Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Schankwirtschaft im S-Bahn-Wagen

Sperenberg Schankwirtschaft im S-Bahn-Wagen

Eine abgefahrene Kneipe steht im Garten von Margrit und Klaus-Dieter Sebastian. Das Sperenberger Ehepaar betreibt seit 2009 nebenberuflich eine Schankwirtschaft in einem ausrangierten S-Bahn-Wagen. Vor allem Stammgäste und Skatbrüder schätzen die gemütliche Atmosphäre in dem sonntags und auf Nachfrage geöffneten Raucher-Lokal.

Voriger Artikel
Hortplätze für Erstklässler reichen nicht aus
Nächster Artikel
Verhaltene Reaktionen auf Funktionalreform

Margrit und Klaus-Dieter Sebastian im Führerstand der ausrangierten S-Bahn. Hier wird auf Wunsch Kaffee gekocht, Bockwurst oder Knacker warm gemacht.

Sperenberg. Endstation Sperenberg. Hier betreiben Margrit und Klaus-Dieter Sebastian ihre Gastwirtschaft in einem ausrangierten S-Bahn-Wagen. Stammgäste und Skatbrüder fahren auf das außergewöhnliche Raucher-Lokal ab.

„Der liebe Gott wollte einfach, dass ich das mache“, so Klaus-Dieter Sebastian. Rein zufällig erfuhr seine Frau davon, dass der 18 Meter lange, 3,10 Meter breite und 28 Tonnen schwere Wagen zu haben war. Er soll 70 Jahre auf der S-Bahn-Linie Spindlersfeld-Birkenwerder unterwegs gewesen sein, bevor er außer Dienst gestellt wurde und 1998 nach Dabendorf kam. Auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte „Zur preußischen Eisenbahn” tat der Kurzzug gute Dienste. Als das Lokal schließen musste, stand der Wagen zum Verkauf. „Da habe ich sofort meinen Mann angerufen“, so Margrit Sebastian. Große Überzeugungsarbeit brauchte sie nicht zu leisten. Schließlich wollte Klaus-Dieter Sebastian mal Lokführer werden. „Wir wohnen ja nicht weit von der Bahnlinie weg. Da war ich als Junge oft beim Schrankenwärter, durfte ab und zu auf der Lok mitfahren“.

Beliebter Treff für Stammgäste und Skatbrüder

Als mit den Behörden alles geregelt war, wurde der Wagen auf einem Tieflader nach Sperenberg gebracht und am Kranhaken im Garten auf eine Betonplatte gesetzt. Das war 2006. Drei Jahre wurde in der S-Bahn nur ganz in Familie und im Freundeskreis gefeiert. Dann kamen Sebastians auf die Idee, etwas von dem Geld, dass sie in die S-Bahn gesteckt hatten, wieder rein zu holen. Anfangs mit einem Getränkehandel, dann mit einer Schankwirtschaft im Nebenerwerb. Werktags arbeitet Margrit Sebastian als Krankenpflegerin im Drei-Schicht-Betrieb im Nächst Neuendorfer Procurand-Seniorenwohnpark. Klaus-Dieter Sebastian hat als Kranfahrer bei der Mittenwalder Firma GAAC sein Auskommen. Darum bewirtschaftet das Paar die S-Bahn regulär nur sonntags, auf Nachfrage auch für private Familienfeiern und montags für Skatspieler.

„Hier kann man gemütlich Skat spielen“, so Nicky Schulze diesen Montag. Sein Nachbar Maxe Albrecht mag die angenehme Atmosphäre. Weil das Bier billiger als woanders sei, spiele er hier Skat, sagt Manfred Kitzing. Da könne er wenigstens noch was von seiner Rente sparen, so Kitzing augenzwinkernd. Für Klaus Thinius ist die S-Bahn-Kneipe „ein Stück Nostalgie aus DDR-Zeiten“. Deswegen komme er gerne wieder. „Dann trinke ich meine zwei Bier und Feierabendschnäpse, setze mich aufs Rad und fahre nach Hause“.

Baugenehmigung für Sitzgelegenheiten im Garten beantragt

„Bis vor kurzem gab es nie irgendwelche Probleme“, so Klaus-Dieter Sebastian. Eines Tage wurde er von der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises darauf hingewiesen, dass er einen Bauantrag stellen müsse, um Gäste auch im Garten bewirten zu können. Knackpunkt sind zwei Sitzgelegenheiten mit je acht Plätzen. Der Bauausschuss der Gemeinde Am Mellensee und der Sperenberger Ortsbeirat befürworteten den Bauantrag. „Da gibt’s gar keine Frage“, so Ortsbeiratsmitglied Thomas Kosicki (UWG).

Von Frank Pechhold

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg