Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Journalist für einen Tag

MAZ-Schulreporter Journalist für einen Tag

Wie ist es, als Polizist zu arbeiten? Welche Voraussetzungen braucht man für diesen Beruf? Im Rahmen des MAZ-Schulreporter-Projektes konnten Schüler der sechsten Klasse der Grundschule Wildau Jens Quitschke über seinen Job ausfragen und sich dabei selbst als Journalisten fühlen: Sie lernten nämlich die Technik der Interviewführung kennen.

Nächster Artikel
„Handarbeit war mein Hassfach“

Polizist Jens Quitschke zeigt dem Schüler Mark Andersen (12), was es heißt, eine Schutzweste zu tragen.

Quelle: Fotos: Melanie Höhn (3)

Wildau. Eine Bewerbung schrieb Jens Quitschke in seinem Leben. Und die war erfolgreich: Der Familienvater arbeitet seit über 20 Jahren als Polizist. Gerade ist er im Bereich Prävention in Königs Wusterhausen eingesetzt. Dreieinhalb Jahre, bis 2002, war er auch als Streifenpolizist tätig, hat aber auch lange als Pressesprecher gearbeitet. Der 40-Jährige war im Rahmen des MAZ-Schulreporter-Projektes der Interviewpartner zweier sechster Klassen der Grundschule Wildau, die in die journalistische Interviewtechnik eingeführt wurden. Während der Fragerunde, die länger als eine Stunde dauerte, konnten ihm die Schüler noch so manches Geheimnis entlocken. Zunächst bereitete eine Journalistin mit den Kindern die möglichen Fragen vor und ordnete sie nach bestimmten Kategorien ein: Details über seinen Werdegang, Erlebnisse bei der Arbeit und der Jens Quitschke privat.

Doch bevor es so weit war, hatten die Sechstklässler noch viele Fragen zum Arbeitsalltag einer Redakteurin. „Was passiert, wenn ein Artikel nicht fertig wird?“, fragte einer der Schüler. „Irgendetwas fällt uns immer ein, eine blanke Seite entsteht nie“, sagte die Reporterin. Auch in Bezug auf Berufsperspektiven gab der Besuch den Kindern Anregungen: In etwa drei Jahren, wenn sie in der neunten Klasse sind, müssen die Schüler ein Praktikum absolvieren. Bei vielen war die Begeisterung über die Zeitungsarbeit so groß, dass sie damit liebäugeln, diesen Berufsweg einzuschlagen.

Gespannt waren die Schüler dann, als Jens Quitschke den Raum betrat. Zufällig betreute er an diesem Tag eine Schülerpraktikantin, die er gleich zum Termin mitbrachte: Die 15-Jährige Michelle Müller. Über den Hundesport kam sie auf die Idee, ein Praktikum bei der Polizei zu absolvieren. Sie könnte sich durchaus vorstellen, in diesem Beruf zu arbeiten. Gemeinsam mit Jens Quitschke war sie an diesem Vormittag schon in der Schießsporthalle, ein Mal im Quartal müssen Polizisten trainieren, mit einer Handwaffe umzugehen. Sofort wollte einer der Schüler wissen: Wann benutzt man eine solche Waffe? „Ich darf nur dann schießen, wenn eine Gefahr für Leib und Leben einer anderen Person oder mich selbst droht“, erklärte der Polizist. „Zum Glück musste ich aber noch nie im Einsatz auf einen Menschen oder ein Tier schießen.“ Zwar laufe nicht immer alles nach Lehrbuch, doch bisher hatte er immer Glück, erzählte er. Doch scheinbar harmlose Situationen können auch ganz schnell gefährlich werden. Ob er auch Angst hat, angegriffen zu werden?, fragte ein anderer Schüler. „Jeder Mensch hat Angst, das ist normal. Ich bin nicht Superman, der jeden runterdrücken kann, der mich angreift. Aber Angst löst Hormone aus, man ist dann automatisch wacher.“ Wichtig sei Abstand, Aufmerksamkeit und dass man nicht in Routine verfalle. „Das ist das, was mich schützt.“

Auch über die Voraussetzungen des Berufs Polizist wollten die Schüler alles erfahren. Einen Einstellungstest muss man bestehen, Sportlichkeit gehört dazu und man braucht Kenntnisse in vielen Schulfächern, erklärte Jens Quitschke. „Wenn man Schäden an Fahrzeugen sieht und sich überlegen muss, wie die Kräfte gewirkt haben, muss man etwas von Physik verstehen.“ Aber auch Geschichtswissen sei entscheidend, etwa wenn Munition gefunden werde und man diese historisch einordnen müsse. In vielen Situationen brauche man darüber hinaus eine ordentliche Portion gesunden Menschenverstand. Sehr gute Rechtschreibung ist zudem wichtig, vor allem bei polizeilichen Gutachten. Auch sollten keine Allergien oder neurologischen Erkrankungen vorliegen.

Viele der Schüler hat brennend interessiert, wie Jens Quitschke zu dem Job kam: „Mein Opa war Polizist, seitdem kam für mich kein anderer Beruf infrage“, verriet er. „Es ist mein Traumberuf.“ Und sein spannendster Einsatz? „Es gab viele Einsätze, an die ich mich erinnere, bei denen es brenzlig oder lustig war.“ In Erinnerung geblieben ist ihm dabei unter anderem ein tragischer Busunfall, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen. Aber auch an einen offenen Bruch eines Beines kann er sich erinnern, das noch in einem Motorradstiefel steckte. Am Ende war die Elfjährige Annalena Waldeck erstaunt, so viel über Jens Quitschke erfahren zu haben: „Es war spannend, all das zu hören, viel mehr, als ich erwartet hätte.“ Ihre Mitschülerin Charlotte Weser (12) konnte das nur bestätigen: „Ich habe mich während des Interviews als Journalistin gefühlt und konnte mich in seine Situation versetzen.“

Von Melanie Höhn

Nächster Artikel
Mehr aus Schulreporter Dahmeland-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg