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Russland-Sanktionen trifft die Region

Auswirkungen der Ukraine-Krise Russland-Sanktionen trifft die Region

Sei es direkt oder indirekt – viele Firmen in der Region Dahmeland-Fläming musste im Zuge der Ukraine-Krise umdenken. Die Handelsbeschränkungen der EU wirken sich etwa auf das Exportgeschäft aus und treiben die Lebenserhaltungskosten vor Ort in die Höhe.

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Thomas Timm von der Schelchen GmbH mit seiner Mitarbeiterin Christiane Reuss am Stanzautomat.

Quelle: Fischer

Königs Wusterhausen. Die europäischen Handelssanktionen gegen Russland haben immer noch Auswirkungen für Firmen der Region.

Darunter ist etwa die in Königs Wusterhausen ansässige Schelchen GmbH, die unter der Marke „Pedag“ Schuhzubehör herstellt. „Wir sind sehr exportorientiert“, sagt Thomas Timm, geschäftsführender Gesellschafter. Gut zwei Drittel der Produkte liefert die Firma an mehr als 50 Unternehmen in der ganzen Welt. Im vergangenen Jahr war Skandinavien das Land, das die meisten Produkte von Pedag importierte, ein Jahr zuvor war es allerdings noch Russland. „Die Sanktionen haben dazu geführt, dass die Lebenshaltungskosten in Russland explodiert sind“, erzählt Timm, der in diesem Jahr bereits drei Mal nach Moskau reiste, um sich mit seinem Kunden zu besprechen. „Unser Exportpartner leidet unter einem starken Wechselkursverfall“, sagt er. Dieser habe Produkte im Inland verteuert. Dort setzt die Schelchen GmbH sowohl maßangefertigte orthopädische Produkte als auch Standardschuhbettungen ab. 2001, als die Schelchen GmbH Geschäftsbeziehungen zu Russland aufnahm, war ein Euro noch 35 Rubel wert. 2014 waren es schon 51 Rubel, mittlerweile sind es 64. „Für Russland bedeutet dies eine enorme volkswirtschaftliche Belastung, für uns einen massiven Umsatzeinbruch.“ Im ersten Quartal dieses Jahres brach der Umsatz im Partnerland Russland laut Timm um 75 Prozent ein.

Auch Valeri Retler, Geschäftsinhaber der Rene Logistik Agentur aus Thyrow, trafen die Sanktionen hart. Das 2002 gegründete Speditionsunternehmen war bis vor kurzem auf Osteuropatransporte spezialisiert. „Im August habe ich dann die Reißlinie gezogen“, sagt der Unternehmer. Seit Beginn des Jahres beliefert der 48-Jährige gar keine Firmen mehr in Russland. „Ich musste mich wohl oder übel umorientieren.“ Die Rene Logistik Agentur kümmert sich um diverse Transporte – wie Lebensmittel, Industriegüter und Baumaterialien. Andere Firmen, die nur auf einen Bereich spezialisiert waren, hatten da weniger Glück. Retler habe zahlreiche Geschäftspartner verloren, die ihren Betrieb einstellen mussten. Was ihn ärgert: „Die Situation wird sich nicht bessern. Selbst wenn die Sanktionen aufgehoben werden, in Russland hat man nicht auf uns gewartet, man hat sich eben Lieferanten aus Fernost gesucht“, sagt Retler. Infolge der Geschäftsverluste konzentriert sich seine Firma mittlerweile vermehrt auf Inlandsfahrten. Doch auch die Nachbarländer suchen neue Absatzmöglichkeiten. „Der Markt ist sehr unruhig“, sagt Retler.

„Betroffene Unternehmen stehen unter anderem bei der Einhaltung der Sanktionsvorschriften vor einer Reihe von praktischen Herausforderungen“, weiß Nils Ohl, Leiter der Pressestelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Nach wie vor legten russische Geschäftspartner zwar großen Wert auf die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen – Probleme verursachen vielmehr die fehlenden Finanzierungs- und Zahlungsmöglichkeiten der russischen Banken, die teilweise ebenfalls auf den Sanktionslisten stehen. „Das Vertrauen, das über Jahre mühsam aufgebaut wurde, ist relativ zerstört“, sagt Jens Ullmann, Fachbereichsleiter International bei der IHK Potsdam, die Firmen aus dem Landkreis Teltow-Fläming berät. „Das hat auch dazu geführt, dass sich die russische Seite massiv in Richtung Asien umorientiert hat.“

Die Brandenburger Firmen erhalten von den Industrie- und Handelskammern Beratung. „Wir planen, dass im September eine russische Delegation aus der Industrieregion Kursk nach Cottbus kommt und in der Region mit Unternehmen spricht“, sagt Nils Ohl. Auch bei der IHK Potsdam wird auf das Thema reagiert – etwa mit speziellen Messen und Beratungstagen.

Die Schelchen GmbH aus Königs Wusterhausen versucht, in der Krise neue Wege zu gehen. „Wir haben uns mit unserem Partner zusammengesetzt und verschiedene Möglichkeiten erörtert“, sagt Timm. So wurde eine neue Neukundenwerbestrategie entwickelt – Ende Juni lagen die Umsatzeinbußen nur noch bei 60 Prozent. Trotz der unschönen Entwicklungen lernt die Firma also auch aus den Schwierigkeiten. „Es herrscht Druck, über Neukundengewinnung nachzudenken und sich für sein Sortiment noch stärker einzusetzen“, erklärt der 56 Jahre alte Firmenchef.

„Wir haben auch andere krisengebeutelte Unternehmen in unserem Portfolio“, sagt Timm. So habe er einen sehr zuverlässigen Kunden in Griechenland, der im Moment nicht zahlen könne – nicht, weil er kein Geld hat, sondern da die Banken in dem Land geschlossen waren. Auf der anderen Seite gebe es aber Länder, die sich sehr gut entwickelten. So habe die Euro-Schwäche gegenüber dem amerikanischen Dollar dazu geführt, dass der Vertriebspartner die Kampagnen im eigenen Land ausweitet. „Wir gehen zum Jahresende mit einem Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent aus“, ist Timm zuversichtlich. Auch Valeri Retler meint: „Ab nächstem Jahr sind wir wahrscheinlich wieder in einer gewinnbringenden Situation.“

Von Anne-Kathrin Fischer

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