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Senioren am Steuer: Ab zum Arzt!

MAZ-Interview mit Polizeihauptkommissar Senioren am Steuer: Ab zum Arzt!

Senioren fürchten oft um ihren Führerschein, wenn bei ihnen schlechtes Seh- oder Hörvermögen festgestellt wird. Deshalb nehmen sie auch Beratungsangebote der Polizei selten wahr, sagt Olaf Schulze, Leiter der Präventionsabteilung bei der Polizei in Dahme-Spreewald. Dabei wollen er und seine Kollegen doch nur beraten.

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Ein älterer Herr am Steuer.

Quelle: dpa

Königs Wusterhausen. Olaf Schulze, 50, ist Polizeihauptkommissar und Leiter der Präventionsabteilung in der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald. Ein Gespräch über Senioren am Steuer, die Hürden eines Führerscheinenzugs und darüber, wie besorgte Angehörige mit unsicheren älteren Verwandten können.

Herr Schulze, die Polizei hat dieser Tage erstmals eine „Seniorenaktionswoche“ ausgerufen und entsprechende Veranstaltungen angeboten. Was war der Grund dafür?

Olaf Schulze: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Unfälle, an denen Senioren beteiligt waren, immer weiter gestiegen. Deshalb wollten wir mit Senioren ins Gespräch kommen und sie beraten.

Was sind die häufigsten Gründe für Unfälle, an denen Senioren beteiligt sind? Werden die Augen schlechter? Lässt die Konzentration nach?

Schulze: Die Gründe lassen sich meines Wissens nicht so einfach zusammenfassen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir in einer Zeit des demografischen Wandels leben. Unsere Gesellschaft wird immer älter, damit nehmen auch immer mehr Senioren am Straßenverkehr teil. Insofern ist es auch folgerichtig, dass es mehr Unfälle mit Seniorenbeteiligung gibt. Man kann also gar nicht sagen, dass die Unfälle altersbedingt sind.

Trotzdem sehen Sie als Polizei ein Problem.

Schulze: Wenn wir über Senioren im Straßenverkehr reden, dann haben wir erst einmal eine reine Unfallstatistik vor uns, in der Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahren ausgewiesen sind. Wir beobachten aber auch, dass die Leute heute viel länger Auto fahren. Früher sind die Menschen bis Anfang oder Mitte siebzig gefahren, heute nutzen viele ihr Auto bis weit über 80. Das ist in vielen Fällen auch kein Problem, aber jeder Mensch entwickelt sich anders, egal ob es ums Sehvermögen, um das Reaktionsvermögen oder die Umsicht geht. Und klar ist: Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit ab.

Wie sollte man als Autofahrer auf das eigene Älterwerden reagieren?

Schulze: In bestimmten Bereichen hat es Gesetzgeber festgeschrieben. Wer etwa einen Lkw-Führerschein hat, der muss ab 50 regelmäßig zur ärztlichen Untersuchung, damit der Führerschein verlängert werden kann. Beim Pkw gibt es das nicht. Trotzdem sind wir als Polizei der Meinung, dass jeder regelmäßig einen Arzt aufsuchen sollte, vor allem um für sich selbst etwas zu tun. Das sollte auch die Botschaft der jüngsten Veranstaltungsreihe sein.

Olaf Schulze ist Polizeihauptkommissar

Olaf Schulze ist Polizeihauptkommissar.

Quelle: Martin Küper

Wie war der Zuspruch?

Schulze: Ganz, ganz unterschiedlich. In Klettwitz haben wir eine Veranstaltung mit der Dekra gemacht. Die Besucher konnten sich auf dem Dekra-Testgelände am Lausitzring ausprobieren. Das war ein Highlight. Viele sind schon deshalb gekommen, um sich dieses Test-Oval mal anzusehen. An anderen Orten, wo wir reine Beratungsstände hatten, hing der Zuspruch davon ab, wie frequentiert der Ort ist.

Die Polizeiinspektion Dahme-Spreewald hat sich ins A10-Center gestellt, Senioren konnte dort auch die Augen überprüfen lassen. Die Nachfrage war nicht sonderlich hoch. Was ist der Grund dafür, dass viele Senioren Beratungsangebote nur zögerlich nutzen?

Schulze: Ein Grund ist Unsicherheit. Viele befürchten, dass ihnen gleich der Führerschein abgenommen wird, wenn sie an einer Beratung teilnehmen oder der Arzt irgendwelche Auffälligkeiten feststellt.

Ist dem denn so?

Schulze: Natürlich nicht. Ein Führerscheinentzug muss von der Straßenverkehrsbehörde angeordnet werden. Dafür gibt es hohe Hürden. Das geht nur, wenn vorher von der Behörde selbst eine Untersuchung angeordnet wurde und dabei Auffälligkeiten festgestellt worden sind. Ein Hausarzt dagegen darf überhaupt keine Untersuchungsergebnisse weitergeben. Er unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Er kann dem Patienten nur den Hinweis geben, dass die Augen vielleicht nicht mehr in Ordnung sind und man eine stärkere Brille braucht.

Unter welchen Voraussetzungen kann eine behördliche Untersuchung angeordnet werden?

Schulze: Stellen Sie sich vor, jemand verursacht jeden Tag schuldhaft einen Unfall. Da wird man irgendwann sicherlich mal nachforschen, woran es denn liegt.

Können auch Angehörige, die bei ihren Eltern oder Großeltern gewisse Unsicherheiten beobachten, bei der Verkehrsbehörde anrufen und eine Untersuchung fordern?

Schulze: Nur dann, wenn tatsächlich konkrete Auffälligkeiten vorliegen, wenn der Fahrer also die Fahrspur nicht halten kann oder stark verlängerte Reaktionszeiten aufweist. In der Regel braucht die Behörde konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung, etwa Bußgeldbescheide oder Ordnungswidrigkeiten. Sonnst könnte ich mich ja auch bei der Behörde melden und Ihre Fahrtüchtigkeit infrage stellen. Das geht nicht.

Aber wie sollen Angehörige vorgehen, die das Gefühl haben, ihr Verwandter sollte besser kein Auto mehr steuern?

Schulze: Das ist ein großes Problem. Viele fragen uns, welche Möglichkeiten es gibt, aber Angehörige haben nicht das Recht, dem Vater, der Großmutter oder sonst wem vorzuschreiben, ob er oder sie am Straßenverkehr teilnehmen darf. Die Hürden für einen Führerscheinentzug sind wirklich sehr hoch. Die einzige Möglichkeit ist das persönliche Gespräch. Ich kenne Fälle, wo man mit der älteren Verwandtschaft eine Vereinbarung getroffen hat nach dem Motto: Leg mal den Führerschein beiseite, wir schauen, wie wir das ohne Auto hinbekommen. Andere hatten selbst die Einsicht, weil es fast zu einem Unfall gekommen wäre. Aber den Führerschein abgeben ist immer eine freiwillige Geschichte. Und wenn wir Präventionsveranstaltungen anbieten, wollen wir auch niemandem nachweisen, dass er nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen sollte. Es geht es immer nur darum, die Leute zu beraten und zu unterstützen.

Bieten Sie solche Veranstaltungen auch für jüngere Leute an?

Schulze: Die Polizei hatte mal Verkehrsteilnehmerschulungen mit solchen Themen im Programm, derzeit wird das aber nicht nachgefragt. Wir bieten aber interne Nachschulungen in Betrieben an, wo es etwa um Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung geht. Bei solchen Themen sollte sich durchaus jeder mal überprüfen, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist, ganz unabhängig vom Alter. Wer vor 20 Jahren den Führerschein gemacht hat, weiß selbst am besten, ob der die Prüfung so ohne Weiteres noch einmal bestehen könnte. Oder denken Sie an den Erste-Hilfe-Kurs. Den machen die meisten vor dem Führerschein, anschließend beschäftigen sie sich nie wieder mit dem Thema. Wir als Polizei können da immer nur appellieren. Verantwortlich sind letztlich immer die Verkehrsteilnehmer selbst. Das gilt auch für die Senioren.

Von Oliver Fischer

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