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Schüler auf der Suche nach dem Klischee

Mahlow Schüler auf der Suche nach dem Klischee

Jungs spielen mit Autos und Mädchen mit Puppen – so war es schon immer. Die Schüler der sechsten Klasse der Mahlower Herbert-Tschäpe-Schule haben in einem Projekt nach Geschlechterklischees gefragt. Vier Kurzfilme mit Menschen auf der Straße sind daraus entstanden.

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Mit Tablet und Mikro stellten die Schüler Passanten auf der Straße Fragen zur Gleichberechtigung der Geschlechter.

Quelle: Privat

Mahlow. „Dürfen Mädchen Fußball spielen und Jungs Ballett tanzen?“ – Geht es nach den Passanten, die Schüler der 6. Klasse der Mahlower Herbert-Tschäpe-Grundschule befragt haben, ist das alles kein Problem. Fast alle Interviewten gaben sich tolerant und verständnisvoll, sprachen sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau aus, hatten kein Problem mit Schwulen oder Lesben und die meisten Männer gelobten, ihren Frauen im Haushalt zu helfen.

Kinder sind nicht im politikfreien Raum

So gesehen wäre das Projekt des Demokratischen Jugendforums, das in der vergangenen Woche in der Tschäpe-Grundschule durchgeführt wurde, überflüssig. Die Realität ist häufig eine andere, weiß Johannes Kreye, der das Projekt entwickelt hat. „Kinder sind nicht in einem politikfreien Raum“, sagt der Lehramtsstudent. Während die Sechstklässler mit Tablet-PC und Mikrofon auf der Straße den Toleranz-Test gemacht haben, hätten sie schnell mitbekommen, wer seine Meinung offen in die Kamera sagen wollte und wer nicht.

Thema Gleichbehandlung der Geschlechter

Das Thema durften die Schüler selbst aussuchen. Sie haben sich für die Gleichbehandlung der Geschlechter entschieden. Die spielt schon im Kinderzimmer eine Rolle, wo Mädchen in rosa Umgebung mit Puppen spielen und Jungs vor hellblauen Wänden Abenteuer mit Actionfiguren und Autos erleben.

Ob Bruder und Schwester ihre Spielsachen auch einmal tauschen dürften, wollten die jungen Reporter von den Erwachsenen wissen und die hatten – wie zu erwarten war – kein Problem damit.

Vier Kurzfilme sind entstanden

Entstanden sind vier Kurzfilme, die von den Schülern aufgenommen und geschnitten wurden. Die technische Komponente stand nicht unbedingt im Vordergrund, sagt Johannes Kreye. „Es geht darum, Wissen zu vermitteln und Empathie zu stärken“, sagt er. Kinder, gerade Mädchen, sollen sich bestärkt fühlen, Ungleichheiten nicht zu akzeptieren. „Letztlich geht es darum, dass alle die gleichen Chancen im Leben haben“, sagt Kreye.

Schon im vergangenen Jahr hat die Tschäpe-Grundschule mit den Initiatoren ein Projekt gemacht. Damals ging es um das Thema Flüchtlinge. „Da kamen schon sehr pikante Antworten“, erinnert sich Schulleiterin Vanessa Frank. Doch gerade das habe sie ermutigt, sich beim Land erneut für eine Förderung zu bewerben – mit Erfolg. Nun hofft die Schulleiterin, dass auch im kommenden Jahr ihre Schüler die Möglichkeit bekommen, sich mit einem gesellschaftspolitischen Thema auseinanderzusetzen.

Von Christian Zielke

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