Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° Sprühregen

Navigation:
Rock-Oma Jutta rockt den Ring

Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) Rock-Oma Jutta rockt den Ring

Am Freitag starten die beiden Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“. Mit dabei: Die 78 Jahre alte Jutta aus Mahlow. Sie ist von einem großen Handelskonzern zu ihrem ersten Festival eingeladen worden. Dort soll sie jetzt zur neuen Festivalikone aufsteigen.

Blankenfelde-Mahlow 52.3480918 13.4036096
Google Map of 52.3480918,13.4036096
Blankenfelde-Mahlow Mehr Infos
Nächster Artikel
Drei Blindgänger weniger in Baruth

Mit 78 Jahren bei ihrem ersten Festival: Die Mahlowerin Jutta musste das Handzeichen erst üben.

Quelle: Anja Meyer

Blankenfelde-Mahlow. Als es ans Foto geht, fragt Jutta direkt, ob mit oder ohne Handzeichen. Gerne mit – schließlich wird die seit zehn Jahren in Mahlow lebende Berlinerin ja gerade über Internetplattformen wie Youtube und Facebook deutschlandweit als Rock-Oma Jutta bekannt. Sofort spreizt Jutta an beiden Händen ihre kleinen Finger und Zeigefinger ab und setzt sich gekonnt in Szene. Das Posieren mit dem aus der Rock- und Metalszene bekannten Zeichen scheint für sie ganz selbstverständlich.

Vor ein paar Monaten noch habe sie keine Ahnung davon gehabt, erzählt sie. Und was das Zeichen, das in der Szene ironisch auch als „Pommesgabel“ bezeichnet wird, eigentlich wirklich bedeute, wisse sie bis heute nicht. „Am Anfang dachte ich, ich kriege das mit meinen krummen Fingern gar nicht hin“, sagt Jutta und lacht. Nach ein paar Minuten des Übens ging es dann irgendwie doch ganz gut.

Jutta soll Festival-Ikone werden

Jutta, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte – immerhin sei sie ja eh schon bekannt wie ein bunter Hund –  sitzt auf einer Bank am Berliner Bahnhof Südkreuz. Eigentlich war ein Treffen in ihrer modern und gar nicht omahaft eingerichteten Wohnung in Mahlow geplant. Doch irgendetwas kommt bei der 78-Jährigen immer dazwischen. An diesem Morgen musste sie noch schnell ihren Original-Mini, mit dem sie überall hinfährt, in eine Autowerkstatt unweit des Bahnhofs bringen. Gleich trifft sie sich mit syrischen Flüchtlingen, für die sie ehrenamtlich übersetzt und am Tag darauf wird sie auch schon zu ihrem großen Auftritt bei den Rockfestivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ abgeholt.

„Rock am Ring“ 2016

„Rock am Ring“ 2016: Fans vor der Hauptbühne.

Quelle: dpa

Am Freitag beginnen die beiden Festivals, die jährlich zeitgleich stattfinden. Jutta ist von einem großen Handelskonzern zu beiden eingeladen worden. Als Rock-Oma Jutta soll sie in einer Marketingkampagne zur diesjährigen Festivalikone werden. Die ganze Aktion wird im Internet seit Wochen unter dem Hashtag #juttarockt beworben. In kurzen Videos liest sie das Line-Up vor, posiert mit der „Pommesgabel“ und sagt Sätze im Jugendslang wie „Läuft bei Dir“ oder „Peace out“.

Extravagante Frisur hat praktische Gründe

Einmal haben sie zwei Jugendliche auf der Straße darauf angesprochen, dass sie doch im Netz ist. „Ich habe erst gar nicht verstanden, was sie damit meinten“, sagt Jutta. Sie selbst nutze das Internet eher aus praktischen Gründen, um mal etwas nachzuschlagen oder eine Email zu verschicken. Aus Netzwerken wie Facebook, Twitter und Youtube hält sie sich heraus. Die Zeit, die sie damit noch verbringen würde, wäre ihr viel zu schade. „Da setze ich mich lieber in den Park und beobachte Leute“, sagt sie.

Es ist gerade ihre Begeisterung dafür, viel draußen und unterwegs zu sein, die ihr das mit dem Festival jetzt eingebracht hat. Denn obwohl sie sich schon längst zur Ruhe setzen könnte, verkauft sie einmal pro Woche Schmuck auf einem Berliner Markt. „Davon gönne ich mir meinen Luxus wie schöne Klamotten oder Reisen“, sagt sie. Auf dem Markt wird sie oft angesprochen und fotografiert. Wohl wegen ihrer extravaganten Frisur, dem individuellen Kleidungsstil und ihrer offenen Ausstrahlung. Jutta trägt ihre grauen Haare meistens zu Schnecken aufdreht oder zu Zöpfen geflochten. Den unteren Teil färbt sie mit einer Haar-Mascara dunkel.

Von zwei Bodyguards begleitet

Auf ihre Frisur ist sie vor ein paar Jahren aus rein praktischen Gründen gekommen. Seitdem Jutta zwölf Jahre alt ist, geht sie fast jeden Tag schwimmen. „Das ist meine Droge, ich brauche das“, sagt sie. Ab 17 Grad Wassertemperatur im Mahlower See, sonst im Hallenbad. Und da verheddern sich häufig lange Haare von anderen Badegästen zwischen ihren Fingern. Jutta wollte nicht auch noch die eigenen grauen Haare zwischen ihren oder fremden Fingern wissen. Badekappen mag sie nicht, also wickelte sie ihre Haare zu Schnecken. Heute ist ihre Frisur ihr Markenzeichen, mit dem sie auf dem Markt bekannt ist.

Und eines Tages waren dann diese jungen Leute von einer Produktionsfirma da und fragten sie, ob sie mit zum Festival kommen möchte. Dort solle sie hier und da mal ein bisschen moderieren, Geburtstagskinder beglückwünschen, ansonsten einfach präsent sein und das Festival genießen. Immer von zwei Bodyguards begleitet. Jutta probiert alles gerne mal aus, mag es, Neues zu sehen und die Welt so ein Stückchen mehr zu entdecken. Deshalb sagte sie irgendwann: Ja.

Alleine die Welt bereist

„Da wusste ich noch nicht, was da alles mit dazugehört“, sagt sie. Vorbereitungstreffen, Videodrehs in ihrem Zuhause und am Mahlower See. Jetzt ist sie froh, dass es nun losgeht. „Die Leute sind alle sehr nett und kümmern sich gut um mich“, sagt sie. Sie wollten ihr sogar einen Wohnwagen mieten, damit sie sich während des Festivals ab und an zurückziehen kann, wenn es ihr zuviel und zu trubelig wird. „Das ist eine nette Idee, aber ich habe dankend abgelehnt“, so die Mahlowerin.

Jutta hat nach der Scheidung von ihrem Mann und Vater des gemeinsamen Sohnes alleine die Welt bereist. Sie war in Afrika, Indien, Mauritius, Israel, Australien, Kalifornien, China, Jamaika und an vielen anderen Zielen. Immer dort, wohin es sie gerade zog. „Da werde ich auf so einem Festival ja wohl die Möglichkeit finden, mich mal zurückzuziehen“, sagt sie. Nachts schläft sie sowieso im Hotel.

Musikalisch breit interessiert

Musikalisch ist Jutta breit interessiert, Rock ist nicht das einzige Genre, das sie sich gerne anhört. „Ich höre italienische Musiker rauf und runter“, erzählt sie. Gleichzeitig kann sie sich auch mal für Helene Fischer begeistern – in Maßen. Auf einem Musikfestival war sie dennoch noch nie. „Für mich gab es immer genügend andere Möglichkeiten, mir Musik anzuhören“, sagt Jutta. Früher sei sie häufig auf Konzerten gewesen. Hat in Berlin zum Beispiel Frank Sinatra gehört. Beim Festival ist sie gespannt darauf, Größen wie die Toten Hosen oder Rammstein einmal live zu hören. Zur Vorbereitung liest sie gerade viel in Zeitungen über Rockbands.

Hoffentlich wird es auf dem Festival nicht so heiß“, sagt sie. „Lieber wäre mir Regen  – dafür gibt es Gummistiefel.“ Nur so ein extremes Unwetter wie im vergangenen Jahr wäre schlecht. Da hatte es bei „Rock am Ring“ so stark gewittert und geregnet, dass mehrere Menschen verletzt wurden und das Festival irgendwann abgebrochen werden musste.

Jutta fühlt sich nicht wie eine Oma

Damit, dass sie höchstwahrscheinlich die Älteste sein wird, hat sie hingegen kein Problem. „Ich bin zwar eine Oma“, sagt sie, „aber ich fühle mich nicht so – sondern eher wie 40.“ Denn sie mache überall mit und leide unter keinen Wehwehchen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nie geraucht habe, immer viel Sport treibe und mich gesund ernähre“, sagt sie.

Selbst ihr 18 Jahre alter Enkel habe sie noch nie Oma nennen können, das gehe ihm bei so einer Großmutter einfach nicht über die Lippen. Er sagt immer „Granny“ zu ihr. Und ist stolz, dass seine „Granny“ jetzt das Festival rocken wird.

Von Anja Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg