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Riesige Waldlager der Sowjetsoldaten

Jüterbog Riesige Waldlager der Sowjetsoldaten

Die Ausstellung „Zwischen Krieg und Frieden“ in Jüterbog berichtet anhand von Alltagsgegenständen über die Waldlager sowjetischer Truppen im Jahr 1945. Dem Kurator Thomas Kersting, stellvertretender Landesarchäologe in Brandenburg, wurde erst durch die Schau bewusst, welches Ausmaß diese Sammellager hatten.

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Thomas Kersting, der stellvertretender Landesarchäologe, führte zur Vernissage im Mönchenkloster durch die Geschichtsausstellung.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Mehr als 1,5 Millionen Soldaten lagerten im Frühling und Sommer 1945 in dutzenden Waldlagern in Brandenburg und warteten nach dem Sturm auf Berlin auf ihre Rückführung in die Heimat. Ihre Hinterlassenschaften waren den Menschen vor Ort und den Jägern und Förstern sehr wohl bekannt – doch Historiker waren über die Dimensionen der Waldlager und die archäologischen Funde, die dort gemacht wurden, erstaunt. Die Ausstellung „Zwischen Krieg und Frieden“ gewährt jetzt im Jüterboger Stadtmuseum einen Einblick in den Alltag der einfachen Soldaten nach dem Kriegsende.

Gegenstände aus dem Soldaten-Alltag in den Waldlagern

Gegenstände aus dem Soldaten-Alltag in den Waldlagern.

Quelle: Peter Degener

„Das ist ein Thema, das uns als frühere Garnison sehr intensiv berührt, aber ich selbst kannte diese Dinge zuvor überhaupt nicht“, sagt Jüterbogs Museumsleiter Norbert Jannek. Thomas Kersting, der stellvertretende Landesarchäologe und Kurator der Schau, musste diesem Bekenntnis bei der Vernissage am Donnerstag beipflichten. „Auch uns im Landesamt war bis zum Herbst 2014 das Ausmaß dieser Waldlager unbekannt. Ehrenamtliche archäologische Helfer, die von den ,Russenlagern‘ sprachen, haben uns auf erst darauf aufmerksam gemacht“, berichtet Kersting.

Hunderte Löcher im Wald zeugen von den einstigen Erdhütten

Zum Teil hunderte Löcher im Wald, schnurgerade entlang der Waldwege, bargen die Reste von Erdhütten und allerlei Hinterlassenschaften der sowjetischen Truppen. „Menschen, die das Kriegsende erlebt haben, erzählen immer wieder vom Interesse der sowjetischen Soldaten an Fahrrädern, Uhren oder dem ,Wasser aus der Wand‘ und hier sind Belege für all diese Narrative versammelt.“ Zu den Exponaten in den sieben Vitrinen gehören ein Grammophon-Tonarm und ein Wasserhahn, eine Granathülse, die zu einer Ölleuchte umgearbeitet war oder ein Fass, dass als Ofen verwendet wurde.

Fundstück aus dem Raum Jüterbog

Fundstück aus dem Raum Jüterbog.

Quelle: Peter Degener

Sehr häufig findet man das Stern-Motiv, jedoch nicht auf Orden oder Abzeichen, sondern handgefertigt. „Wir haben Schablonen gefunden, mit denen der Sowjet-Stern über Hakenkreuze geritzt wurde oder aus Metall ausgestanzt worden ist“, erzählt Kersting. So wurden unzählige Koppelschlösser deutscher Uniformen vermutlich zum Zeitvertreib mit dem Symbol der Sieger verziert – ein solches Fundstück aus dem Raum Jüterbog ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Kurator hofft, Ausstellung in Russland zeigen zu können

Über 70 Waldlager sind bekannt. Immer wieder werden durch Hinweise und moderne Vermessungsverfahren neue entdeckt. „Mittlerweile wissen wir, dass sich ein solcher Sammelplatz in Dahme an den Körbaer Teichen befand. Die meisten waren aber im Nordwesten Brandenburgs“, sagt Thomas Kersting. Die Ausstellung ist auf Deutsch und Russisch verfasst. Nicht etwa, weil russische Wissenschaftler mit dem Landesamt für Denkmalpflege kooperiert hätten, sondern weil Kersting hofft, die Ausstellung irgendwann auch einmal in einem russischen Museum zu zeigen. Bis zum 11. Juni wird sie in Jüterbog zu sehen sein. Anschließend kommt sie ins polnische Küstrin an der Oder.

Von Peter Degener

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