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Reifenstecherei sät Unfrieden

Offener Disput in Baruth Reifenstecherei sät Unfrieden

10 000 Euro hat Detlef Mehler als Belohnung für Hinweise auf denjenigen ausgesetzt, der ihm die Reifen seines Autos zerstochen hat. Seine Aktion – und die Reifenstecherei vorher – sorgen jetzt allerdings für Unfrieden in Baruth.

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Detlef Mehler (l.) vor seinem beschädigten Auto.

Quelle: Foto: ZDF/Burgemeister

Baruth . Vier zerstochene Renault-Reifen spalten die Stadt Baruth. Sowohl die Ermittlungen der Polizei als auch die 10 000 Euro Belohnung, die der geschädigte Auto-Besitzer und Ex-Polizist Detlef Mehler für Hinweise zur Aufklärung der Straftat ausgesetzt hat, haben bisher nicht zum Täter geführt. Stattdessen entsteht durch Mails und Anrufe in der Redaktion das Bild eines Ortes, in dem sich Einheimische und Zugezogene gegenseitig beschimpfen.

Wie berichtet, ermittelt die Kriminalpolizei in zwei Fällen: einmal zu den vier zerstochenen Reifen, zum anderen zu einem beschädigten Außenspiegel und einer zerkratzten Seitentür. Beide Tatzeiten liegen Tage auseinander. Jedes Mal stand das Fahrzeug an der Hauptstraße auf einem ausgewiesenen Parkplatz, mal von Detlef Mehler abgestellt, mal von seinem Freund. Nach der Tat heißt es von Seiten der Zugezogenen, die Baruther vertragen keine Veränderungen. Einheimische dagegen meinen „die beiden sind nicht gerade für eine nette, den Menschen zugewandte Art bekannt“. Der Redaktion sind die Absender in beiden Fällen bekannt.

Für Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) ist klar, warum diese Straftat für so viel Wirbel sorgt: „Es geht hier weniger um das Auto als um die Person. Es ziehen Leute wie Herr Mehler aus Berlin in den Ort und machen Stress.“ Ilk erklärt: „Es geht nicht, dass jemand mit Straftaten seinem Unmut Luft macht, das verurteile ich genauso wie jeder andere Vernünftige.“ Doch Herr Mehler müsse sich auch fragen lassen, warum sein Auto so lange genau an der engsten Stelle der Hauptstraße geparkt wird, „obwohl ein paar Meter weiter genug Parkplätze sind, wo niemand gestört wird.“

Für Ilk reicht das Problem noch weiter: „Mitte der 1990er Jahre hatten wir eine Ortsumgehung noch abgelehnt. Da hat keiner von uns – ich war ja auch Stadtverordneter – ahnen können, wie dynamisch sich das Industriegebiet entwickelt.“ Angesichts der völlig veränderten Situation lasse die Stadt derzeit ein Verkehrsgutachten erstellen, nicht nur mit Zählungen, auch mit Verkehrsströmen und -richtungen. „Dann haben wir Ende des Jahres eine Grundlage zum Diskutieren, was wir ändern müssen. Dazu gehört auch die Betrachtung, wie realistisch eine Ortsumfahrung ist“, so Ilk.

Zum Streit in der Stadt wegen des Falls Mehler sagt Ilk: „Es ärgert die Leute einfach, wenn er unsere Stadt öffentlich ,Nest’ nennt, obwohl er vor der Kommunalwahl einen Verein gegründet hatte, um selbst Stadtverordneter in diesem ,Nest’ zu werden. Die Baruther wollen akzeptiert, und nicht bevormundet werden.“

Detlef Mehler sieht sich als „Menschen, mit dem man doch reden kann“. Wegen der Straftat ist er mit der Kripo im Kontakt und sagt: „Da muss man Geduld haben, das muss bei allen Beteiligten sacken. Ich bin aber überzeugt, dass irgendwann jemand redet.“

Zur Diskussion über kommunalpolitische Auseinandersetzungen sagt er: „Hier liegt vieles im Argen, worauf wir als Wählerliste für ein lebenswertes Baruth aufmerksam gemacht haben. Das sehen wohl auch andere so. Sonst hätten wir ja keinen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung.“ Die jetzt in Auftrag gegebene Verkehrsstudie habe die Liste seit Jahren gefordert, so Mehler. „Und unsere Petition, einen Lärmaktionsplan aufzustellen, wurde damals abgelehnt. Jetzt muss die Stadt einen machen, aber inzwischen gibt es dafür keine Fördermittel mehr.“

Die Diskussion freue ihn nicht, er halte sie aber aus, sagt Mehler. „Aber der Streit über solche Dinge ist kein Freibrief für Straftaten. Ich kann doch nicht zum Abschuss freigegeben werden, weil ich Wahrheiten ausspreche“.

Von Jutta Abromeit

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