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Schleudertrauma vom Schunkeln

Karneval in Ludwigsfelde Schleudertrauma vom Schunkeln

Der KC Blau Weiss ’68 Ludwigsfelde verwandelte am Sonnabend das Ludwigsfelder Klubhaus in ein Disney-Wunderland: Mickey Mouse, Zauberer, jede Menge Sterne und Sternchen trieben sich dort herum, genau wie verrückte Tiere, Piraten und ein arabischer Ölscheich. Doch vor einigen Jahren war das Interesse am Karneval war schon einmal größer.

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Galant: Prinz Steffen I. küsst seiner Kim I. die Hand.

Ludwigsfelde. Der Fasching des KC Blau Weiss ’68 Ludwigsfelde stand am Sonnabend im Klubhaus ganz im Zeichen von Disney. Heiner Reiß, Präsident des Karnevalclubs, begrüßte die Narren als Schlossherr und mächtiger Zauberer. Er versprach ein Schleudertrauma vom Schunkeln.

Die Bühne war eine Art Wunderschloss, in dem sich allerlei kuriose Gestalten tummelten. Sternchen und Sterne schwangen die Beine, das Männerballett bewegte sich im putzig-tapsigen Pinguinschritt. Wobei der weibliche Pinguin Volker Schnicke ein blinkendes Leuchtei in seiner Hose beherbergte, was vor dem Auftritt im Foyer für heiter-anzügliche Bemerkungen sorgte. Seit Jahrzehnten wieder einmal zum Fasching kam Robert Löser. Er war in das Kostüm des verrückten Hutmachers geschlüpft, angelehnt an die Verfilmung von Alice im Wunderland mit Johnny Depp. Löser genoss den Sternchentanz seiner Tochter Fenja Simmrohs, bedauerte aber, dass offenbar nicht viele Ludwigsfelder Lust auf Fasching verspürten. Im großen Saal des Klubhauses blieben hintere Tische unbesetzt. „Leider ist nicht so viel los“, sagte auch Steffen Sievers. Der Ludwigsfelder, der als Pirat verkleidet war, erinnerte an Zeiten, da es beim Fasching im altehrwürdigen Haus noch hoch herging. „Geblieben ist ein bisschen Ablenkung vom Alltag“, meinte etwa Mike Todt aus Glienick und stemmte ein Bier. Seine Kostümierung war eigentlich keine, sondern ein Original, das er von einer Reise nach Kuwait mitgebracht hat: Er trug die Dishdasha, ein bodenlanges Hemd aus feiner weißer Baumwolle, auf dem Kopf die Khitra, das karierte Tuch, gehalten durch den Agal, einen schwarzen Strick, der ursprünglich ein Seil für Kamele war. So solle er hierzulande besser nicht auf die Straße gehen, meinte wohlwollend Pirat Sievers. Aber der hatte es ja eh nur auf die Ölquellen des Scheichs abgesehen.

Derweil traf das Prinzenpaar André I. und Prinzessin Manuela III. aus Erkner ein. Sie gesellten sich zu Steffen I. und Kim I. Die Ludwigsfelder sind auch im wirklichen Leben ein Paar. Dass sie zu königlichen Hoheiten wurden, haben sie der Ludwigsfelder Feuerwehr zu verdanken. Denn die Kameraden haben dem jungen Paar den Prinzenstatus zur Hochzeit geschenkt. Das sei wahrlich eine Geschenkidee der besonderen Art, murmelte ein vorbeieilender Saufzwerg, während Schneewittchen sich auf der Bühne schon mit sechs Zwergen vergnügte. „Kobolde, tief unter der Erde, suchen und finden Schätze, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass es sie gibt“, verkündete Präsident Reiß. Und das Publikum jubelte: Ludwigsfelde, je t’aime!“ Nicht wiederzuerkennen waren die Komödianten vom Amateurtheater Amalu. Herbert Thoma kam nicht als Polizist, denn das ist er ja von Beruf, nein, er war - gemäß des Mottos des Abends - zu einer Mickey Mouse geworden mit einer schönen Ehefrau an seiner Seite, wie im wirklichen Leben auch. Zu allem lächelte Patrick Teichmann als böser, zähnefletschender Clown. „Mich haben Freunde hierher geschleppt“, murmelte der Ludwigsfelder Tischler.

Von Gudrun Ott

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