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Sanierte Grabstätte erinnert an die Tuchmacher

Dahme Sanierte Grabstätte erinnert an die Tuchmacher

An ein verschwundenes Handwerk erinnert eine Grabstätte auf dem Dahmer Friedhof, die jüngst saniert wurde. Die Schmidts waren eine Tuchmacher-Dynastie in der Flämingstadt, die mit Herbert Schmidt im 20. Jahrhundert endete. Die Familiengrabstätte soll das Gedenken wach halten – und brachte die weit verstreute Familie zusammen.

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Herbert Schmidt war der letzte Dahmer Tuchmacher. Der Grabstein erinnert an ihn und eine Frau Irma.

Quelle: Andreas Staindl

Dahme. Die Tuchmacherdynastie Schmidt hat Geschichte geschrieben. Mehr als zwölf Generationen lang hat sie in Dahme gewirkt. Eine Grabstätte erinnert an einige der Beteiligten, vor allem an die Tradition der Tuchmacherei. Sie wurde während der vergangenen Wochen saniert und am Totensonntags-Wochenende ihrer Bestimmung übergeben.

Einige Familienmitglieder treffen sich zum ersten Mal

Zahlreiche Familienangehörige waren dazu am Samstagnachmittag auf den Friedhof in Dahme gekommen. Aus Kiel und Jena, Weimar und Wittenberg hatte sich Nachfahren der Tuchmacherfamilie Schmidt auf den Weg in das Flämingstädtchen gemacht. „Ich freue mich über das große Interesse“, sagte Wilhelm K. H. Schmidt, einer der Organisatoren der Veranstaltung. Einige Familienmitglieder lernten sich sogar erstmals auf dem Friedhof kennen.

Gerhard Schmidt (M) ist der Initiator der Sanierung der Grabstätte und ältester noch lebender Nachkomme der Tuchmacherdynastie Schmidt

Gerhard Schmidt (M.) ist der Initiator der Sanierung der Grabstätte und ältester noch lebender Nachkomme der Tuchmacherdynastie Schmidt.

Quelle: Andreas Staindl

Gerhard Schmidt ist der älteste noch lebende Nachfahre der Tuchmacherdynastie Schmidt. Er ist der Initiator des Projekts. Und als ehemaliger Chemielehrer an der Oberschule in Dahme in den 1950er und 1960er Jahren beruflich nah dran am Wirken der Tuchmacher. Gerhard Schmidt machte auf die wirtschaftliche Bedeutung dieses Gewerks aufmerksam. Ihm zufolge war die Tuchmacherei damals wirtschaftsbestimmend in der Region. Mit der Grabstätte soll darauf aufmerksam gemacht werden.

Dass die Grabstätte noch besteht, ist Zufall

Dass es diese überhaupt noch gibt, ist ein Glücksfall für die Familie. Die Nutzungszeit der Familiengrabstätte war schon 1984 abgelaufen, berichtete Gerhard Schmidt. Der Grabstein wurde allerdings nicht abgeräumt. „Das war die Grundlage, damit wir die Gedenkstätte sanieren konnten und der Öffentlichkeit präsentieren können“, erzählte der Initiator.

Allerdings war die Grabstätte in einem schlechten Zustand. Der wuchtige Grabstein war durch die Wurzeln benachbarter Bäume in Schieflage geraten, drohte umzukippen. Der Bauunternehmer Lutz Lehmann aus Dahme hat den Stein repariert, stabilisiert und gesichert sowie die Einfassung der Grabstätte wieder ordentlich hergestellt.

Grabstein des letzten Tuchmachers umgesetzt

Zudem wurde ein weiterer Stein auf die Anlage gesetzt. Er ist Wilhelm Schmidts Mutter Irma und seinem Vater Herbert gewidmet. Herbert Schmidt war der letzte Tuchmacher in Dahme. Mit ihm ist dem Sohn zufolge eine Tradition zu Ende gegangen, die sich mehr als 300 Jahre zurückverfolgen lässt. Die Grabstätte seiner Eltern war ebenfalls schon abgelaufen und wurde jetzt in die Familiengrabstätte der Tuchmacherdynastie umgesetzt.

Familiendynastie

Die Tradition der Tuchmacherfamilie Schmidt in Dahme reicht bis Anfang des 18.Jahrhunderts zurück. Schon Christian Balthasar Schmidt (1705 bis 1773) sei Tuchmacher gewesen. Zum Stammvater wurde aber Johann Friedrich Schmidt (1795 bis 1865). Er hatte neun Kinder und vererbte die Tuchmacherei.

Ein Enkel des Stammvaters, Johann Friedrich III. (1852 bis 1922), und weitere Angehörige fanden in der Grabstätte und heutigen Gedenkstätte ihre letzte Ruhe.

130 Tuchmacher gab es Anfang des 19.Jahrhunderts in Dahme. Hundert Jahre später waren es nur noch 14. In den 1970er Jahren wurde auch die letzte Tuchfabrik in Dahme geschlossen.

Die Gedenkstätte erinnert mindestens für die nächsten 20 Jahre an die Tradition und Tuchmacherdynastie Schmidt. Nachfahren haben die Finanzierung der Restaurierung übernommen.

Gut möglich, dass der Stein eines weiteren Familienmitglieds dazukommt. Der Grabstein befindet sich ganz in der Nähe der Gedenkstätte. „Die Option, ihn ebenfalls umzusetzen, besteht“, sagte Gerhard Schmidt. Er und andere Nachfahren wollen nicht nur die Familientradition bewahren, sondern auch auf die Tradition der Tuchmacher in der Flämingstadt aufmerksam machen.

Grabstätte soll helfen, die Erinnerung an Tuchmacher zu bewahren

Die Grabstätte sei ein Stück Stadtgeschichte, sagt Wilhelm K.H. Schmidt. Die sanierte Grabstätte soll helfen, die Erinnerung zu bewahren. Eine kleine Gedenkplatte macht auf die langjährige Tradition der Tuchherstellung in Dahme aufmerksam. Gerhard Schmidts Söhne Tom und Axel enthüllten die Platte. Sie hatten die Instandsetzung der Grabstätte geleitet, die Gedenkplatte entworfen und anfertigen lassen.

Dahmes Bürgermeister Thomas Willweber (Freie Wähler) bedankte sich im Namen der Stadtverordneten bei den Nachfahren der Tuchmacherfamilie Schmidt dafür, dass sie die Erinnerung an die Tuchmacherei wach halten: „Vielleicht regt das auch andere Gewerke an, Familientraditionen aufleben zu lassen.“

Von Andreas Staindl

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