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Teltow-Fläming Schwere Vorwürfe nach tödlichem Reitunfall
Lokales Teltow-Fläming Schwere Vorwürfe nach tödlichem Reitunfall
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00:17 26.09.2017
Die Pferde sollen unter schlimmen Bedingungen gehalten worden sein. Quelle: Symbolbild
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Jüterbog

Die Nachricht hat am Sonnabend in Jüterbog und Umgebung für Trauer und Entsetzen gesorgt: Ein dreijähriges Mädchen ist am Kloster Zinna beim Reiten vom Pferd gestürzt, im Steigbügel hängengeblieben und wurde daraufhin von dem Tier mitgeschleift. Das Kind ist noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen erlegen.

Der Reitunfall ereignete sich auf dem Privatgelände einer deutsch-italienischen Familie in der historischen Webersiedlung von Kloster Zinna. Nach MAZ-Informationen handelt es sich bei dem verunglückten Mädchen um die Tochter des Pferdebesitzers, die ohne Helm auf dem Pferd gesessen haben soll.

Dreck und schlechte Fütterung

Kloster Zinnas Ortsvorsteherin Gabriele Schröder (SPD) kennt die Familie und zeigte sich schockiert von den Ereignissen. „Das Unglück und der Tod des Mädchens sind eine Katastrophe“, sagte Schröder. Sie kennt allerdings auch die schlimmen Bedingungen, unter denen die Tiere dort gehalten werden, und sagt, dass ein Eingreifen des Veterinäramts längst überfällig war. Schröder und andere Einwohner des Ortes hatten über Jahre regelmäßig beim Jüterboger Ordnungsamt und dem Veterinäramt des Landkreises Teltow-Fläming die Vernachlässigung der Tiere auf dem Hof der Familie angezeigt.

Der Unfall ereignete sich bei einem Ausflug am Kloster Zinna. Quelle: Uwe Klemens

„Die Tiere dort wurden nicht gut gehalten. Das sah alles sehr fragwürdig aus und viele Tiere sind dort in der Vergangenheit schon verreckt“, sagt Schröder. Sie spricht von Dreck, schlechter Fütterung und generellen Zuständen, die „unverantwortlich und fahrlässig“ seien. Derzeit werden dort etwa vier Pferde, zwei Ponys und eine Kuh gehalten. Regelmäßig brechen die Tiere aus und laufen frei im Ort herum.

Eigentümer als unzuverlässiger Tierhalter bekannt

Erst vor rund zwei Wochen hätten die Behörden laut der Ortsvorsteherin dem Hof wieder einen Besuch abgestattet. „Anscheinend sind die Zustände, unter denen die Tiere dort leben, noch nicht schlimm genug, um etwas dagegen zu unternehmen“, sagt Gabriele Schröder. Sie erhebt deshalb auch schwere Vorwürfe gegen die Behörden. „Hätte man dort richtig eingegriffen und die Tierhaltung der Familie unterbunden, wäre dieser tragische Unfall zu verhindern gewesen.“, sagte Schröder der MAZ.

Das Jüterboger Ordnungsamt bestätigt die Beschreibungen der Ortsvorsteherin. „Dem Ordnungsamt ist der Eigentümer als unzuverlässiger Tierhalter bekannt“, sagt Leiter Joachim Wasmansdorff. „Dort herrscht schon seit Jahren ein trauriger Zustand, der an Tierquälerei grenzt“, so Wasmansdorff. „Wir haben dort ständig kontrolliert und regelmäßig festgestellt, dass den Tieren dort Wasser fehlt und das mit Fotos dokumentiert. Jedoch sind wir leider nicht die zuständige Behörde. Deshalb haben wir beim Landkreis immer wieder angeregt, dem Mann die Tierhaltung zu untersagen. Zuletzt habe ich vor 14 Tagen eine entsprechende Mail an den Kreis geschickt“, sagt Wasmansdorff.

Mehrfach sind Pferde der Familie außer der Umzäunung ausgebrochen und sind bis auf wenige Meter an die Bundesstraße 101 herangekommen, die durch den Ort führt. „Es ist glücklicherweise nie zu Verkehrsunfällen gekommen“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Staatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Landrätin von Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Linke), hat sich am Samstagabend zum tragischen Reitunfall in Kloster Zinna, bei dem ein dreijähriges Mädchen getötet wurde, zu Wort gemeldet. „Wir sind in Gedanken bei der Familie und fühlen mit den Angehörigen – schließlich ist der Tod eines Kindes das Schlimmste, was einem im Leben zustoßen kann“, so die Landrätin.

Zu den von der Ortsvorsteherin von Kloster Zinna, Gabriele Schröder (SPD), erhobenen Vorwürfen, dass die Tierhaltung der Pferde längst vom Amtstierarzt hätte unterbunden werden müssen, sagte sie: „Ob oder wie der Unfall hätte verhindert werden können, werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben.“

Die Amtstierärztin von Teltow-Fläming, Silke Neuling, bestätigt langjährige Versäumnisse des privaten Tierhalters mit der artgerechten Haltung seiner Tiere. „In den vergangenen Jahren stellte das Veterinäramt wechselnde Mängel fest, die aber zu keinem Zeitpunkt so gravierend waren, dass man die Tiere anderweitig hätte unterbringen müssen“, teilt Neuling auf MAZ-Anfrage mit. „Die Tierhaltungsverhältnisse auf dem betreffenden Hof sind dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt seit mehreren Jahren bekannt. Die letzte Kontrolle durch zwei amtliche Tierärztinnen fand nach Anzeige durch das örtliche Ordnungsamt vor etwa 14 Tagen statt“, schreibt Neuling.

Bei gemeinsamen Kontrollen werden Mängel angesprochen

Die Praxis mit Tierhaltern sei, dass zunächst gemeinsame Kontrollen durchgeführt werden. „Dabei werden Mängel angesprochen und Wege zur Verbesserung aufgezeigt. Dazu gibt es einen schriftlichen Kontrollbericht sowie Auflagen mit Zeitvorgaben. Nach Ablauf der Frist erfolgt eine Nachkontrolle. Wurden die Mängel behoben, ist der Vorgang im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt abgeschlossen“, so die Amtstierärztin.

Nach weiteren Kontrollen und Bußgeldern sei das letzte Mittel die Androhung und Vollziehung der sogenannten Tierfortnahme und das Aussprechen eines befristeten oder unbefristeten Tierhaltungs- oder Betreuungsverbotes. Ein solches Verbot der Tierhaltung kann nur ausgesprochen werden, wenn Tieren erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Außerdem müsse der Amtstierarzt entscheiden, ob der Halter willens und in der Lage ist, die Mängel abzustellen und die Tiere artgerecht zu halten. „Im vorliegenden Fall waren die Voraussetzungen für ein Tierhaltungsverbot nicht gegeben und kamen deshalb nicht zur Anwendung“, schreibt Neuling.

Ausritt erfolgte im privaten Bereich

Zu den Vorwürfen gegen das Veterinäramt in Bezug auf den Reitunfall vom Sonnabend teilt Landrätin Wehlan außerdem mit, dass der tragische Ausritt im privaten Bereich erfolgt sei.

„Im gewerblichen Rahmen – wenn es um Reitunterricht für Kinder und Erwachsene geht – ist es erforderlich, dass das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt eine Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz erteilt. Dabei wird neben der Tierhaltung auch die Sachkunde der verantwortlichen Person geprüft. Das ist hier nicht geschehen“, schreibt Wehlan.

Der verantwortlichen amtlichen Tierärztin war auch nicht bekannt, dass die Pferde zum Reiten beziehungsweise für Reitunterricht von Kindern genutzt werden. Eine diesbezügliche Anzeige durch das Ordnungsamt Jüterbog gibt es nicht“, so die Landrätin.

Von Peter Degener

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