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Teltow-Fläming Bei SIK-Holz entstehen Kinderträume
Lokales Teltow-Fläming Bei SIK-Holz entstehen Kinderträume
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00:28 08.03.2015
Thomas Grunwald ist mit der Bohrmaschine dabei, ein Holz-Klettergerüst zu bauen. Die Kinderspielgeräte der Firma SIK werden in die ganze Welt verkauft. Quelle: Julian Stähle
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Langenlipsdorf

Felder, nichts als Felder, so weit das Auge reicht. Wer Jüterbog den Rücken kehrt und mit dem Auto südlich in Richtung Grenze zu Sachsen-Anhalt fährt, der kann sie spüren – diese schier unermessliche Weite der Mark. Am Horizont ragt hier und da eine alte Mühle empor. Brachliegende Äcker. Ansonsten viel Nichts.

Wären da nicht die hölzernen Kühe und Esel, die kurz vor dem Ortseingang Langenlipsdorf am Wegesrand stehen. Wer bei dem Dorf mit 290 Einwohnern an eine verschlafene Gemeinde denkt, der irrt. Von hier aus liefert das Familienunternehmen SIK Holz Kinderspielplätze in die ganze Welt. Auf dem knapp 60.000 Quadratmeter großen Firmengelände herrscht nicht eine Minute lang Ruhe: Ohne Unterlass wird gesägt, gehämmert und geschraubt. Mit Pferden, Schildkröten und anderem Getier beladene Gabelstapler kreuzen die schmale Dorfstraße, die das Areal samt Produk tionshallen und Büros zweiteilt.

Es fing in einer Hinterhofwerkstatt an

45.000 Rundhölzer – das sind mehr als 6400 Kubikmeter Holz – verbaut das Unternehmen im Jahr zu Spielplätzen und Parkanlagen. Dabei hat die Firma im Herzen des Flämings einmal klein angefangen: Die SIK Holzgestaltungs GmbH, die Abkürzung steht für „Spielen – Individuell – Kreativ“, gab es schon zu DDR-Zeiten. Damals montierten Klaus-Peter und Claudia Gust, denen der Betrieb gehört, die Spielgeräte noch selbst – in der familieneigenen Hinterhofwerkstatt. Heute hat das Ehepaar mehr als 220 Angestellte.

Rasanter Aufstieg

Seit 1988 fertigt die SIK Holz in Langenlipsdorf, rund zehn Kilometer südlich von Jüterbog, kindgerechte Spielplätze und Parkausstattungen.

226 Mitarbeiter hat das Familienunternehmen heute. Ein Viertel davon sind Frauen. Derzeit beschäftigt der Betrieb etwa 20 Auszubildende, darunter angehende Tischler, Bildhauer und Bürokaufleute.

Bis zu 14 Millionen Euro Umsatz macht die Firma im Jahr. 2014 profitierte der Spielplatzbauer auch von der Bürgschaftsbank Brandenburg, die für die Kredite von märkischen Existenzgründern und kleineren Unternehmen bürgt.

Pro Woche verlassen Spielgeräte im Wert von 250000 Euro das Firmen gelände in Langenlipsdorf. js

Bis zum Ende der DDR fertigten die Gusts Spielplätze nach Planvorgaben des Landkreises. „Zwei Anlagen im Jahr“, sagt Claudia Gust. Einer ihrer ersten Spielplätze steht heute noch im Freibad in Jüterbog. 1988 machte sich das Ehepaar selbstständig. „Wir wollten raus aus der sozialistischen Planwirtschaft, etwas Eigenes schaffen“, sagt die studierte Maschinenbauerin. Ihr Mann, eigentlich Elektromonteur, war begeisterter Hobbyschnitzer. Anfang der 1990er Jahre studierte er Holzgestaltung in Potsdam, später machte er seinen Meister zum Bildhauer. Sie selbst sei schon immer kreativ gewesen, malt und gestaltet gern. Heute legt das Paar bei seinen Spielplätzen nur noch selten selbst Hand an. Eine Ausnahme ist das weltweite Regenbogenprojekt, das der Chef höchstpersönlich betreut. Unter seiner Anleitung bauen Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern Klettergerüste in der Gestalt eines Regenbogens. Die fünf Meter hohen Holzbögen stehen etwa im südafrikanischen Soweto und auf dem ehemaligen Mauerstreifen in Berlin. Ansonsten teilt sich Klaus-Peter Gust die Geschäftsführung mit seinem Partner Marc Oelker, der sich vorwiegend um die Produktion kümmert. Gust bereist indes den halben Erdball, um die Öko-Spielplätze an den Mann zu bringen. Seine Frau Claudia leitet die Geschäfte in Langenlipsdorf.

Unternehmen hat rasanten Aufstieg hinter sich

Dass sie hauptsächlich im Büro sitzt, bedauert Claudia Gust. Zugleich gibt sie sich pragmatisch: „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt die 54-Jährige mit Blick auf den rasanten Aufstieg des einstigen Zwei-Mann-Betriebs. Schritt für Schritt haben sich die Gusts den Markt erobert. Dabei kam ihnen eines zugute: Die robuste Robinie, deren Holz sich besonders gut für Wippen, Schaukeln, Baumhäuser und Parkbänke eignet, wächst vor allem in Süd- und Ostbrandenburg. Anders als viele Hölzer ist sie widerstandsfähiger und muss nicht imprägniert werden. Nach dem Ende der DDR war Robinie in den alten Bundesländern deshalb sehr gefragt. So kommt es, dass die Spielgeräte der SIK Holz nicht mehr nur im Jüterboger Freibad und am Timmendorfer Strand stehen, sondern auch in der Hamburger Hafencity und im Zoo im dänischen Aalborg. „Wir haben die Marktlücke erkannt und genutzt“, sagt Claudia Gust.

Für ihre Spielanlagen verwenden die Gusts nach wie vor 90 Prozent Robinie und zehn Prozent Eiche. 14 Stunden dauert es vom Entrinden des Stammes bis zur fertigen Wippe. 80 Prozent des Holzes werden verbaut, die Reste als Brennholz weiterverkauft. Nicht nur bei der Produktion setzt man auf Nachhaltigkeit: Die Lasuren, mit denen das Holz auf Kundenwunsch behandelt wird, sind biologisch abbaubar. Jüterboger, die gern in Kindheitserinnerungen schwelgen, können nach 25 Jahren noch das Klettergerüst im Freibad erklimmen. Denn die Spielgeräte aus dem Südwesten der Mark halten nahezu ein Leben lang.

Von Josefine Sack

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