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Teltow-Fläming Selbstexperimente für neue Kloster-Ausstellung
Lokales Teltow-Fläming Selbstexperimente für neue Kloster-Ausstellung
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05:05 11.10.2016
Das Museum im ehemaligen Kloster von Zinna. Quelle: Peter Degener
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Kloster Zinna

Nach zwei Jahrzehnten soll die Dauerausstellung im Museum Kloster Zinna völlig neu konzipiert werden. Der Ausschuss für Stadtmarketing beschäftigt sich heute mit dem Thema, die Jüterboger Stadtverordneten sollen den städtischen Eigenanteil der Ausstellung bei ihrer nächsten Sitzung beschließen. Eröffnet wird die Schau erst 2019, doch im Kopf des Kurators Bodo-Michael Baumunk­ hat sie schon konkrete Formen angenommen. Seit 2014 beschäftigt ihn „Der Abt und sein Haus“ – so der Arbeitstitel der Schau.

Kurator Bodo-Michael Baumunk­ Quelle: Peter Degener

„Neben der Kirche und der Abtei ist nicht mehr viel vom Kloster übrig und deshalb steht dieses Haus im Mittelpunkt. Die Abtei wird in der Ausstellung über sich selbst, den Zisterzienser-Orden und natürlich das Kloster erzählen“, erklärt der Bodo-Michael Baumunk. Der freiberufliche Kurator aus Berlin hat in seiner Karriere für große Häuser wie das Jüdische Museum und den Martin-Gropius-Bau Ausstellungen erarbeitet. Zuletzt hat er sich für das Deutsche Historische Museum in der Schau „Leben nach Luther“ mit der Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses beschäftigt. So sind ihm die Fragen religiösen Lebens nicht fremd.

Ein Frage, welche die Abtei selbst aufwirft, ist die der Dekadenz. „Denn das war ursprünglich ein sehr asketischer Orden, der gar keine Abtshäuser vorgesehen hatte“, sagt Baumunk. Er will in der Ausstellung die „inneren Verhältnisse“ des Klosterlebens deutlich machen und zeigen wie diese sich in den Jahrhunderten nach der Klostergründung 1170 wandelten – bis hin zu dem Punkt, wo junge Mönche nach der Reformation rebellierten und die Klostermauern mit Steinen bewarfen. „Im Vergleich zur bisherigen Schau wird das religiöse Fundament der Zisterzienser deutlicher zur Geltung kommen“, sagt Baumunk.

Der 63-Jährige hat sich dafür nicht nur in Archive begeben, sondern sich geradezu in die Lebenswelt der Klosterbrüder eingefühlt. „Ich bin von Treuenbrietzen nach Luckenwalde gelaufen, um ein Gefühl für die Distanzen zu bekommen, die bei Inspektionsreisen zu den Besitzungen des Klosters zurückgelegt wurden“, erzählt Baumunk von einem seiner Selbstexperimente. „Einmal habe ich die Vigilien, also die in der Nacht und den Morgenstunden absolvierten Stundengebete der Mönche, ausprobiert. Das hat dann aber auch gereicht“, gibt er zu.

Mit solchen Storyboards visualisiert Baumunk bestimmte Episoden. Hier rebellieren die Mönche und werfen Steine gegen die Klostermauern. Quelle: Peter Degener

Schnell aufgegeben hatte er den Versuch, die Kleidung der Mönche zu tragen. „Ich habe einen groben Pullover auf nackter Haut bei ungeheizter Wohnung getragen, aber das habe ich nur eine Stunde ausgehalten“, sagt er über die ungewöhnliche Art der „teilnehmenden Beobachtung“. Das Gefühl für grobe Wolle können Ausstellungsbesucher später an einer experimentellen Station im Museum nachvollziehen. Auch mit der wegen des Schweigegelübdes vom Orden entwickelten Zeichensprache der Mönche, werden sich nach dem Kurator auch die Ausstellungsbesucher auseinandersetzen können.

Derzeit erarbeitet ein Büro für Ausstellungsarchitektur die ersten Entwürfe für die Umsetzung. Dafür hat Baumunk Inspiration in Form von „Storyboards“ geliefert, welche die meist nur schriftlich überlieferten Ereignisse illustrieren. „Vielleicht kommt es gar nicht so sehr auf die Anzahl der Exponate an. Sondern auf die Idee, die sie zum Leben erweckt“, wurde er für frühere Arbeiten von Kritikern gelobt.

Von Peter Degener

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