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Restauriertes Refugium im ruralen Raum

Dahmeland-Fläming Restauriertes Refugium im ruralen Raum

Die Künstlerin Emily Pütter wohnt seit dem Jahr 2013 in Oehna. Der Einfluss der Umgebung auf ihre Arbeiten ist unverkennbar. Beim MAZ-Atelierbesuch zeigt sie, woran sie aktuell arbeitet und was das Wesen ihres Schaffens ausmacht.

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Die Künstlerin Emily Pütter in ihrem Sommeratelier in Oehna.

Quelle: Iris Krüger

Oehna. Es ist ein altes Backsteinhaus in rot und grün, mitten im Dorf. Ein zweistöckiges Bauernhaus aus dem Jahr 1906, das schon über ein Jahrhundert auf dem Buckel hat. Völlig unscheinbar, aber schon von außen mit dem Charme des Alten behaftet. Dass sich dahinter das Atelier von Emily Pütter befindet, lässt sich nur erahnen. „Ich habe zuvor 30 Jahre in Spanien gelebt. Das war etwas völlig anderes als hier in Oehna“, erzählt die Künstlerin.

Nach der Rückkehr aus Spanien wohnte und arbeite die Künstlerin zunächst in Berlin. „Dort hatte ich ein Hammeratelier im Kabelwerk Ost, das hatte eine riesige Fläche und lag direkt an der Spree“, schwärmt sie. Allerdings habe sich das Ambiente Berlins im Laufe der vergangenen Jahre stark verändert. „Bald war klar, dass es nicht ewig so weitergehen konnte“, berichtet Emily Pütter.

Von der Hauptstadt in den weiten Fläming

Das Nächstliegende war für sie, aufs Land zu ziehen, in die grüne Umgebung der Hauptstadt. „Ein Freund hatte uns den Tipp gegeben, dass es in Oehna ein passendes Haus gäbe“, erzählt die Künstlerin. Diese Immobilie wurde dann besichtigt und für ausreichend befunden. „2013 bin ich mit meinem Lebensgefährten dann hierher gezogen. Allerdings bin ich die ersten zwei Jahre noch gependelt. Ich habe weiter im Berliner Atelier gearbeitet, und in Oehna wurde renoviert. Inzwischen bin ich hier glücklich, das ist ein völlig neues Lebensgefühl“, sagt sie.

Was genau alles renoviert wurde, lässt sich schwer sagen. Denn der Charme der vergangenen Jahre, der das Haus geprägt hat, sollte beim Umbau erhalten bleiben. „Wir haben die Linoleumfußböden rausgerissen, unter denen zunächst weitere Auslegware und letztendlich wunderschöne Fliesen zum Vorschein kamen“, berichtet die Künstlerin. Diese Patina ist auch in ihrem Winteratelier erhalten geblieben. Dieses besteht aus drei Räumen. Der erste, quasi die gute Stube, ist eine Art Galerie.

Historisches Wohngefühl im Bauernhaus

Der dortige alte Holzboden wurde lediglich abgeschliffen. Die Wände ziert noch die alte DDR-Raufasertapete, an der man genau ablesen kann, wo der Schrank stand und dass um ihn immer herumgestrichen wurde. Inmitten des Raumes steht ein auf antik gemachter Holzofen. Gleich am Eingang findet sich ein alter Sekretär, der erhaben über allem ragt. Gemütliche Sitzgelegenheiten laden den Gast zum Verweilen ein. An den Wänden hängen rund 20 Werke der Künstlerin, die wie in einer Galerie auf den Besucher wirken können.

Das einzig Moderne, das die beschauliche Atmosphäre im Raum gleichsam zerschneidet, ist der große Flachbildschirm auf dem Tisch. „Wenn ich überhaupt schon mal Fernsehen schaue, dann male ich dabei“, erläutert Emily Pütter. „Es ist zunächst nichts Konkretes, einfach nur Gekritzel. Manchmal kommt dabei etwas heraus und ich arbeite später daran weiter“, umschreibt sie ihre Arbeitsmethode.

Jedes Bild besteht aus 40 Schichten Farbe

Der Entstehungsprozess ihrer Werke sei lang, erklärt sie. Jedes Bild bestehe aus rund 40 Schichten, bevor es endgültig fertig ist. „Es muss immer physisch da sein, am besten, man hängt es an die Wand. Wenn man vorbeigeht, sieht man immer wieder etwas Neues, das man ändern kann.“ So sehe man, ob es gut wird oder nicht. „Ein Künstler lebt mit seinem Werk“, fährt sie fort. „Er muss es kennenlernen.“ Allerdings würde es auch eine Weile dauern, bis man es ergründet hätte. Es sei das Ideal eines jeden Malers, das etwas entstünde, das nicht gewollt, aber wahr sei. „Ich bin eher für Komplexität als für Einfachheit. Ein Werk hält dann auch länger, wenn es komplex ist.“

Atelier-Besuch bei Emily Pütter in Oehna

Atelier-Besuch bei Emily Pütter in Oehna

Quelle: Iris Krüger

Die Arbeitsmittel für ihre Arbeit befinden sich in einem Zwischenraum, gleich neben der Galerie. „Das war die ehemalige Küche des Hauses“, sagt sie. Als Möblierung dienen alte, auf der Straße aufgelesene Tische, ein Zeichenschrank und ein Regal. Darin finden sich Papier und Farben, Leinwände, kleine gerahmte Bilder, Fotomaterial, Skizzen und Notizen. Der Zeichenschrank quillt über von fertigen Bildern, die dort zwischengelagert sind.

Ostalgie und Liebe am Restaurieren

Die Wände zieren einige wenige ihrer Werke, ansonsten hängt dort teilweise noch die alte Kacheltapete aus DDR-Zeiten. „Wir wollten hier das ‚Ostige’ erhalten“, erläutert Emily Pütter und fügt hinzu: „Ein Haus muss man mit Liebe restaurieren und auch die Geister integrieren, die es beherbergt.“ Daher hebt sie sämtliche Tapetenreste von den Wänden auf, um sie später in ihren Bildern weiterzuverarbeiten. Dies tut sie im dritten Raum des Winterateliers. An dessen Decke leuchten braun die ostalgischen Styroporpaneele, an den Wänden wieder die gute Raufasertapete. „Die macht sich gut beim Arbeiten“, sagt die Künstlerin, denn ihre Werke heftet sie direkt an die Wand des Ateliers, um frei stehend malen zu können. So kann man den Rand übermalen, ohne dass es stört.

Wenn es warm wird, arbeitet Emily Pütter jedoch am liebsten draußen. Dafür hat sie sich ein Sommeratelier eingerichtet. „Das war der ehemalige Schweinestall“, erklärt sie. Zur Hofseite wurden zwei große Fenster eingebaut. Diese geben den Blick auf die grüne Wiese und die alte, pittoreske Scheune frei. Zum Malen brauche sie das Licht aus Norden, so die Künstlerin. Über die gesamte Wandfläche wurde eine Sperrholzplatte befestigt, auf der sie ihre Bilder malt. Zwei aktuelle Werke hängen daran, eine „Hommage an das Unkraut im Garten“, wie sie scherzhaft sagt. Sie zeigen den Wildwuchs, den die Wiese im Sommer offenbart, mit all ihren kleinen und großen Wundern.

Biografisches

1955 wird Emily Pütter in Freiburg geboren. Sie erhält seit dem zehnten Lebensjahr privaten Kunstunterricht.

Seit 1973 ist sie international künstlerisch tätig. Vor allem in Mexiko, in Spanien, aber natürlich auch in Deutschland.

In Mexiko studierte sie Wandmalerei an der Universidad Autonoma de Mexico.

1978 bis 1982 war sie Meisterschülerin an der Universität San Jordi in Barcelona.

1990 bis 1992 war sie als Dozentin für Malerei an der Hochschule für bildende Kunst in Freiburg tätig, bis 1998 in Madrid als Druckgrafik-Dozentin.

Am Goethe–Institut Madrid gab sie bis 2005 Kurse mit künstlerischem Inhalt und Events.

Nach künstlerischer Tätigkeit in Berlin zog sie 2013 nach Oehna.

Zwei Böcke, auf denen eine Tür gelagert ist, dienen als Arbeitstisch. Darauf unzählige Pinsel, Farben, Papier, Töpfe, Lösungsmittel, Kohle und Asche. „Bei mir wird recycelt, was nur geht“, sagt sie. So bereitet sie sogar Farben aus Naturstoffen, wie zum Beispiel Holunder, selbst zu. „Hier auf dem Land habe ich begonnen, die Natur in die Bilder zu integrieren. Das ist ein Experiment.“ Einige dieser Ergebnisse hängen in der Galerie im Haus.

Von Iris Krüger

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