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Schwanenpaar adoptiert kleine Gans

Motzen Schwanenpaar adoptiert kleine Gans

Was wie ein Märchen klingt, ist wirklich wahr: Ein Schwanenpaar adoptiert eine kleine Gans. So geschehen in Kallinchen. Fischer Peter Sombert freut sich über die gefiederte Patchwork-Familie auf dem Motzener See. Er hofft, dass die von ihm auf den Namen Daffy getaufte Gans nicht den Abflug macht, sondern für immer bleibt.

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Der Fischer und seine gefiederten Freunde. Peter Sombert füttert die Schwaneneltern Hansi und Ortrud in Kallinchen vom Steg aus.

Quelle: f

Kallinchen. Ein Schwanenpaar mit vier Jungen adoptiert ein Gänseküken. So etwas hat Peter Sombert noch nie erlebt, seit er auf dem Motzener See fischt. Nun hofft er, dass Gössel Daffy in Kallinchen bleibt und ihn als ausgewachsene Gans auf seinen Fischzügen begleitet.

Sombert schwante nichts böses, als er eines Tages wie gewohnt raus aufs Wasser fuhr. Mitten auf dem See rieb er sich plötzlich verdutzt die Augen und dachte bei sich: „Mein lieber Schwan!“ In Sichtweite glitt eine sechsköpfige Schwanenfamilie mit einer kleinen Gans im Schlepptau majestätisch über den See. „Das ist schon ein echtes Naturwunder“, sagt der Mellenseer über die gemischte Vogelfamilie. „Manchmal machen es die Tiere uns Menschen eben vor, wie Integration funktioniert“.

Fischer und gefiederte Patchwork-Familie sind gute Freunde

Sombert zufolge hätten einige Gänsepaare ganz in der Nähe im Schilf gebrütet. „Vermutlich ist das Gössel dann einfach drauf los geschwommen und bei den Schwänen ins gemachte Nest gekrabbelt.“ Das war Mitte Mai. Mittlerweile sind der Fischer und die gefiederte Patchwork-Familie gute Freunde. Sogar Namen hat Sombert den Schwaneneltern und ihrem Adoptiv-Gänslein gegeben. Der falsche Schwan heißt Daffy in Anlehnung an die amerikanische Comic-Ente Daffy Duck. Der Schwanenpapa hört auf den Namen Hansi, so wie ein Kumpel von Sombert. „Und die Schwanenmama habe ich nach meiner Frau Ortrud benannt.“

Bei Sombert haben viele hier heimische Vögel Namen. Wenn er vom Ufer aus über den Motzener See ruft und mit trocken Brotstückchen lockt, dann schwimmen oder flattern seine gefiederten Lieblinge herbei: Schwanenkönig Hansi mit Familie. Litze Luise. Erpel Raspe und Ente Mariechen. Nur Seeadler Atze beobachtet das Geschehen meist aus sicherer Entfernung. „Atze sitzt manchmal neben seiner Frau Adele auf einem Baum und schaut zu mir herüber“, sagt Sombert.

Daffys Schicksal ähnelt dem Märchen „Das hässliche Entlein“

Der 63-Jährige freut sich, wenn alle Vögel da und ihm möglichst nah sind. Er hofft, dass Daffy nicht mit den Schwänen weg fliegt, sondern in Kallinchen bleibt und ihn beim Fischen begleitet. So wie die Gans Gertrud zu Ostzeiten, als Sombert noch auf dem Mellensee fischte. „Gertrud habe ich nach meiner Mutter benannt“, sagt Sombert. Immer wenn er von seinem Holzkahn aus „Gertrud!!!“ gebrüllt habe, antwortete sie „Gack, gack, gack“ und schwamm ihm schnatternd hinterher.

So eine Freundschaft wünscht sich Sombert auch von Daffy. Irgendwie erinnere ihn das Schicksal der kleinen Gans entfernt an das von Hans Christian Andersen erdachte Märchen „Das hässliche Entlein“. In der Erzählung brütet eine Entenmutter sechs Entlein und ein von allen verspottetes graues Küken aus, das zu einem stolzen und schönen weißen Schwan heranwächst. „Daffy kann froh sein, dass er mit Hansi und Ortrud so gute Pflegeeltern gefunden hat“, so Sombert: „Er hat wirklich Schwan gehabt!“

Von Frank Pechhold

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