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Teltow-Fläming So reagieren Bauern auf Wolfs-Entscheidung
Lokales Teltow-Fläming So reagieren Bauern auf Wolfs-Entscheidung
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00:40 10.03.2018
Steht im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte: der Wolf. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Die Landwirte aus Teltow-Fläming wollen den Kampf gegen Wölfe offenbar verschärfen. Für Freitag ist eine Wolfswache in Jänickendorf anberaumt. „Dort werden wir zu den aktuellen Entwicklungen Stellung nehmen und unseren Unmut kund tun“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, Helmut Dornbusch.

In der kommenden Woche sollen die Wölfe dann auch auf der Präsidiumssitzung der Kreisbauern Thema sein – und dabei werden laut Dornbusch womöglich sogar rechtliche Schritte diskutiert.

Auslöser ist die jüngste Entscheidung des Brandenburgischen Landesamts für Umwelt. Das hatte am Montag den Antrag eines Beelitzer Bauern abgewiesen, der ein ganzes Wolfsrudel entnehmen – zu deutsch, erschießen – lassen wollte. Das Rudel hatte ihm mehrere Tiere gerissen. Das reiche für eine Entnahme aber nicht aus, hieß es beim Umweltamt.

Das Dobbrokower Rudel beschäftigt viele Tierhalter

Für die Bauern in Teltow-Fläming ist diese Entscheidung nicht nur deshalb bedeutsam, weil es sich um die erste Entscheidung dieser Art in Brandenburg handelt. Das Rudel, um das es geht, ist zudem das sogenannte Dobbrikower Rudel, das sich m Naturpark Nuthe-Nieplitz rund um das Dorf Dobbrikow angesiedelt hat. Dieses Rudel beschäftigt zahlreiche Tierhalter im Raum Trebbin, Nuthe-Urstromtal und Ludwigsfelde.

Denn von den 92 Wolfsrissen, die im Jahr 2017 in Teltow-Fläming gemeldet und bestätigt wurden, dürften den Orten nach etwa 40 auf das Konto des Dobbrikower Rudels gehen. Unter anderem meldeten Tierhalter in Berkenbrück, Hennickendorf und Frankenförde mehrfach gerissene Kälber. Acht gerissene Schafe in Blankensee und sechs in Großbeuthen fallen wohl ebenfalls in das Revier des Dobbrikower Rudels.

Die jüngst erlassene Wolfsverordnung des Landes Brandenburg sieht zwar erstmals vor, dass sogenannte Problemwölfe als letztes Mittel getötet werden dürfen. Die Voraussetzungen dafür seien bei dem Beelitzer Fall aber nicht erfüllt gewesen, sagt der Sprecher des Landesamtes für Umwelt, Thomas Frey.

Wolfszaun und Herdenhund sind Voraussetzung

So lagen die beiden Risse einige Monate auseinander. „Wenn Risse in kurzer Zeit erfolgen, muss man befürchten, dass sich bei den Wölfen ein Lerneffekt eingestellt hat. Das ließ sich aus den fraglichen Fällen aber nicht ableiten“, sagt Frey. Zudem habe der Landwirt damals auch noch keinen Wolfszaun gehabt. Der muss aber – genauso wie ein Herdenschutzhund – vorhanden sein, um einen Wolfsabschuss zu rechtfertigen. „Einen solchen Zaun baute der Landwirt erst danach – und seither gab es auch keine Risse mehr“, sagt Thomas Frey.

Für seine Entscheidung bekam das Landesamt durchaus Lob. Der BUND bescheinigte der Behörde „Rückgrat“. Das Landesamt habe gezeigt, dass die Wolfsverordnung kein Freibrief für den Abschuss von Wölfen ist, sagt der BUND-Landesvorsitzende Carsten Preuß. „Trotz der Stimmungsmache gegen den Wolf hat das Landesamt für Umwelt richtig entschieden und ist nicht den Parolen von Bauernbund und Forum Natur Brandenburg gefolgt.“

Helmut Dornbusch fordert „Notrecht“

Aber die Bauern vor Ort sehen es naturgemäß anders. Enttäuscht zeigte sich etwa Martijn Vestjens, Geschäftsführer der Agrarprodukte Frankenförde GmbH. Sein Betrieb wurde im vergangenen Jahr drei Mal von Wölfen heimgesucht, die Tiere rissen immer Rinder. Es klingt Bitterkeit mit, wenn Vestjens sagt, die Entscheidung des Umweltamts sei zu erwarten gewesen. „Wahrscheinlich muss erst etwas Schlimmeres passieren, damit man umschwenkt.“

Kreisbauern-Chef Helmut Dornbusch fasst die Gefühlslage der Bauern so zusammen: „Wir müssen ein Notrecht haben. Wenn jemand einbricht und einen Schaden anrichtet, dann muss es doch möglich sein, den Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen oder zu bekämpfen.“ Der Verband werde deshalb prüfen, welche Einspruchsmöglichkeiten gegen die Entscheidung des Landesamts für Umwelt bestehen. „So, wie es jetzt läuft, kann es jedenfalls nicht funktionieren.“

So viele Rudel, so viele Risse

Derzeit geht man davon aus, dass in Brandenburg 23 Wolfsrudel leben, fast alle in Südbrandenburg. Zudem wurden sieben Paare oder einzeln lebende Wölfe nachgewiesen, die alleine ihr Revier durchstreifen.

In der Region Dahmeland-Fläming sind zwei komplette Rudel ansässig. Eins rund um Dobbrikow (Nuthe-Urstromtal) und eins rund um Jüterbog. Das Revier eines Rudels, das im Forst Hohenbucko (Elbe-Elster) aktiv ist, ragt bei Dahme in die Region hinein. Des Weiteren sind Paare oder einzelne Wölfe rund um Speerenberg, rund um Ba­ruth, bei Märkisch Buchholz und bei Kasel-Golzig nachgewiesen.

In Teltow-Fläming wurden im vorigen Jahr 92 Risse gemeldet, bei denen ein Wolf als Ursache nachgewiesen oder zumindest nicht ausgeschlossen werden konnte. Allein 73 davon waren Schafe. Hinzu kamen 17 Kälber. Im Jahr davor wurden 30 Risse gemeldet.

In Dahme-Spreewald meldeten die Tierhalter 37 Wolfsrisse, darunter 23 Schafe und 12 Stück Damwild. Im Jahr davor waren es insgesamt 16. Schwerpunkt ist der Süden des Landkreises.

Von Oliver Fischer

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