Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Scherer machen Schafe nackig

15. Deutsche Schurmeisterschaft Scherer machen Schafe nackig

Drei Tage lang kämpften Schafscherer aus ganz Deutschland in Werder bei Jüterbog (Teltow-Fläming) in mehreren Disziplinen und Leistungsklassen um den Titel und die Fahrkarte zur Weltmeisterschaft, die in zwei Jahren in Neuseeland stattfindet. In der Königsklasse der Deutschen Meisterschaft setzte sich der Titelverteidiger erneut durch.

Voriger Artikel
Im Kampf gegen die Bürokratie
Nächster Artikel
Übungen an Schläuchen und am Telefon

Es geht um das Ticket zur Weltmeisterschaft im Schafe scheren.

Quelle: Gertraud Behrendt

Werder. In Windeseile ist ein Schaf seine Wolle los. Es wird von der Bühne durch eine Klappe nach unten befördert. Die Klappe darüber wird geöffnet, das nächste Tier ist dran. So ging es bei der 15. Deutschen Schafschurmeisterschaft mit internationaler Beteiligung drei Tage lang im Erlebnishof Werder zu.

Vier Scherer hatten Platz auf der Bühne. Dazwischen standen die Preisrichter. Vor den Augen des Publikums ging es um die Zeit beim Scheren und beim Sortieren der Wolle.

Hinter der Bühne war die Arbeit der Helfer noch schweißtreibender. Sie mussten mehrere Stunden lang die geschorenen Schafe festhalten und umdrehen, damit die Preisrichter sehen konnten, ob die Tiere unverletzt und wirklich komplett geschoren waren. War das nicht der Fall, wurden Punkte abgezogen. Zwei Tierärzte kümmerten sich um die Schafe.

„Wir passen sehr auf, dass die Tiere nicht geschädigt werden“, sagte Richard Stock aus Würzburg, einer der 15 Preisrichter, der selbst viele Jahre lang Schafe geschoren hat und jetzt mit Wolle handelt. Deshalb konnte er gut erklären, wofür sich welche Wolle eignet. Selbst an einem Tier gibt es Unterschiede. Beim Woolhandling, dem Sortieren, ist Bauch-, Schwanz-, Bein- und Kopfwolle in verschiedene Eimer zu sortieren. Auch deren Inhalt überprüften die Richter.

78b6db0e-3e85-11e5-9a4f-9157a7a445be

Drei Tage lang kämpften Schafscherer aus ganz Deutschland am Wochenende in Werder bei Jüterbog um die Titel in den einzelnen Disziplinen und die Fahrkarten zur Weltmeisterschaft 2017 in Neuseeland.

Zur Bildergalerie

Bei den Scherwettbewerben fegten die Helfer die Wolle sofort von der Bühne. Sie geht an Händler. „Vermutlich nach Fernost, wohin genau, das erfährt man nicht“, sagte Schäfer Jürgen Körner. Er hat seine Tiere der Rasse Bentheimer zur Verfügung gestellt und so dafür gesorgt, dass die Wahl auf Werder gefallen ist. Seine Tiere mussten ihren Pelz in der größten Hitze behalten, damit sie ihn im Wettbewerb loswerden konnten. 1200 Tiere wurden benötigt, die je nach Bedarf von Jüterbog nach Werder gefahren wurden. Vorher mussten sie in den Stall, falls es geregnet hätte. „Danach kamen sie gleich auf beschattete Wiesen, damit sie keinen Sonnenbrand kriegen“, sagte der Schäfer und fügte hinzu: „Solch ein Wettbewerb wird kaum wieder in der Region ausgetragen werden, denn der Aufwand ist enorm.“

Sieger

Emanuel Gulde heißt der Deutsche Meister im Schafscheren der Profiklasse. Der 34-jährige Baden-Württemberger verteidigte den Titel zum dritten Mal. Zweiter wurde sein stärkster Konkurrent Rainer Blümelhuber, 52 Jahre alt, aus Bayern.

Im Blade (Disziplin mit der Handschere) siegte Jan René Juppe aus Baden-Württemberg vor dem Schäfermeister Michael Gertenbach, der 50-jährige stammt auch Niedersachsen.

Beim Woolhandling hatte Stefanie Kauschus aus Sachsen-Anhalt die Nase vorn. Die Landwirtin startete auch in der Profi-Schurklasse und ist 36 Jahre alt. Jan René Juppe belegte den zweiten Platz.

Diese fünf Genannten haben sich mit ihrer Platzierung für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2017 in Neuseeland qualifiziert.

In der Juniorklasse siegte der 39-jährige Daniel Dörr aus Baden-Württemberg vor seinem Landsmann Nico Wohlfarth, der erst 17 Jahre alt ist und zu den jüngsten Teilnehmern zählt.

Jan René Juppe (33) aus Baden-Württemberg siegte vor Dirk Hartmann aus Niedersachsen in der Disziplin Intermedien. Die Sieger dürfen künftig nicht mehr in ihrer Klasse starten, sie müssen in die nächsthöhere.

Auch für die Scherer, die aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich, der Schweiz, Nordirland, Irland, Norwegen und Schottland kamen. Unter den 73 Wettbewerbsteilnehmern waren sechs Frauen, drei von ihnen aus Deutschland. Sie können die Plätze nicht unter sich ausmachen. „Wir treten mit den Männern an“, sagte Anke Mückenheim. Die Schäferin war im Frühjahr zur Vorbereitung in Werder. Jetzt kam sie mit ihren beiden Kindern und startete in der mittleren Klasse. Das heißt, dass sie pro Arbeitstag 100 bis 150 Schafe schert. 200 Tiere zählt ihre Schäferei.

Wer in der Profiklasse antritt, der muss im Alltag in acht Stunden mehr als 150 Tiere scheren, in der Anfängerklasse sind es nur maximal 50. Deshalb waren in der Anfängerklasse nicht nur junge Starter zu sehen. Nico Wohlfahrth aus Baden-Württemberg gehörte mit 17 Jahren zu den Jüngsten. Das Starterfeld aus seinem Bundesland war am größten. Auch der amtierende Deutsche Meister in der Profiklasse, Emanuel Gulde, ist dort zu Hause und wollte seinen Titel zum dritten Mal verteidigen. In seiner Klasse hatte ihn zuvor Rainer Blümelhuber aus Bayern schon fünfmal. Gulde hatte zum Anfeuern eine Fangemeinde dabei. Er siegte erneut.

Die Händler vor der Halle hatten wenig zu tun. Wer kauft schon Fellmützen bei 36 Grad. Die Pferdedusche am Reitstall war begehrter.

Von Gertraud Behrendt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg