist ein Witz. Kinderschänder haben die Höchststrafe verdient. Dem gehört eine Kugel zwischen die Augen oder besser noch ein Strick um den Hals“, sagt der Mann. Er kannte Silvio S., wie alle in dem kleinen Ort. Eine besondere Beziehung hatte er nicht zu ihm. Die Eltern grüße er, aber zu reden habe man nichts miteinander.

In Kleingartenanlage ist Ruhe eingekehrt

In der Luckenwalder Kleingartenanlage „Eckbusch“, in der die Leiche des sechsjährigen Elias vergraben war, ist nach dem Medienrummel vom Herbst wieder Normalität und Ruhe eingezogen. Das Urteil gegen den Kindsmörder wühlt die Emotionen wieder auf. Anita Schmidt bewirtschaftet ihren Kleingarten seit 1983 und hätte nie für möglich gehalten, dass solch eine grausige Tat ganz in ihrer Nähe geschehen konnte. „Es war schockierend, als die Polizisten damals anrückten“, erinnert sich die 77-Jährige. Das Urteil hält sie für angemessen, hätte aber zusätzlich eine Sicherheitsverwahrung erwartet. „Eigentlich müsste so einer für immer weg“, sagt die Luckenwalderin, die selbst zwei Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel hat.

Die Parzelle, auf der die Kinderleiche verscharrt war, wurde nicht wieder verpachtet, sondern in Absprache mit der Stadt zu einem öffentlichen Erinnerungsgarten gestaltet. Apfelbäume wurden gepflanzt, eine Hecke und Rasen angelegt, eine Bank lädt zur stillen Trauer ein. Eine Tafel und zahlreiche Kuscheltiere erinnern an die beiden Jungen Elias und Mohamed. „Jemand aus der Gartenanlage hat die Plüschtiere gewaschen und wieder hingelegt“, berichtet Anita Schmidt. Sie selbst hatte mitgeholfen, den Gedenkgarten anzulegen.

Gedenkgarten wird ehrenamtlich gepflegt

Karsten Niendorf, der nebenan seine 400 Quadratmeter große Parzelle bewirtschaftet, kümmert sich regelmäßig ehrenamtlich um den Gedenkgarten. Er hat Studentenblumen gepflanzt und blühende Kübel aufgestellt. Der Rasen ist tipptopp gepflegt. Demnächst will er aus einem zwei Meter langen Baumstamm einen Pflanzkübel bauen. Der 57-jährige Luckenwalder kannte Silvio S., erlebte ihn als „verschlossen und ungepflegt“. Niendorf hätte sich für den Mörder eine Sicherheitsverwahrung auf Lebenszeit gewünscht. „Der Mann ist eine tickende Zeitbombe und nicht geheilt“, sagt er, „wenn der rauskommt, wird er rückfällig.“

„Erst mal ist er weggesperrt“, sagt Gerald Kominek. Der 62-jährige Anwohner aus der Karl-Liebknecht-Straße findet das Urteil gerecht. Einmal in der Woche kommt er in den Gedenkgarten, um innezuhalten.

Von Peter Degener und Elinor Wenke

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Drei Monate nach dem Urteil gegen den zweifachen Kindsmörder Silvio S. liegt die schriftliche Urteilsbegründung vor: Darin legt das Gericht detailliert dar, warum es gegen den Peiniger von Elias (6) und Mohamed (4) keine Sicherungsverwahrung verhängte. Die MAZ hat exklusiv Einblick in das Dokument nehmen können.

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