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Teltow-Fläming „Schon lange kein Buchbehälter mehr“
Lokales Teltow-Fläming „Schon lange kein Buchbehälter mehr“
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18:29 09.01.2013

MAZ: Wie viele Bücher haben Sie zu Hause im Regal?

Carola Langer: Das sind schon viele. Eigentlich ist es paradox, dass man Bücher kauft, obwohl man hier immer zugreifen könnte. Vor allem meine Tochter ist ein Büchernarr. Für mich selbst schaffe ich in erster Line nur noch Sachliteratur an. Bücher nur zum Hinstellen brauche ich nicht.

Wann haben Sie die Leidenschaft zu Büchern bei sich entdeckt?

Langer: Schon als Kind war ich eine Leseratte. Aber eigentlich hatte ich es mehr mit Zahlen. Ich wollte Mathelehrerin werden. Mathe – ja, aber Lehrerin, das war doch nichts für mich.

Wie kam es zum Schwenk in die Bücherei?

Langer: Das war reiner Zufall. Im Rathaus wurde der Umzug in die umgebaute Mönchenkirche vorbereitet und es wurden Mitarbeiter für die neue Bibliothek gesucht. So konnten wir drei, die wir auch heute noch in der Bibliothek arbeiten, schon den Umzug in dieses Haus miterleben. Ich sollte damals eine Artothek aufbauen. Das hat sich zwar nicht durchgesetzt, aber für mich hat sich das als Glücksfall erwiesen. An der Humboldt-Uni konnte ich postgradual Bibliothekswissenschaften studieren. Ich habe es nie bereut. Seit 1983 bin ich in der Bibliothek. Im Januar sind es genau 30 Jahre. Seit 1987 bin ich Leiterin.

Und seitdem lesen Sie nur noch...

Langer: Lesen ist nach wie vor mein Hobby, aber in der Bibliothek kann man nicht lesen, außer zu Veranstaltungen. Selbst das Informieren über Neuerscheinungen passiert zum größten Teil in der Freizeit. Aber ich habe hier den Zugriff auf das, womit ich mich in der Freizeit beschäftigen möchte.

Was ist es, das Sie an Ihrem Beruf so mögen? Sind es eher die Bücher oder die Menschen?

Langer: Beides zusammen. Unsere Aufgabe ist es, Lese- und Medienwünsche zu erfüllen. Meine Mitarbeiter und ich, wir wünschen uns vor allem zufriedene Kunden, die das finden, was sie suchen, ob nun zur Unterhaltung oder zur Information. Und uns ist es ganz wichtig, die Freude am Lesen zu wecken, schon bei den Kleinen. Wenn andere lesen und man dazu einen Beitrag geleistet hat, wenn auch nur einen kleinen, dann ist das sehr schön.

Arbeiten Sie gern mit Kindern?

Langer: Ja. Wenn ein Kind zur Schule kommt, sollte es die Liebe zum Buch schon haben. Deshalb arbeiten wir seit zwei Jahren intensiver mit den Kindergärten zusammen. Und uns geht es um Lese- und Medienkompetenz, wir verstehen die Bibliothek auch als Lernort. Deshalb haben wir es oft mit Schülergruppen zu tun. Das ist eine Arbeit, die mir Spaß macht. Die Hälfte unserer Nutzer ist jünger als 18 Jahre. Es gibt aber generell einen Einbruch bei 13, 14 Jahren. Da liegen die Interessen anders. Aber wer als Kind bis dahin gelernt hat zu lesen und gern liest, der kommt irgendwann wieder zurück. Viele gehen leider wegen der Ausbildung weg, aber das trifft ja nicht nur uns. Natürlich haben wir auch unsere Stammleser unter den Älteren.

Was würden Sie sagen, wie hat sich die Bibliothek, ganz allgemein, im Verlauf Ihres Berufslebens verändert?

Langer: Wenn man es wörtlich nimmt, heißt Bibliothek Buchbehälter. Das sind wir ja schon lange nicht mehr. Eher eine Mediothek, wenn man es so nennen will. Trotzdem sehen wir Bücher als unseren Schwerpunkt. Wir haben jetzt Bücher zum Lesen, zum Hören, in verfilmter Version – also für verschiedene Ansprüche und Interessen. Wir haben erlebt, wie Tonkassetten eingeführt und von CDs abgelöst wurden, Videos von DVDs, Computerspiele und Software kamen hinzu. Das ist ein stetiger Wandel, und wo das hinführt, wissen wir oft selbst nicht. Sehr gut genutzt sind die drei Internet-Plätze, die wir 2011 für Inhaber gültiger Lesekarten eingerichtet haben.

Ganz modern ist die sogenannte Onleihe. Gibt es das in Jüterbog auch bald?

Langer: In großen Bibliotheken, auch in einigen Kreisen im Land Brandenburg ist das schon aktuell. Für uns war die Onleihe bisher nicht finanzierbar. Inzwischen gibt es aber Konditionen, dass wir auch in Jüterbog einsteigen könnten. Das ist allerdings nur sinnvoll im Verbund mit den anderen Bibliotheken des Kreises.

Was genau bedeutet Onleihe?

Langer: Man lädt die Medien digital auf seinen Computer, E-Books, zum Beispiel. Das ist bequem, weil man nicht mehr zur Bibliothek gehen muss. Dadurch haben wir wahrscheinlich weniger Kundenkontakt. Aber der Leser, der vielleicht nicht kommen kann, hat 24 Stunden am Tag die Möglichkeit, die digitalen Angebote der Bibliothek zu nutzen. Wenn die Leihfrist abläuft, verschwindet die Datei automatisch vom Computer, man spart sich also auch die Rückgabe. Ich habe das schon selbst getestet, das ist ganz praktikabel. Und E-Books sind nun mal auf dem Vormarsch. Wir würden uns dadurch sicher neue Benutzergruppen erschließen.

Es gibt sogar schon eine Diplomarbeit zu diesem Thema für den Bibliotheksverbund im Teltow-Fläming-Kreis.

Ich schätze, Sie sind, was die Bibliothek betrifft, nicht wunschlos glücklich.

Langer: Das nicht, wir wünschen uns deutlich mehr Leser. Wir wissen ja, dass die Bibliothek zu den freiwilligen Aufgaben in der Stadt gehört. Trotzdem mühen wir uns um ein aktuelles Angebot, bilden uns ständig weiter. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, könnten wir längere Öffnungszeiten bieten, im Moment ist eher das Gegenteil der Fall. Wie gesagt, die Onleihe wäre eine Alternative, um für Benutzer attraktiver zu werden. Wenn wir uns etwas wünschen könnten, wäre das deutlich mehr Geld, um bekannte Schriftsteller zu Lesungen einladen zu können. Zu unbekannten Leuten kommt keiner her.

Finden die Leser wenigstens die Bestseller im Bibliotheks-Regal?

Langer: Wir freuen uns, dass wir doch, gerade auch im letzten Jahr, das Geld zur Verfügung hatten, um uns regelmäßig Bestseller leisten zu können und somit ein recht aktuelles Angebot haben. Die Bücher müssen ja regelmäßig ausgetauscht werden. Wir dürfen dabei natürlich nicht vergessen, dass die Bibliothek eine freiwillige Aufgabe ist. Und da haben wir glücklicherweise das Gros der Stadtverordneten hinter uns.

Sind denn die Klassiker auch noch da?

Langer: In einer Bibliothek wie unserer müssen die Bücher aktuell und optisch ansprechend sein. Das äußere Erscheinungsbild macht viel aus. Wenn ein Buch schon 20 Jahre da steht, wollen es die Leute nicht mehr lesen. Wenn man es mit einem neuen Einband hinstellt, wirkt das gleich ganz anders. Wir haben natürlich auch noch alte Ausgaben, von Goethe zum Beispiel. Aber das wird kaum noch gelesen, nicht einmal von Schülern. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie die Pflichtliteratur kaufen, zum Teil auch in der Schule erhalten. Leider wird auch die Sekundärliteratur zu den in der Schule behandelten Werken bei uns gar nicht mehr so genutzt. Klassensätze bieten wir trotzdem nach wie vor an, auch im Verbund.

Im Verbund mit anderen Bibliotheken?

Langer: Ja, wir arbeiten sehr gut mit den anderen Bibliotheken im Kreis zusammen und gegen eine geringe Gebühr wird die Fernleihe angeboten. Dadurch können wir auf jedes Buch, das nicht in unserem Bestand aber in deutschen Bibliotheken verfügbar ist, zurückgreifen.

Die Bibliothek im Mönchenkloster ist ja etwas Besonderes. Ist das eher ein Vor- oder ein Nachteil?

Langer: Es ist sehr schön, in diesem Haus zu arbeiten. Die Kombination der Arbeitsplätze mit der Stadtinformation lockt einerseits Besucher, die sonst vielleicht nicht in die Bibliothek kommen würden (und umgekehrt), andererseits ist es unruhiger, manchmal geht es sogar ziemlich turbulent zu. Und wir sind nicht mehr nur Bibliothekare beziehungsweise Mitarbeiter in der Stadtinformation, sondern haben Aufgaben im Kulturquartier insgesamt. So sind meine Mitarbeiter zum Beispiel für die Kleine und die Kinder-Bühne verantwortlich oder betreuen Konzertveranstaltungen.

Hat es Sie jemals gereizt, selbst ein Buch zu schreiben?

Langer: Nein, überhaupt nicht.

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