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Schicksale ostpreußischer Kinder

Lesung von Freya Klier im „Haus“ Altes Lager Schicksale ostpreußischer Kinder

Die Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Freya Klier stellte im Kulturzentrum „Das Haus“ in Altes Lager ihr Buch „Wir letzten Kinder Ostpreußens vor“. Sie hat die „Zeugen einer vergessenen Generation“ befragt und deren persönliche Schicksale mit zeitgeschichtlichen Hintergründen ergänzt. Nach der Lesung sprach sie mit ihren Zuhörern.

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Freya Klier (l.) in Altes Lager beim Signieren eines Buches für Gudrun Loof.

Quelle: Martina Burghardt

Altes Lager. Der sonnige Nachmittag ist fast zu schön, um bei Erdbeertorte mit Schlagsahne schwermütigen Gedanken zu folgen. Dennoch konnten die Besucher nach fast zweistündigen Lesung Mittwoch Nachmittag im „Haus“ Altes Lager nicht auseinandergehen, ohne noch ein paar Worte zu wechseln über ganz persönliche Geschichte, die nur allzu oft von den eigenen Angehörigen nicht aufgearbeitet wurde.

Freya Klier erzählt 70 Jahre nach Kriegsende das Schicksal von Kindern, die mit ihren Familien in Ostpreußen auf die Befreiung durch die Rote Armee hofften, plötzlich heimatlos waren und Grausames erleben mussten: Misshandlung, Vergewaltigung, Mord, Hunger, den Verlust von Angehörigen auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Für ihre Lesung hat sich die Autorin zwei Beispiele herausgesucht: Doris Meyer aus Königsberg, die mit ihrer Mutter zunächst im thüringischen Arnstadt angesiedelt wurde, und den jüdischen Musiker Michael Wiek, der in Brandenburg landete.

Die eigenen Schilderungen ihrer Protagonisten ergänzt Freya Klier in ihrem Buch mit zeitgeschichtlichen Betrachtungen. Bei aller Empathie für ihre Interviewpartner vergisst sie nicht, die andere Seite zu betrachten: Gräueltaten der Russen war die unfassbare Gewalt der deutschen Invasoren vorausgegangen. Aber sie sagt auch: „Keine Grausamkeit lässt sich durch eine andere rechtfertigen.“

Ihre Aufrichtigkeit bei der Aufbereitung dieses Stücks Nachkriegsgeschichte tut wohl und rührt an, und zwar nicht nur jene, die mit eigenen Familiengeschichten aus Ostpreußen etwas zum Thema beitragen können. Im Gespräch nach der von der Konrad-Adenauer-Stiftung präsentierten Lesung wurden auch allgemeine Fragen gestellt, wie die nach dem Recht auf Heimat, das in einer wenig friedvollen Welt bis in die Gegenwart vielen Menschen nicht gewährt wird. „Es wird sich so lange wiederholen, wie es nicht bearbeitet ist“, davon ist Freya Klier überzeugt.

Die Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung lobt die gegenwärtige Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges. „Wir können auf dem Weg der Versöhnung weitergehen, wenn alles auf den Tisch kommt“, sagte sie. Ihre Erfahrungen haben sie außerdem etwas gelehrt, über das man ebenfalls abendfüllend diskutieren könnte. „Wenn ich auf die Menschheitsgeschichte schaue“, so Freya Klier, „müssen mehr Frauen ran.“

Von Martina Burghardt

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