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Schauspielerporträts in Wünsdorf

Michael Weidt zeigt Fotos in der Neuen Galerie Schauspielerporträts in Wünsdorf

Er hatte sie alle vor der Kamera: Corinna Harfouch, Henry Hübchen, Jenny Gröllmann, Ulrich Mühe. Der in Rangsdorf aufgewachsene Fotograf Michael Weidt zeigt zahlreiche seiner einfühlsamen Porträts und außerdem Stadtansichten derzeit in der Neuen Galerie in Wünsdorf.

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Michael Weidt und Jenny Gröllmann, die hier einmal nachdenklich zu sehen ist und hinter seiner Schulter keck hervorlugt, waren seit Kindheitstagen befreundet.

Quelle: Karen Grunow

Wünsdorf. Zugegeben, die Frage ist vielleicht ein bisschen hinterlistig: Bei welchem der Bilder war es ihm absolut wichtig, dass dieses auf jeden Fall in seiner Ausstellung in der Neuen Galerie in Wünsdorf gezeigt würde? Der Fotograf Michael Weidt überlegt kurz und geht in einen der hinteren Galerieräume: „Henry da, Micha ooch, Uli Mühe...“, zeigt er auf seine Schwarzweiß-Porträts von den Schauspielern Henry Hübchen, Michael Gwisdek und Ulrich Mühe. Dann geht er weiter, deutet auf dieses Bild und jenes, steht vor Aufnahmen aus Havanna, wo er 2010 längere Zeit verbrachte, die Stadt, die Menschen ausgiebig erkunden und betrachten konnte, und mit seinen Bildern die Situation Kubas zwischen Hoffnungswillen und Resignation der Menschen dort und touristischem Nostalgie-Sehnen auf erzählerische Art dokumentiert hat.

„Erzähl mir, Augenblick“ heißt denn auch diese Ausstellung, und treffender könnte der Titel kaum sein: Ob fast ein Schnappschuss oder konzentriertes Porträt, jedes Bild bleibt zwar die Dokumentation nur eines Moments und kann doch viel mehr berichten, lässt Stimmungen mitschwingen. Sei es das Bild der jungen Jenny Gröllmann im Feld stehend, Blick zur Seite, die Haare wild verweht vor dem Gesicht. Corinna Harfouch lachend während einer Drehpause, mit Locken und barfuß, den Staub eines Sandpfades am Hacken. Wieder Gröllmann, in der Garderobe des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schon geschminkt für den Auftritt, kleine Gesten nur verraten Anspannung. Seit ihrer Kindheit kannten die beiden sich, Michael Weidts Familie lebte zeitweilig wie die Gröllmanns in Schwerin, seine Mutter, die Malerin und Illustratorin Ursula Wendorff-Weidt, war mit seinem Stiefvater, dem Choreographen Jean Weidt, dorthin gezogen, er arbeitete am Theater.

Ein Fluchtversuch von Rangsdorf nach Westberlin scheiterte

1958 zog die Familie nach Rangsdorf. Am Karfreitag 1964, gerade 18-jährig, brach er mit einer Leiter auf, um nach West-Berlin zu fliehen. Aus seinen Erinnerungen daran entstand ein kurzer Dokumentarfilm – „Ich wollte nur meine Großmutter besuchen“ –, dieser ist nun ebenfalls in Wünsdorf zu sehen. Details aus dem persönlichen Leben Michael Weidts gibt es einige in der Ausstellung, denn vielen der von ihm Porträtierten war und ist er verbunden bis heute. Nach seiner abenteuerlichen, gescheiterten Fluchtaktion zu seiner Großmutter, die ihn die ersten Jahre seines Lebens aufgezogen hatte, wurde er für einige Monate inhaftiert. Danach bemühte sich seine Mutter, dass er bei Arno Fischer als Gaststudent an der Kunsthochschule Weißensee lernen durfte. Ab 1968 arbeitete Michael Weidt als freischaffender Fotograf, veröffentlichte erfolgreich in den großen Magazinen in der DDR. Nach der Wende folgten Fotoserien mit Schauspielern, er begleitete Filmdreharbeiten mit seiner Kamera, machte Musiker-Porträts.

Bereits 1992 zeigte Weidt erstmals einige Fotos in der Region, in der Kleinen Galerie Zossen. Im vergangenen Jahr nun besuchte Margitta Wünsche vom Amt für Bildung und Kultur des Landkreises Teltow-Fläming eine Berliner Ausstellung Weidts mit seinen Schauspielerporträts und den atmosphärischen Stadtansichten und überredete ihn, mal wieder in die alte Heimat zu kommen. Für ihn auch Gelegenheit, sich intensiver mit dem eigenen, riesigen Archiv zu beschäftigen. „Jetzt muss ich mal ein Buch machen“, denkt er laut und erzählt, wie sehr er es liebt, eben nicht digital wie jeder, sondern weiterhin analog zu fotografieren. „Digital, das ist doch unsinnlich, das andere hat ein Geheimnis“, sagt er über den langen Prozess bis er das abgezogene Bild in der Hand halten kann.

Alle Fotos haben eine Bedeutung für den Fotografen

Am Ende des gemeinsamen Rundgangs durch die Ausstellung ist klar: Alle ausgewählten Fotos haben eine konkrete Bedeutung für ihn, es hängen Erinnerungen daran. An die Menschen wie bei jenem Bild gleich vorn im Eingangsbereich mit Sibylle Bergemann und Arno Fischer, die beiden Fotografen-Legenden, und ihrer Dogge Rosa. An Orte wie bei den noch zu DDR-Zeiten auf einer halb heimlich realisierten Paris-Reise entstandenen Bildern.

Info: Die Ausstellung „Erzähl mir, Augenblick“ mit Fotos von Michael Weidt ist bis zum 17. April in der Neuen Galerie in Wünsdorf zu sehen. Geöffnet ist dort donnerstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Von Karen Grunow

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