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Runder Tisch für Kitaplätze sucht Lösungen

Luckenwalde Runder Tisch für Kitaplätze sucht Lösungen

Beim Runden Tisch für Kitaplätze wurden am Dienstagabend im Luckenwalder Kreishaus endlich konkrete Zahlen genannt. Nachdem die Stadtverwaltung mit den Kitas alle Anmeldungen gesichtet und ausgewertet hat, gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt 115 Kinder in Luckenwalde, für die ein Kitaplatz gesucht wird, aber nicht bereitgestellt werden kann. Die Ursachen sind vielfältig.

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Es ging um die Kleinsten. Bettina Stobbe vom Land, Kirsten Gurske und Kornelia Wehlan vom Kreis (v.r.) standen Rede und Antwort.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Früher war alles besser. Da konnte man sich noch aussuchen, in welche Kita man sein Kind schickt. Da ging es nach der inhaltlichen Ausrichtung, erinnerte sich die CDU-Stadtverordnete Nadine Walbrach. „Heute“, so sagte sie am Dienstagabend beim Runden Tisch für Kitaplätze im Kreishaus, „geht es nur noch um das Ob und nicht mehr um das Wie.“

Wartende Kinder, ungeduldige Eltern, bedröppelte Politiker

Doch wie konnte es erst so weit kommen? Das wollten etwa 25 ungeduldige Elternteile von den etwas bedröppelten Politikerinnen und Beamtinnen wissen, die deswegen zum Runden Tisch kamen, zu dem der CDU-Stadtverordnete und betroffene Vater Carsten Nehues eingeladen hatte.

Das Problem hat viele Ursachen

Landrätin Kornelia Wehlan und ihre Sozialdezernentin Kirsten Gurske (beide Linke) versuchten, den großen Zusammenhang zu erläutern: veraltete Bevölkerungsprognosen, Rechtsanspruch für alle Kinder schon ab einem Jahr, wenig Inanspruchnahme des Erziehungsgeldes, kleinere Gruppengrößen, dadurch größerer Raum- und Personalbedarf, Flüchtlinge, um nur einige Stichpunkte zu nennen. Hinzu komme eine zunehmende Anzahl an Rückstellungen bei der Einschulung. Im Kreis Teltow-Fläming seien das allein 135 Kinder, sagte Wehlan, „das entspricht einer Großkita“.

Bevölkerungszuwachs war nicht vorherzusehen

Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) bestätigte diese Ursachen. Kitaplätze seien außerdem nicht so planbar wie Einschulungsplätze, weil es keine Kitapflicht gibt. „Bis 2015 haben wir Einwohner verloren und dann, 2015, nach 25 Jahren Bevölkerungsrückgang, erlebten wir einen Zuwachs von 350 Menschen aus dem Umland, aus Berlin und auch Flüchtlinge. Das vorherzusehen, war ein Ding der Unmöglichkeit.“

Viele Eltern und alle Luckenwalder Kita-Leiterinnen waren zum Runden Tisch gekommen

Viele Eltern und alle Luckenwalder Kita-Leiterinnen waren zum Runden Tisch gekommen.

Quelle: Hartmut F. Reck

Um überhaupt einen Überblick über den derzeitigen tatsächlichen Bedarf an Kitaplätzen in der Stadt zu bekommen, habe sich die Stadtverwaltung mit den Kita-Leiterinnen zusammengesetzt, die Namen der Anmelder genannt („Was wir eigentlich nicht dürfen“, so Herzog), Mehrfachanmeldungen herausgefiltert, die Tagespflegestellen abgefragt und sich auch in Nuthe-Urstromtal erkundigt. Das Ergebnis nach dem Stand 10. Juli 2017: Es fehlen 54 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 61 für Kinder über drei Jahren. Die Summe von 115 ist zufällig dieselbe Anzahl an Kitaplätzen, die mithilfe von mittelfristigen baulichen Lösungen in Luckenwalde geschaffen werden sollen (MAZ berichtete). Hinzu kommt der Neubau der evangelischen Kita, in dem von Herbst nächsten Jahres an 58 zusätzliche Plätze entstehen.

Wehlan: „Das Luckenwalder Programm ist beispielgebend“

Bei allen Vorbehalten gegenüber Containern, die bis Jahresende aufgestellt sein sollen, betonte Landrätin Wehlan, dass auch diese alle gesetzlichen Voraussetzung erfüllen müssen und keine schlechte Lösung seien. Das Luckenwalder Programm nannte sie „beispielgebend“, auch wenn es nicht von einem auf den anderen Tag umgesetzt werden könne. Bei den Baugenehmigungen, für die der Kreis zuständig ist, habe der Kita-Bau Priorität, betonte Wehlan. Die Frage von Carsten Nehues, warum denn dann die Baugenehmigung für die evangelische Kita länger als ein Jahr gedauert habe, blieb unbeantwortet.

Neben den Kitaplätzen fehlen auch Erzieherinnen

Doch neben fehlenden Kitaplätzen gibt es das Problem der fehlenden Erzieher. So berichtete Simone Haase, Leiterin der Kita Burg, dass durch die Verlegung des Hortes in die Poststraße 30 Kitaplätze geschaffen wurden, sie dafür aber keine Erzieherinnen gefunden habe. „Wir haben die besten Bedingungen, aber kein Personal“, so Haase.

Land hat Erzieher-Ausbildung versiebenfacht

Dem möglichen Vorwurf, das Land habe nicht für ausreichend Nachwuchs gesorgt, entkräftete Bettina Stobbe, Referatsleiterin im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport sogleich: „Das Land hat nicht erst kürzlich, sondern kontinuierlich die Ausbildung versiebenfacht.“ In diesem Jahr würden 1450 Erzieherinnen ihre Ausbildung beenden. Diese fänden aber auch in anderen Bereichen Arbeit, die wohl attraktiver seien. Hier seien die Träger gefragt. Es gebe auch Möglichkeiten, Personen mit berufsnaher Ausbildung in kurzer Zeit zu qualifizieren. Der Runde Tisch werde fortgesetzt, kündigte Nehues nach mehr als drei Stunden an.

Von Hartmut F. Reck

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