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Serie von Attacken auf linken Jugendklub

Luckenwalde Serie von Attacken auf linken Jugendklub

Seit dem Sommer kommt es beim Luckenwalder „Klab“ immer wieder zu Vandalismusschäden. Der Jugendklub der sozialistischen Jugend „Die Falken“, in dem auch viele junge Flüchtlinge betreut werden, ist offenbar Ziel rechtsextrem orientierter Täter. So wurde bereits ein Hakenkreuz an die Wand geschmiert und ein Pro-Flüchtlinge-Plakat wurde abgerissen.

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Auf die Jugendeinrichtung „Klab“ in Luckenwalde wurden in den vergangenen Monaten mehrere Vandalismus-Attacke verübt.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Erneut hat es einen offenbar politisch motivierten Angriff auf den „Klab“ in Luckenwalde gegeben. Am Dienstagmorgen entdeckten die Sozialarbeiterinnen des Kinder- und Jugendzentrums mehrere Schäden. Auf eine Jalousie im Erdgeschoss der Einrichtung wurde Hundekot verteilt und am Eingangsportal ein Poster mit dem Motiv „Refugees Welcome“ („Geflüchtete willkommen“) abgerissen.

Kot auf Jalousie verteilt

Das Poster hatte ein bei einem früheren Angriff an die Wand geschmiertes Hakenkreuz verdeckt. „Wir haben alles versucht, um die Schmierereien zu entfernen, – auch der Hausmeister ließ nichts unversucht, um das Hakenkreuz zu beseitigen –, aber die Farbe ist einfach nicht abgegangen“, erklärt Jugendklubleiterin Giulia Scoz. Daher hat sie gemeinsam mit Jugendlichen der Einrichtungen das Hakenkreuz mit einem Plakat überklebt.

Der Verein SJD „Die Falken“  ist Träger der Jugendeinrichtung in Luckenwalde

Der Verein SJD „Die Falken“ ist Träger der Jugendeinrichtung in Luckenwalde

Quelle: Margrit Hahn

Bei der Polizei habe man Anzeige gegen Unbekannt erstattet, so Scoz weiter. Ein Beamter sei aber noch nicht vor Ort gewesen.

Die Kot-Attacke reiht sich in eine seit längerem andauernden Serie von Angriffen auf die Einrichtung ein, wie Jane Baneth, Geschäftsführerin des Trägers Sozialistische Jugend „Die Falken“ Brandenburg (SJD), erläutert: „In diesem Jahr haben wir eine Häufung von offensichtlich politisch motivierten Sachbeschädigungen gegen das Haus feststellen müssen. Am 17. August wurde ein Rudolf-Hess-Plakat der Jugendorganisation der NPD sowie am 28. September ein Plakat der ,Identitären Bewegung’ gefunden.“

Hakenkreuz an die Wand gesprüht

Damit war noch nicht Schluss. „Am 4. November fanden wir ein an das Eingangsportal gespraytes Hakenkreuz vor“, berichtet Baneth, „in allen Fällen gehen wir von gezielten, rechtsextrem motivierten Angriffen auf den ,Klab’ aus.“ Schon vorher hätten die Sozialarbeiter von rassistisch motivierten Übergriffen und Beleidigungen im Alltag der Nutzer gehört. In dem Jugendtreff werden viele jugendliche Flüchtlinge betreut.

Im Luckenwalder „Klab“ werden jugendliche Flüchtlinge betreut und es engagieren sich auch erwachsene Flüchtlinge

Im Luckenwalder „Klab“ werden jugendliche Flüchtlinge betreut und es engagieren sich auch erwachsene Flüchtlinge.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Florian Schwabe, Landesvorsitzender der Falken, sieht ein grundsätzliches Problem: „Wir müssen schon seit längerem feststellen, dass unsere Arbeit für Geflüchtete, unser Engagement für Demokratie und gegen Rassismus nicht in allen Teilen der Gesellschaft gern gesehen ist. Doch wir sind nicht die einzigen. Es ist noch nicht allzu lange her, dass in Jüterbog die Teestube der evangelischen Gemeinde Opfer eines Anschlags wurde. Der Prozess wegen des Brandanschlags auf eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Jüterbog ist gerade erst zu Ende gegangen.“

„Falken“-Vorsitzender: „gesellschaftlicher Rechtsruck“

Es gebe Übergriffe in ganz Berlin und Brandenburg. Dazu zählt Schwabe Fan-Gesänge „Arbeit macht frei“ bei Spielen von Energie Cottbus, eingeschlagene Fensterscheiben an Parteibüros und Jugendklubs in Bad Belzig und Nauen. „Der gesellschaftliche Rechtsruck macht Menschenfeindlichkeit immer mehr zum Normalzustand und verschiebt die moralischen Maßstäbe“, befindet der Falken-Vorsitzende und fordert mehr gesellschaftliches Engagement gegen diese Strömungen.

Jugendklubleiterin Giulia Scoz bringt mit Hilfe von Joel das Plakat wieder an, das ein nicht abwaschbares Hakenkreuz bedecken soll

Jugendklubleiterin Giulia Scoz bringt mit Hilfe von Joel das Plakat wieder an, das ein nicht abwaschbares Hakenkreuz bedecken soll.

Quelle: Margrit Hahn

Jugendklubleiterin Giulia Scoz wünscht sich nichts weiter, als ihre Arbeit machen zu können: „Wir haben von der Stadt den Auftrag erhalten, Angebote für Kinder und Jugendliche zu organisieren.“ Das tägliche pädagogische Angebot richtet sich an alle, egal welcher Herkunft. „Wahrscheinlich wissen die Täter gar nicht, welche Leistung hier täglich vollbracht werden“, sagt Sozialarbeiterin Scoz.

Täglich 20 bis 30 „Klab“-Besucher

Täglich werden im Klab 20 bis 30 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 20 Jahren kostenlos betreut. Nach den Angriffen, die seit Sommer fast monatlich zu verzeichnen sind, macht sie sich Sorgen um die Sicherheit – um die der Besucher aber auch um die der Sozialarbeiter. „Wir wollen gute Arbeit leisten und nicht den Kot von den Jalousien kratzen“, fügt sie hinzu.

Veranstaltungen im „Klab“ im Dezember

Der „Klab“ in der Straße Beelitzer Tor in Luckenwalde bietet am 12. Dezember ein Kunstprojekt an. Eine Kunstpädagogin wird mit den Kindern und Jugendlichen deren Gefühle mit Farben ausdrücken. Der offene Kurs ist kostenlos und beginnt ab 15 Uhr. Die Materialien werden von Jugendklub zur Verfügung gestellt.

Am 22. Dezember steigt die große Weihnachtsparty. Dazu sind alle Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern eingeladen. Ab 15 Uhr geht es los. Jeder sollte zur Verpflegung beitragen. Der „Klab“ sorgt für Getränke.

 

Von Margrit Hahn

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