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„Silberhochzeit“ mit dem Rathaus

Elisabeth Herzog-von der Heide und die Luckenwalder Stadtverwaltung „Silberhochzeit“ mit dem Rathaus

Vor 25 Jahren startete Elisabeth Herzog-von der Heide ihre Karriere im Luckenwalder Rathaus als Dezernentin. Damals war sie 29 Jahre alt. Inzwischen ist sie seit 14 Jahren Bürgermeisterin.

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Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Am 4. Februar 1991 startete Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) als 29-Jährige ihre Karriere im Luckenwalder Rathaus. Heute zieht sie Bilanz.


MAZ:
Warum wollten Sie aus dem Westen ausgerechnet nach Luckenwalde?

Elisabeth Herzog-von der Heide : Nach dem Fall der Mauer eröffneten sich ja auch für viele Menschen im Westen neue Perspektiven. Am Aufbau einer neuen Verwaltung mitzuarbeiten war eine reizvolle Vorstellung. Vom ehemaligen Verwaltungschef meiner Heimatgemeinde wusste ich, dass er in den neuen Bundesländern als Berater tätig war. Als ich ihn zu seinen Erfahrungen befragte, wurde er sehr konkret und riet mir, mich in der Stadtverwaltung Luckenwalde zu bewerben. Dort suche man einen Juristen. Das habe ich auch getan, nachdem ich Luckenwalde auf der Landkarte ausgemacht hatte.

Wann war das?

Herzog-von der Heide: Das Bewerbungsgespräch fand im November 1990 statt, dann kam die Vorstellung in der Stadtverordnetenversammlung und die Zusage am 13. Dezember 1990. Damals herrschte in der Stadt größte Wohnungsnot. Ende Januar konnte ich eine Wohnung in der Bahnhofstraße mieten, sie renovieren, dann umziehen und am 4. Februar 1991 meinen Dienst beginnen. Zuvor hatte mir meine Mutter noch einen Schnellkurs verpasst, wie Kohleöfen angemacht und wirkungsvoll gefüttert werden.

Was war am Anfang für Sie die größte Schwierigkeit im Osten?

Herzog-von der Heide: Ich war ja sozusagen mutterseelenallein in einer fremden Umgebung. Es gab damals nicht mal die Möglichkeit, telefonisch Kontakt mit meiner Familie und alten Freunden zu halten. Manchmal bin ich samstags nach Berlin gefahren, um von einer Telefonzelle aus ein paar Anrufe zu machen. Auch wenn ich nur einmal einen Heimwehanfall hatte, so war ich natürlich sehr glücklich, als ein paar Monate später die Versetzung meines Mannes von Düsseldorf nach Berlin geklappt hat.

War es immer Ihr Traum, Bürgermeisterin zu werden?

Herzog-von der Heide : Der Wunsch ist erst in Luckenwalde entstanden, so um die Jahrtausendwende. Zu Beginn meiner Arbeit habe ich meinen Platz ganz klar in der zweiten Reihe gesehen. Eigene Verwaltungserfahrungen konnte ich bis auf ein paar Stationen in der Ausbildung ja auch gar nicht vorweisen.

Welchen Eindruck machte die Verwaltungsstruktur damals?

Herzog-von der Heide: Das Bild einer verstaubten Behörde mit Ärmelschonermentalität habe ich in Luckenwalde nie bestätigt gefunden. Für ein „Das haben wir immer schon so gemacht“ war ja auch in einer Verwaltung, die sich im Neuaufbau befindet, überhaupt kein Platz. Ich hatte überwiegend Freude an meinen Aufgaben als Dezernentin und Beigeordnete. Ich hatte das Glück, mit fähigen, einsatzfreudigen und sympathischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Die waren zwar zum großen Teil Quereinsteiger, haben aber mangelnde Erfahrung mit hoch engagiertem Pragmatismus wettgemacht. Es hat uns erfüllt, die Entwicklung dieser Stadt voranzutreiben, Ideen zu entwickeln, Unterstützung und Förderung zu bekommen, um kreativ handeln zu können.

Sie wollten aber höher hinaus?

Herzog-von der Heide: Wenn man dabei Erfolg hat, dann beflügelt das zu weiteren Taten und stärkt daneben auch das Selbstvertrauen. Das reichte dann schließlich bei mir aus, um vor 14 Jahren den eigenen Hut in den Ring des Bürgermeisterwahlkampfs zu werfen.

Hätten Sie damals gedacht, dass es mindestens für zwei Wahlperioden reicht?

Herzog-von der Heide: Darüber habe ich mir bestimmt keine Gedanken gemacht, eher darüber, ob ich mit Außenseiterchancen überhaupt die nötige Zustimmung in der Bürgerschaft erhalten würde. Und dann schloss sich die Frage an, ob ich den Praxistest bestehe.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Herzog-von der Heide: Ich schaue selten zurück, um mir zu überlegen, was wäre wenn gewesen. Solche hypothetischen Gedankenspielchen führen zu nichts und lähmen eher. Es gibt nun einmal Tage, die fangen schwach an und lassen dann stark nach. Aber sie gehen vorbei. Die Dinge sind so wie sie sind und das ist die Ausgangsbasis des aktuellen Handelns. Das mag etwas fatalistisch klingen, aber eine Verwaltung ist aus eigenem Anspruch, aber auch durch Fragen des Sorgentelefons, des Maerkers und der Stadtverordneten immer dazu angehalten, ihr Tun zu begründen oder zu rechtfertigen. Wir werden ja auch ständig mit neuen Umständen und Herausforderungen konfrontiert. So muss man neue Ziele anpeilen oder Kurskorrekturen vornehmen.

Was waren die schlimmsten Erfahrungen?

Herzog-von der Heide: Immer dann, wenn man den Menschen zumutet, sich von Vertrautem und Gewohntem zu trennen, trifft einen der Unmut in geballter Form. So geschehen bei der Schließung des Freibads „X. Weltfestspiele“, beim Abriss der alten Radrennbahn und auch beim Rückbau der 50-m-Bahnen in der Schwimmhalle Weinberge. Aufgrund des Rückgangs der Kinderzahlen gab es Anfang der 90er Jahre mehr Krippen- und Kitaplätze als benötigt wurden. Ich habe auch daran mitgewirkt, Einrichtungen zu schließen und Erzieherinnen zu entlassen. Solche Entscheidungen, die auch noch existenzielle Ängste hervorrufen, können erst recht nicht auf Verständnis stoßen. Da bleibt auch die Sachlichkeit auf der Strecke. Wer diese Entscheidungen vertreten und begründen muss, fühlt sich bestimmt nicht wohl in seiner Haut, wenn man Zielscheibe des verständlichen Kummers und der Wut wird, auch wenn man von der Notwendigkeit seiner Maßnahmen überzeugt ist.

Und die schönsten Erinnerungen?

Herzog-von der Heide: Diese Liste ist bei weitem länger: Ich erfreue mich noch immer daran, dass unsere kleine skeptisch beäugte Verwaltung als Zwerg unter den beteiligten Städten das europäische Urban-Programm mit Bravur gemeistert hat. Auch die Bibliothek im Bahnhof an den Start zu bringen – im engen Schulterschluss mit den Stadtverordneten – empfinde ich als Beweis, dass selbst hochfliegende Pläne in Luckenwalde Bodenhaftung bekommen können. Die Erneuerung der Schwindsuchtsbrücke, die Sanierung von Schulen und Kitas, die Fläming-Therme, „das Wunder von Mannheim“ und das neue Industriegebiet Zapfholzweg gehören auch in diese Reihe. Aber ebenso bereichernd sind für mich die Begegnungen mit Menschen, die mir imponieren aufgrund ihrer Klugheit, ihrer Ideen, ihres Mutes und ihrer mitreißenden Tatkraft. Ich habe viele solcher Persönlichkeiten kennenlernen dürfen.

Was ärgert Sie?

Herzog-von der Heide: Wenn wider besseren Wissens Halbwahrheiten und Unwahrheiten in Umlauf gebracht werden, um den vermeintlichen politischen Gegner zu diskreditieren, dann halte ich das für unanständig. Daran will ich mich auch nicht gewöhnen. Dass unterschiedliche Meinungen und gelegentlich auch der Streit zum politischen Geschehen gehören, ist Teil des Tagesgeschäfts. Dass ich mich als Bürgermeisterin für meine Auffassung auch massiver Kritik auszusetzen habe, ist ebenfalls zu akzeptieren.

Haben Sie Ihren Schritt jemals bereut?

Herzog-von der Heide: Nein. Es kommt öfter anders als man denkt. So wäre es in den 1980er Jahren jenseits aller Vorstellungskraft gewesen, einmal in Luckenwalde zu leben und zu arbeiten. Und 1991 wäre es mir nie in den Sinn gekommen, hier Bürgermeisterin zu werden. Diese einst unbekannten Variablen haben meinem Leben gute Wendungen gegeben. An circa 300 Tagen im Jahr möchte ich mit keinem tauschen.

Wollen Sie in Luckenwalde alt werden?

Herzog-von der Heide: Ich bin in Luckenwalde bereits alt geworden. Wenn die Frage auf meine Bindung an diese Stadt abzielt: Ich habe mich von Anfang an nie „nur zu Besuch“ gefühlt. Ich habe vor 25 Jahren Luckenwalde zu meinem Lebensmittelpunkt gemacht, ohne woanders einen Nebenwohnsitz zu unterhalten. Ich habe zu den hier üblichen Konditionen gearbeitet und auch kein sogenanntes Buschgeld beansprucht. Auch familiär ist mir Luckenwalde zur Heimat geworden. Wir haben hier geheiratet. Wir wohnen in einem Haus, das wir gekauft und renoviert haben und das wir abbezahlen. Mich zieht es hier nicht weg. Pläne bis zum Lebensende zu machen, bereitet mir eher Unbehagen – ganz nach dem Motto „Willst Du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl’ ihm von Deinen Plänen.“


Von Elinor Wenke

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