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Schreibabys: Was tun zwischen Liebe und Zorn?

Wünsdorf Schreibabys: Was tun zwischen Liebe und Zorn?

Schreibabys stellen die Geduld ihrer Eltern auf eine harte Probe. Das weiß die Wünsdorfer Therapeutin Franziska Weigt. In ihrer Schreibaby-Ambulanz hilft sie vor allem gestressten Müttern und Neugeborenen dabei, mit der für beide Seiten äußerst belastenden Situation umzugehen und sich einander liebevoll anzunähern.

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Franziska Weigt therapiert vor allem Mütter und deren Kinder in ihrer Wünsdorfer Schreibaby-Ambulanz.

Quelle: dpa

Wünsdorf. Wenn Wut in Hass und Gewalt gegen das gefühlt rund um die Uhr schreiende Neugeborene umschlägt, ist es zu spät. Therapeutin Franziska Weigt hilft Müttern, deren Nerven blank liegen, in ihrer Wünsdorfer Schreibaby-Ambulanz mit Gesprächen, Entspannungsübungen und Massagen.

Brüllt ein Säugling mindestens drei Wochen wenigstens an jeweils drei Tagen drei oder mehr Stunden lang, spricht man von einem Schreibaby. Das seien Kinder, die oft eine traumatische Geburt – etwa per Kaiserschnitt – erlebt haben, so Weigt. Oder bei deren Müttern die Schwangerschaft problematisch gewesen sei. „Ein Kind nimmt schon im Bauch der Mutter auf, was sie empfindet.“ Stress vor, während oder nach der Geburt können dazu führen, dass Babys bis zu drei Monate exzessiv schreien. Dagegen helfen weder wiegen und tragen noch schaukeln. Bedrohlich werde es, wenn gestresste Elternteile den Gedanken hegen, das Schreibaby zu schütteln, damit es endlich Ruhe gibt. Sollten noch schlimmere Gewaltfantasien ins Spiel kommen, „ist es der absolut späteste Zeitpunkt, an dem die Mutter reagieren und sich Hilfe suchen muss.“

Rechtzeitig Rat bei der Therapeutin gesucht

Rechtzeitig wandte sich Simone B. Rat suchend an Franziska Weigt. „Unser Sohn ließ sich nur schwer, wenn überhaupt nicht lange beruhigen.“ Wenn Simone B. das Schreien nicht mehr ertragen konnte, „habe ich ihn in sein Bett gelegt und bin vor die Tür gegangen zum Luft holen“. Ihrer älteren Tochter gegenüber sei sie schnell gereizt gewesen und habe sie oft scharf angefahren. Mittlerweile sei es deutlich besser geworden. „Meine Nerven sind sehr dünn, aber ich stehe zu meinen Gefühlen und der Art meines Sohnes“, so Simone B. Unterstützung hole sie sich bei Franziska Weigt, „wenn ich merke, dass ich sie brauche“.

Franziska Weigt betreibt in Wünsdorf eine Schrei-Baby-Ambulanz

Franziska Weigt betreibt in Wünsdorf eine Schrei-Baby-Ambulanz.

Quelle: Frank Pechhold

Mit Hilfe von Franziska Weigt gelang es auch Sara M., eine schwere seelische Krise zu bewältigen. „Am Anfang war es ein Schock, meinem Sohn gegenüber nichts mehr zu fühlen.“ Dabei sei die Geburt bis dahin das tollste Erlebnis ihres Lebens gewesen. Rund einen Monat danach fiel Sarah M. in ein tiefes Loch und erkrankte an einer Wochenbett-Depression. „Diese Situation habe ich mit meinen Partner in tiefer Zusammenarbeit und Liebe gemeistert.“ Als sich nach einem halben Jahr die depressiven Schleier verzogen, hatte Sara M. kaum noch Selbstvertrauen. Während ihrer psychischen Erkrankung hatte sie geglaubt, ihr Kind zu hassen und es nicht mehr haben zu wollen. Diese quälenden Gedanken ließen die junge Mutter einfach nicht mehr los. Sara M. war verzweifelt und total verunsichert. „Franzi gab mir die Sicherheit und das Vertrauen in mich selbst zurück. Die Bindung zwischen meinem Sohn und mir konnte dadurch wieder wachsen und gesunden.“

Kleiner schreiender Mensch raubte seiner Mutter die ganze Kraft

Auch Julia D. machte ähnliche Erfahrungen. Per Kaiserschnitt kam ihr erster Sohn auf die Welt. „Er schien immer unter Spannung zu stehen, wie angeknipst. Sobald er die Augen öffnete, fing er an zu schreien. Daher waren mein Mann und ich sehr froh, wenn er schlief.“ Oft wollte sie einfach nur weg von diesem kleinen schreienden Menschen, der ihr die ganze Kraft raubte. Bis über den dritten Geburtstag ihres Erstgeborenen hinaus hielt dieser Zustand an. Inzwischen war der zweite Sohn geboren worden. „Damit schwand die Möglichkeit, meinem großen Sohn näher zu kommen, noch mehr.“

Voller Sorgen wandte sich Julia D. an Franziska Weigt. „Franziska machte mir Mut, zerschlug Zweifel und säte Zuversicht.“ Die Therapeutin erklärte ihr die Zusammenhänge zwischen dem Verlauf der Geburt, ihren Empfindungen und dem Verhalten ihres Sohnes. Viele Tränen flossen, alte Wunden brachen auf. Julia D. gestand sich ein, dass nicht immer alles wie im Bilderbuch, sondern auch mal echt mies läuft. „Dass man sich eben nicht auf den ersten Blick, sondern Stück für Stück in sein Baby verlieben kann.“


Kontakt:www.systemische-familientherapie-franziskaweigt.de

Von Frank Pechhold

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