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Schnittiger Sperrholz-Flieger

Ein Rangsdorfer hat ein Ultraleichtflugzeug selbst gebaut Schnittiger Sperrholz-Flieger

Nach 40 Berufsjahren in der Flugsicherung hatte Wolfgang Zirwer immer noch nicht genug vom Fliegen. Im Ruhestand hat er gemeinsam mit zwei anderen Luftfahrt-Enthusiasten ein Ultraleichtflugzeig gebaut. Billig ist das nicht gerade und einfach natürlich auch nicht. Doch bald steht schon der Jungfernflug an.

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Wolfgang Zirwer ist auch im Ruhestand noch ein Luftfahrt-Enthusiast.

Quelle: Gudrun Schneck

Rangsdorf. Fast jeder kennt den historischen Film von den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten. Vielleicht hört Wolfgang Zirwer den Vergleich nicht so gern – aber er hat jahrelang an einer fliegenden Kiste gebastelt und wird wohl bald als Co-Pilot darin sitzen. Der Rangsdorfer und zwei weitere Luftfahrt-Enthusiasten bauten ein Ultraleichtflugzeug, das in der vergangenen Woche die Abnahme für die Zulassung vom Deutschen Aero Club erhielt.

Dieses Ultraleichtflugzeug gilt streng genommen gar nicht als Flugzeug, sondern als Sportgerät. Die „Asso V“ ist ein Zweisitzer, der 1994/95 von dem italienischen Flugzeugkonstrukteur Giuseppe Vidor entworfen wurde und für den Amateurbau freigegeben ist.
Der Gedanke, an einem solchen Flieger mitzubauen, kam im Jahre 2007 gleichzeitig sechs Männern, die einander nicht kannten. Alle hatten gelesen, dass in Berlin Jugendliche eine „Asso V“ bauen wollen. Alle meldeten Interesse an, dabei mitzuhelfen. Alle hatten das Berufsleben schon hinter sich. „Ich war fast 40 Jahre bei der Flugsicherung. Als ich mit 60 dann in den Vorruhestand ging, brauchte ich eine sinnvolle Aufgabe“, erinnert sich der Diplomingenieur, der früher für die Funktechnik zuständig war.
Die Sechs legten zunächst zusammen mit den Jugendlichen los, später dann als eigenständige Rentner-Truppe. Drei davon sind heute noch dabei: Dieter Sohr, Ex-Flugkapitän und aktiver Fluglehrer, Walter Solger, Ingenieur und Vater eines Piloten, sowie Wolfgang Zirwer.

Seine Frau war wohl wenig begeistert, ließ ihn aber machen. Das Hobby ist nicht gerade billig. Der reine Materialeinsatz kostet rund 40 000 Euro. Es darf auch nicht jeder so einfach losbauen. Dazu ist eine Art Lizenz notwendig. Man muss nachweisen, dass man die Baupläne gekauft hat, muss eine Rohbauabnahme durch einen Prüfer machen lassen und dann eine Kennung für das Fluggerät beantragen. Mit den Jahren wechselte der Bauplatz. Am Anfang war es Johannisthal, dann Schöneweide, danach Schönhagen und nun Eggersdorf, wo es mal einen Militärflugplatz gab. Zweimal pro Woche trafen und treffen sich die Gesinnungsfreunde, um ihr „Baby“ flugtüchtig zu machen. „Wie oft haben wir überlegt – wie soll das bloß gehen? Auf den Bauplänen fehlten Maße. Wir haben probiert und probiert und mussten manches Teil zweimal fertigen. Aber es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, rekapituliert Wolfgang Zirwer.

Es gab keinen fertigen Bausatz, bloß Materialangaben. Der Rumpf der „Asso V“ wurde in klassischer Holzbauweise gefertigt. Nur einige Verbindungsteile sind aus Stahl oder Aluminiumrohr. Die Tragflächenstruktur besteht ebenfalls aus Holz. Die Flügelvorderkanten sind mit Birkensperrholz beplankt, ebenso der Einstiegsbereich zum Cockpit. Die Kanzel besteht aus Kunststoff, der Propeller aus Glasfiber. Die Räder mit Hydraulikbremsen stammen aus Frankreich. Bespannt sind Rumpf und Flügel mit einer Art Folie, die mittels Bügeleisen und Heißlüfter fixiert werden musste. Wie ärgerlich, als durch Unachtsamkeit ein kleines Loch in dem Polyestergewebe war! Es musste geflickt werden. Als dann ein Prüfer Luftlöcher in der Folie forderte (damit die Luft besser zirkulieren kann und das Holz nicht modert), kostete es die Drei ziemliche Überwindung, die schöne glatte Außenhaut mutwillig zu verletzen. Ins Schwitzen kamen sie auch, als sich beim Ausprobieren von Landeklappen, Quer-, Höhen- und Seitenruder ein scheuerndes Geräusch bemerkbar machte. Zum Glück konnte die Reibung zwischen Gestänge und Schaumstoffpolster beseitigt werden, ohne das halbe Flugzeug auseinandernehmen zu müssen.

Die ersten Rollversuche sind unternommen. Der gebraucht gekaufte Motor, der Super-Benzin und kein Kerosin schluckt, läuft wie eine Nähmaschine. Der Tiefdecker (die Flügel liegen im Gegensatz zum Hochdecker unterhalb der Kanzel) besitzt eine Spannweite von 8,60 Meter, die Länge beträgt 6,10 Meter, die Spitzengeschwindigkeit 240 Kilometer pro Stunde. Den Vogel darf nur der ehemalige Pilot und Fluglehrer steuern. Wolfgang Zirwer hat auch nicht den Ehrgeiz, selbst eine Fluglizenz zu erwerben: „Der Reiz bestand für mich im Bauen. Und natürlich will ich auch mal mitfliegen“, berichtet er. Über Rangsdorf könnte er dann die Flügel wackeln lassen, als Gruß an seine Frau.

Seine Gefährten und er kennen jede Schraube, jedes Messgerät, jedes Teil. „Wir haben uns immer gesagt – das ist kein Auto, mit dem man notfalls rechts ranfahren kann“, so der 65-Jährige. Für den Ernstfall hat die „Asso V“ in ihrem „Bauch“ aber einen Rettungsschirm, an dem dann nicht etwa nur der Pilot hängt, sondern der ganze Vogel. Er darf samt Besatzung nur 450 Kilogramm leicht sein. Das Eigengewicht beträgt 320 Kilo. Daraus folgt, dass Pilot und Co-Pilot keine Schwergewichte sein dürfen. Und ein Flug in den Urlaub empfiehlt sich auch nicht: Weder kann der schnittige Flieger schweres Gepäck schleppen, noch hat er dafür ausreichend Stauraum. Wolfgang Zirwer freut sich auf den Jungfernflug und die Einweihungsfeier. Dann muss er sich ein neues Projekt suchen. Er hat ja ein Haus, an dem immer was tun ist.

Von Gudrun Schneck

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