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Stallgespräch über das Ende der Milch

Löwenbruch Stallgespräch über das Ende der Milch

Warum schreiben Lebensmittel-Discounter Milchlieferungen nicht nach regionaler Erzeugung, sondern nach niedrigstem Preis aus? Warum wird Kartellrecht nicht genutzt? Darüber diskutierte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, bei einem Stallgespräch mit Aussteigerin Regina Siebeke, Chefin der Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf.

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Stallgespräch: Regina Siebeke und Henrik Wendorff

Quelle: Jutta Abromeit

Löwenbruch. Vor einem Jahr bekamen Brandenburgs Milchbauern 28 Cent pro Liter Milch, heute sind es 22. Bis 2015 stellten jährlich 3,7 Prozent der Milcherzeuger die Produktion ein, zuletzt waren es nach Angabe des Landesbauernverbandes (LBV) 15 Prozent. Wie weiter angesichts dieser Talfahrt? Darum ging es gestern bei einem Stallgespräch im Ludwigsfelder Ortsteil Löwenbruch zwischen LBV-Präsident Henrik Wendorff und Regina Siebeke. Die ist „Bauer mit Leib und Seele seit Jahrzehnten“, wie sie sagt. Doch die damals 17-köpfige Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf war wie berichtet vor gut einem Jahr aus der Milchproduktion ausgestiegen.

Den Hauptgrund für sinkende Milchpreise sieht Siebeke im Handel: „Der bietet Lebensmittel zum Dumpingpreis an  – eine Missachtung unserer Arbeit. Wir sind flexibel, aber Tiere und Pflanzen kann man nicht über Nacht an- oder abschaffen.“ Junge Leute verdienten überall mehr als in der Landwirtschaft, wo solle da Fachkräfte-Nachwuchs herkommen?

Kompensation ist die Lösung

Für LBV-Chef Wendorff heißt die Lösung produktionsintegrierte Kompensation: „Wir müssen bei Flächenreduzierungen vom Freikaufen mit Ausgleichszahlung wegkommen. Nicht Bäume pflanzen und Biotope schaffen, sondern Grünland extensiv nutzen“, so der LBV-Präsident. Praktikabel wäre das für ihn mit naturnahen Produktionsverfahren. „Das ist abseits des Weltmarkts die Nische, die Brandenburg mit seinen kargen Böden besetzen kann“, sagt Wendorff. Und er fragt: „Warum muss der Handel Milchlieferung nach preiswertestem Angebot ausschreiben, statt nach regional produzierter Milch? Warum wird unser Kartellrecht nicht genutzt, um hochwertige Lebensmittel an den Verbraucher zu bringen und Kulturlandschaft zu schützen?“

Am Weinbergweg geht es bei der Agrargenossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf heute um Rindermast, Mutterkuhhaltung und die Kälberaufzucht. Ob der 12-Mann-Betrieb so langfristig überlebt, weiß Siebeke nicht. Sie ist froh, eher als andere ausgestiegen zu sein. Von 1500 Hektar Acker und Grünland 1991 blieben 850 Hektar übrig, 300 im Landschaftsschutzgebiet.

Von Jutta Abromeit

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