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Rehagener fühlen sich zu spät informiert

Informationen über Asylunterkunft Rehagener fühlen sich zu spät informiert

Mit so einem großen Andrang hat niemand gerechnet. 90 Stühle hatte der Wirt im Saal der Gaststätte „Waldkater“ aufgestellt. Doppelt so viele Rehagener sowie Bürger aus benachbarten Orten drängten sich Dienstagabend dicht an dicht, um zwei Stunden lang mehr über die in dem 800-Seelen-Dorf geplante Asylunterkunft zu erfahren.

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Riesengroß war das Interesse der im Saal der Gaststätte „Waldkater“ versammelten Bürger an Informationen über die Asylunterkunft.

Quelle: Frank Pechhold

Rehagen. Von der Realität überrollt und zu spät informiert fühlen sich viele Rehagener. Bereits am 1. September, und damit deutlich eher als geplant, beziehen die ersten von bis zu 60 Flüchtlingen ihre Unterkunft in dem 800-Seelen-Dorf. Das erfuhren rund 180 Bürger Dienstagabend in dem brechend vollen Saal der Gaststätte „Waldkater“. Dort fand eine Informationsveranstaltung zu der bislang einzigen Asylunterkunft in der Gemeinde Am Mellensee statt.

Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) zeigte sich „sehr froh über das große Interesse“. Sie versprach, Fragen zu beantworten und Gerüchte aus der Welt zu schaffen. „Wobei es hier nicht um die Entscheidung darüber geht, ob Flüchtlinge in Rehagen untergebracht werden, sondern wie.“

Wie berichtet wird in einem Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen ein Flüchtlingsheim eingerichtet. Die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft am Mellensee hat das Objekt für die Dauer von drei Jahren an den Landkreis Teltow-Fläming vermietet. Der Kreis trägt die Kosten für die Umnutzung und Betreibung. Die Betreuung der Bewohner übernimmt der Internationale Bund, der bereits Asylunterkünfte in Großbeeren und Luckenwalde betreibt.

In sieben der acht Wohnungen finden aus ihrer Heimat geflohene Menschen Asyl. „Wobei 80 Prozent der Heimbewohner erfahrungsgemäß eine Aufenthaltserlaubnis erhalten und drei, fünf, manchmal sogar zehn Jahre hier bleiben“, sagte Christiane Witt, Integrationsbeauftragte des Kreises.

Eine parterre gelegene Wohnung bleibt Wachschützern und Sozialarbeiter vorbehalten. Der Sozialarbeiter ist täglich nur fünf Stunden da. Deshalb sei der „Wachschutz mehr als Ansprechpartner da und nicht, um auf die Leute aufzupassen“, so Guido Kohl von der Kreisverwaltung. Ein Bürger widersprach Kohl: „Wir wissen doch alle, dass der Wachschutz dazu da ist, um Gefahren von außen und innen für das Flüchtlingsheim abzuwehren.“ Zudem wolle er wissen, wie sich die Wachschützer mit den Heimbewohnern verständigen wollen. „Wachschützer gehören mit zu den am schlechtesten bezahlten Berufen und sprechen wahrscheinlich weder Englisch noch eine andere Fremdsprache.“

Ein Bürger bezweifelte, dass die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt – entgegen dem Wunsch von Wohnungsverwaltung und Gemeinde – keine Flüchtlingsfamilien nach Rehagen schickt. Er befürchtet, „dass wir hier herumlungerndes Volk haben.“

Unter großem Beifall warf ein Mann Landrätin Wehlan vor, Hinterzimmer-Politik betrieben und die Bürger nicht rechtzeitig über den Heimstandort informiert zu haben. Nach dem Motto: „Basta. Hier habt ihr euer Heim und nun kommt damit klar.“ Wehlan entgegnete, dass auch sie sich die Informationsveranstaltung viel früher gewünscht hätte. Weiter verwahrte sie sich gegen den Vorwurf der „Hinterzimmer-Politik“. Dem sei nicht so. „Das wird der Bürgermeister bestätigen können.“ Bürgermeister Frank Broshog (parteilos) sagte, dass man seit 2013 mit dem Kreis nach einem geeigneten Standort in der Gemeinde gesucht habe. Zwischenzeitlich sei das Verwaltungsgebäude des ehemaligen Krankenpflegeheims in Saalow im Gespräch gewesen. Dieses Vorhaben habe er abwenden können. „Da wären wir bei 1200  Flüchtlingen und nicht wie jetzt bei 60 gewesen.“ Sicher hätte man die Flüchtlinge auch in mehreren Ortsteilen unterbringen können. „Ein, zwei Wohnungen in Sperenberg, dort eine und da zwei“. „Das wäre besser gewesen“, warf ein Mann ein. Broshog betonte, dass mit den Flüchtlingen Menschen nach Rehagen kämen, „weil sie ihr altes Zuhause verloren haben“. Er habe die große Hoffnung, „dass es auch in unserer Gemeinde Bürger gibt, die sagen, wir helfen denen.“

Von Frank Pechhold

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