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Teltow-Fläming Ruinen-Besuch und Widerstands-Gedenken
Lokales Teltow-Fläming Ruinen-Besuch und Widerstands-Gedenken
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05:35 21.07.2016
Besucher vor den alten Flugplatzgebäuden.. Quelle: Christian Zielke
Rangsdorf

Es knirscht unter den Schuhen. Je näher man einer der Hallen auf dem Bücker-Gelände in Rangsdorf kommt, umso stärker ist die Konzentration an Glassplittern und Putzbrocken. „Das war letztens noch nicht“, sagt Michael Lenort vom Förderverein des Bücker-Museums und zeigt auf zerstörte Scheiben an der ehemaligen Endmontagehalle des Bücker-Werkes. Sie gilt noch als die am besten erhaltene Halle. In der früheren Einfliegerhalle mit dem markanten Halbrundbau in der Mitte wächst mittlerweile ein Wald, weil das Dach an vielen Stellen eingestürzt ist. Lenort hält den Verfall mit der Kamera fest und fotografiert die Bäume, die jedes Jahr weiter an die maroden Hallen heranwachsen.

Markus Hennen organisiert den jährlichen Konversionssommer Quelle: Christian Zielke

Absperrband und Schilder mit der Aufschrift „Lebensgefahr“ sollen die Neugierigen – rund 30 sind es am Mittwoch gewesen –, die einmal im Jahr am 20. Juli aufs Gelände dürfen, aus der Gefahrenzone fernhalten. Eben an jenem Tag im Jahr 1944 machte sich Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit einer Bombe in der Tasche vom Flugplatz Rangsdorf auf zum Führerhauptquartier. Der Rest ist Geschichte und Geschichte könnten eines Tages auch die Hallen des ehemaligen Reichssportflughafens sein, vom dem aus von 1939 bis 1940 Flieger Richtung Moskau, Stockholm und Budapest starteten.

Es ist ein Rundgang durch Ruinen, eine Dokumentation des Verfalls, den viele Besucher halb kopfschüttelnd, halb fasziniert betrachten. Der Untergrund, auf dem sie wandeln, ist ein Stück deutscher Geschichte. Beate Uhse lernte in Rangsdorf das Fliegen, lange, bevor sie den Deutschen die Sexualität beibrachte. Heinz Rühmann hatte sein Privatflugzeug in Rangsdorf stationiert und war häufig zu Gast im Aeroclub. Carl Clemens Bückers Flugzeuge hatten wegen ihrer Wendigkeit einen Weltruf in der Kunst- und Sportfliegerszene. Nach dem Krieg reparierte die siegreiche Sowjetarmee dort Hubschrauber. Was nützt all diese Historie, wenn kein Geld da ist, um sie zu erhalten.

Hintergrund

Von 1935 bis 1945 stellte das Bücker-Werk in Rangsdorf Flugzeuge wie die berühmten Jungmann und Jungmeister her.

Anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin 1936 wurde der Flugplatz ein Jahr zuvor eröffnet. Seine Lage auf einem Plateau und die Nähe zur Eisenbahn und zur 1936 fertiggestellten Autobahn machten ihn für das Reichsluftfahrtministerium interessant.

Ende 1999 bekam das Land Brandenburg das Gelände vom Bund übertragen. Seitdem ist ein Teil der Fläche entwickelt. Die Feng-Shui-Siedlung entstand als Wohngebiet. Im ehemaligen Aeroclub ist heute die private Seeschule untergebracht. Das Künstlerehepaar Butzer nutzt das frühere Bürogebäude und die Kantine als Wohnhaus und Atelier.

Von den verbliebenen 127 Hektar sind zehn Hektar Denkmalbereich (drei Produktionshallen und die Einfliegerhalle)

Das 90 Hektar große Flugfeld steht auch unter Denkmalschutz

Acht Hektar stehen für den Wohnungsbau zur Verfügung.

Seit dem Abzug der russischen Streitkräfte 1994 rottet das Gelände vor sich hin. Was der Krieg einst verschonte, haben der Zahn der Zeit und der Mensch durch stumpfen Vandalismus übernommen. So mancher in Rangsdorf scherzt schon, dass das denkmalgeschützte Ensemble eines Tages nur noch ein Bodendenkmal sein könnte. Ideen, das Gelände zu beleben, gab es einige. Gegen die Pläne, dort wieder Flugzeuge zu bauen, gingen die Rangsdorfer auf die Barrikaden. Sie hatten nach Jahrzehnten genug vom Fluglärm. Pferde waren auch unerwünscht. Dazu kommen unzählige windige Investoren, die mit tollen Ideen kurz für Aufmerksamkeit sorgten, aber bald wieder verschwunden waren.

Michael Lenort vom Bücker-Verein fotografiert den Verfall. Quelle: Christian Zielke

Seit einigen Monaten gibt es Bewegung. „Ich habe im letzten halben Jahr vier Interessenten über das Gelände geführt“, sagt Bürgermeister Klaus Rocher (FDP). Das Land, dem die 127 Hektar große Fläche gehört, möchte diese gerne verkaufen. In den vergangenen Wochen hat die Gemeinde erste Ideen entwickelt, was sie sich auf dem Gelände vorstellen könnte – und was nicht.

Die ehemalige Endmontagehalle. Quelle: Christian Zielke

Ein bisschen Wohnen ist in Ordnung, kleines Gewerbe auch. Solarzellen möchte man lieber nicht. In der ehemaligen Endmontagehalle könnte sich die Gemeinde vorstellen, eine Sporthalle zu bauen – sie möchte aber nicht die gesamten Kosten für den denkmalgerechten Umbau allein tragen. Überhaupt der Denkmalschutz. „Würde ich als Hausbesitzer so mit meinem Denkmal umgehen, hätte ich schon lange Ärger mit den Behörden bekommen, aber das Land hält sich fein raus“, ärgert sich Michael Lenort. Er kennt das Areal seit Mitte der 1990er-Jahre. „So richtig schlimm ist es erst in den letzten zehn Jahren geworden“, sagt er.

Rangsdorfs Bürgermeister Klaus Rocher (FDP, l.) und Linken-Politiker Hartmut Rex erinnern an Stauffenberg. Quelle: Christian Zielke

Für Markus Hennen, der seit Jahren den Konversionssommer koordiniert, damit die ehemaligen Militärflächen nicht aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwinden, ist das Bücker-Gelände ein klassischer Ladenhüter. „90 Prozent der Flächen sind vermarktet. Was noch übrig ist, bekommt man nur schwer los“, sagt er.

Wären die Hallen nicht geschützt, stünden dort wahrscheinlich schon seit Jahren Wohnhäuser. Bauland in Rangsdorf ist schließlich begehrt. „Man wird irgendeinen Kompromiss finden müssen, um möglichst viel von der alten Substanz zu erhalten und diese mit einer neuen Funktion zu erfüllen“, sagt Hennen. Wie das aussehen könnte? Er zuckt mit der Schulter. Konversion bedeutet Fantasie und Geld.

Von Christian Zielke

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