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Teltow-Fläming Protest gegen Schweinestall in Saalow
Lokales Teltow-Fläming Protest gegen Schweinestall in Saalow
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01:06 21.11.2014
Christine Jape leitet die Saalower Schweinemastanlage. Quelle: privat
Saalow

Die Saalower Mast GmbH baut in Saalow einen neuen Stall. Nach der Fertigstellung habe das Unternehmen Platz für 4320 Schweine, doppelt so viele wie bisher, sagt Geschäftsführer Andreas Vogel. Mit der Erweiterung können in der Anlage jährlich rund 12.000 Schweine gemästet werden. „Das ist die untere Grenze, um wirtschaftlich produzieren zu können, erläutert Vogel. In den Augen der Bürgerinitiative „Keine Massentierhaltung und deren Auswirkungen am Mellensee“ sei sie allerdings viel zu groß, sagt Vogel. Andererseits würden Berufskollegen, die 10.000 und mehr Schweine mästen, über einen Betrieb dieser Größenordnung nur lächeln. „Von den einen werde ich belächelt, von den anderen verflucht. Das ist das Spannungsfeld, in dem ich mich bewege“, erklärt der Geschäftsführer.

Bürgerinitiative protestiert gegen den neuen Stall

Marianne Frey ist Mitglied der Bürgerinitiative „Keine Massentierhaltung und deren Auswirkungen am Mellensee“. Sie ist gegen den neuen Stall und führt Geruchsbelästigung und zunehmenden Lkw-Verkehr an. Die Bürgerinitiative hatte sich vor einiger Zeit bereits erfolgreich gegen eine ähnliche Anlage in Klausdorf protestiert.

Was sind aus Sicht der Bürgerinitiative die Hauptkritikpunkte an diesem Bauvorhaben?

Frey: Nehmen Sie sich mal die Zeit für einen Spaziergang auf dem Saalower Mühlenweg, der an der Schweinemastanlage vorbeiführt. Dort sieht und riecht man eine Massentierhaltungsanlage mit allen negativen Auswirkungen und Umweltbelastungen. Als da unter anderem sind Abluftkamine ohne Luftwäscheanlage, alte Güllebehälter, verdreckte Wege und eine baufällige Rampe. Weiter ist bekannt, dass in dem vorhandenen Tierbestand rund 3000 Tonnen Gülle anfallen, dass elf ausgewachsene Tiere in einer Buchte ohne Einstreu, auf Betonspaltenböden mit wenig Platz zum Bewegen gehalten werden.

Was stört Sie noch?

Frey: Dass Antibiotika und Ammoniak durch Abluft und Abwässer in unsere Umgebung getragen werden. Zudem findet auf dem unbefestigten Zufahrtsweg zur Mastanlage ein untragbarer Schwerlastverkehr statt. Mit dem Bauvorhaben der Saalower Mast GmbH werden sich die Belastungen noch verdoppeln. Finden Sie das nicht auch beklagenswert in der Gemeinde Am Mellensee, die auf sanften Tourismus setzen will?

Warum haben Sie beim Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Einsicht in jene Akten beantragt, die sich mit der Genehmigung für den Bau der neuen Schweineställe der Saalower Mast GmbH befassen?

Frey:Durch die Zusammenarbeit mit anderen Bürgerinitiativen sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass zum einen die Ämter, Landesstellen und Behörden – ganz gleich aus welchen Gründen – ihrer Überwachungs- und Prüfpflicht nicht immer ausreichend nachkommen. Zum anderen bestehen Lücken bei den Zuständigkeiten und der Kommunikation, also auch bei der Weitergabe und Abstimmung von Sachverhalten zwischen diesen zuständigen Ämtern und Landesstellen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unsere Rechte als Bürger wahrzunehmen und um Informationen zu bitten.

Wie geht es weiter, wenn Sie Akteneinsicht erhalten haben beziehungsweise falls man Ihnen diese verwehrt?

Frey: Wenn wir Akteneinsicht erhalten, werden wird die Unterlagen prüfen und mit den gewonnenen Erkenntnissen die Durchführung des Vorhabens beobachten. Wir gehen davon aus, dass uns als Bürgerinitiative das demokratische Recht auf Akteneinsicht gewährt wird. Warum denn auch nicht? Es soll doch nichts vertuscht werden, oder?

Baustart hat sich 4 Wochen verzögert

Rund zwei Millionen Euro werden in den Maststall, die Tiere und das Futter investiert, „um zukunftsfähig zu sein“. Der Bau entsteht auf einem Grundstück, wo noch bis Mitte September drei alte, in den 1960er Jahren gebaute Schweinezuchtställe standen. Die wurden abgerissen, um dem 33 Meter langen und 18 Meter breiten Stall Platz zu machen. „Das ist also eine reine Ersatzinvestition“, sagt Andreas Vogel. Wegen der strengen Auflagen der Genehmigungsbehörde habe sich der Baustart um rund vier Wochen verzögert. „Wir mussten mit dem Abriss der Ställe warten, bis die Mehlschwalben aus den alten Ställen abgezogen waren“. Vorige Woche wurden die Plastikrohrleitungen in der Baugrube verlegt, aus denen die Gülle der Schweine direkt in die betriebseigene Biogasanlage geleitet wird. Diese Woche wird das Fundament gegossen. „Wir hoffen auf einen milden Winter. Dann kann der Stall mit seinen 2160 Mastplätzen vielleicht schon im April in Betrieb gehen.“

Mast soll fast ohne Medikamente auskommen

In der neuen Anlage werden die Schweine in 18 Abteilen mit je 120 Plätzen gemästet. „Wobei wir freiwillig dafür sorgen, dass die Schweine mehr Platz, Licht und Luft haben, als der Gesetzgeber vorschreibt“. Beispielweise stünden pro Tier 0,9 Quadratmeter statt der vorgeschriebenen 0,75 Quadratmeter zur Verfügung. Weiter falle deutlich mehr Tageslicht als in die alten Ställe hinein, zudem würden stündlich 110 Kubikmeter Luft pro Tier zugeführt.

Auf der Baustelle präsentiert Geschäftsführer Andreas Vogel die Pläne für den neuen Schweinestall der Saalower Mast GmbH. Quelle: Pechhold

In den Abteilen bleiben die Tiere während der rund 130 Tage dauernden Mast zusammen. Vogel zufolge bewirke die Haltung in Abteilen, „dass die sogenannten Infektionsketten gebrochen werden“. Früher habe man Schweine aller Altersgruppen – vom Ferkel bis zum verkaufsreif gemästeten Schwein – in einem großen Stall gehalten, sei die Ansteckungsgefahr riesengroß gewesen. Das sei bei der Mast in verhältnismäßig kleinen Abteilen nicht der Fall. „So gelingt es uns, bei der Mast fast ohne Medikamente auszukommen“. Wenn alle Tiere verkauft, von Fleischern und Schlachtbetrieben abgeholt worden sind, wird jedes Abteil gesäubert, gereinigt und desinfiziert. Das soll künftig ein Reinigungsroboter erledigen. „Damit verbessern sich auch für Christine Jape, die Leiterin unserer Schweinemastanlage, die Arbeitsbedingungen erheblich“.

Von Frank Pechhold

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