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Rückkehr nach Jüterbog

Ehemaliger Soldat zu Besuch Rückkehr nach Jüterbog

Senya Syomochka empfindet es mittlerweile als Glücksfall, dass er einst seinen Militärdienst in Jüterbog ableisten musste. Nun kehrte der Ukrainer 27 Jahre nach seiner Armeezeit nach Jüterbog zurück. Mit dem Smartphone als Fotoapparat und feuchten Augen suchte er ihm immer noch vertraute Stätten wie das Dammtor auf.

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An dieser Stelle stand Senya Syomochka vor zweieinhalb Jahrzehnten schon einmal.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Dass Touristen mit gezücktem Fotoapparat am Jüterboger Dammtor stehen, ist an sich nichts Besonderes. Wenn sie das mit Tränen in den Augen tun, schon. Senya Syomochka ist schon deshalb kein „normaler“ Tourist. Mit feuchten Augen und dem Smartphone in Aufnahmeposition stand er nun dort, wohin ihn das Schicksal vor 27 Jahren das erste Mal verschlug.

Statt Jeans, blauem Blazer und leichten Halbschuhen trug der damals gerade mal 18-jährige Ukrainer schwere, schwarze Stiefel und eine feldbraune Uniform, auf deren Schulterstücken das „CA“ die Zugehörigkeit zur Sowjetarmee verriet. Zwei Jahre lang diente Syomochka als Sergant einer Raketeneinheit, die irgendwo zwischen Jüterbog und Altes Lager im Wald für den Weltfrieden sorgen sollte. Als Wohnquartier diente ihm und seinen Schicksalsgenossen das Kasernengelände in Jüterbog II.

„Es war ein Glücksfall“

„Dass ich nach Deutschland kam um meinen Wehrdienst abzuleisten war ein Glücksfall“, weiß Senya Syomochka nicht erst seit heute. Dass die Lebensbedingungen der hier einfach nur „Russen“ genannten Vielvölkerarmee in anderen Ostblockländern und erst Recht daheim viel schlechter waren, wussten er und seine Kameraden schon damals. „Und es gab den Afghanistankrieg. Alles war besser, als dorthin zu müssen.“

Ein verordneter Gruppenausgang zum sowjetischen Ehrenfriedhof am Dammtor wurde für Senya Syomochka zum schicksalhaften Ereignis. Denn die Offiziere gestatteten den Soldaten an diesem Tag überraschender Weise auch den Besuch in der Liebfrauenkirche, die gleich neben dem Ehrenfriedhof liegt. „Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich in einer Kirche gestanden. Ich wusste damals zwar nichts von Gott, aber ich habe ihn gespürt.“

Senya Syomochka (l) und damalige Kameraden in Ausgehuniform vor dem Dammtor in Jüterbog

Senya Syomochka (l.) und damalige Kameraden in Ausgehuniform vor dem Dammtor in Jüterbog.

Quelle: Privat

Mehrmals machte sich der junge Soldat danach heimlich auf eigene Faust auf den Weg in die Stadt um mehr von den Menschen, die eine solche Kirche und eine solch schöne Stadt besaßen, in sich aufzusaugen. Dass er dabei auf keine sowjetische Militärpatrouille stieß war ein weiterer Glücksfall. Erst später hat er erfahren, wie schlecht es Abtrünnigen, wenngleich auch nur vorübergehend und aus Neugierde, ergehen konnte. Der Posten am Kasernentor war ein verschwiegener Kamerad.

Schicksalstag in Jüterbog

Der Tag des verordneten Rückzugs seiner Einheit wurde zum zweiten Schicksalstag. „Ich wäre am liebsten geblieben, denn dass uns in der Heimat außer Chaos nicht viel mehr erwartet, wussten wir alle.“ Da er nicht wusste, wie er es anstellen sollte hier zu bleiben, kehrte er in die Ukraine zurück.

Nach seiner Lehre zum Hotelfachmann hat Senya Syomochka viele Länder der Welt besucht. Seine Sehnsucht nach Deutschland und Jüterbog hat er sich nun erfüllt.

Von Uwe Klemens

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